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31.01.2022

Der Kampf gegen Geldwäsche erfordert mehr Informationsaustausch

Geldwäsche und die damit verbundenen Straftaten gehören zu den größten Herausforderungen, vor denen Regierungen weltweit stehen. Aber diese Herausforderung wird so ineffektiv angegangen, dass wir noch nicht einmal genau wissen, wie groß das Problem ist.

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Das United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) schätzt, dass jedes Jahr bis zu zwei Billionen Dollar gewaschen werden. Da jedoch der überwiegende Teil des weltweit gewaschenen Geldes nicht entdeckt wird, könnte es durchaus sein, dass das Ausmaß der Geldwäsche und damit auch die negativen Auswirkungen von Geldwäsche auf Wirtschaft und Gesellschaft noch viel größer sind. Einigkeit besteht jedoch darin, dass der derzeitige Rahmen zur Bekämpfung der Geldwäsche nicht funktioniert. Laut der Studie „The 2021 Global State of Anti-Money Laundering“ von BAE Systems glauben 92% der befragten Compliance-Fachleute, dass die mangelnde Zusammenarbeit zwischen Finanzinstituten, Strafverfolgungsbehörden und politischen Entscheidungsträgern den Fortschritt behindert.

Compliance ist zur Pflichtübung geworden

Geldwäsche ist ein komplexes Verbrechen, das andere schwere Verbrechen, die sogenannten „Vortaten“, durch die Profite rechtswidrig erzielt wurden, voraussetzt. Diese „Vortaten“ gehören zu den schlimmsten Verbrechen der Menschheit, etwa Terrorismus, Menschenhandel, organisiertes Verbrechen, Mord, Entführung und sexuelle Ausbeutung. Die schlechte Nachricht ist, dass solche Verbrechen immer schwerer zu erkennen sind. Fast zwei Drittel der von uns befragten Geldwäsche und Compliance-Experten gaben an, dass es schwieriger als noch vor einem Jahr ist, Geldwäsche zu erkennen, und dass ihnen mehr als die Hälfte der Fälle durch das Netz schlüpfen. Etwa ein Viertel der Befragten beklagten, dass sie mit veralteter Technologie arbeiten müssen und dass sie mit der Anzahl der generierten Warnmeldungen nicht Schritt halten können. Doch neben diesen Herausforderungen gibt es noch einen weiteren Hauptgrund für das Scheitern des Kampfs gegen die Geldwäsche: die Compliance-Kultur selbst. Überwältigende drei Viertel der Teilnehmer an unserer Umfrage sagten, dass die Einhaltung der Vorschriften zu einer Pflichtübung, einem bloßen Ankreuzen von Kästchen, geworden ist, und ein Fünftel bezeichnete die Compliance als bloße Formsache.

Vorschriften zur Geldwäschebekämpfung mangelhaft

Die jüngsten Ereignisse machen deutlich, dass die derzeitigen Vorschriften zur Geldwäschebekämpfung nicht funktionieren. Eine große britische Bank bekannte sich kürzlich schuldig, Geldwäsche in Höhe von fast 400 Millionen Pfund durch einen einzigen Kunden nicht verhindert zu haben. Der Fall wurde von der Financial Conduct Authority (FCA) aufgegriffen und der Bank droht nun eine Geldstrafe in erheblicher Höhe. Aber Geldwäsche ist auch ein deutsches Problem. Deutschland wird in den Medien als „Paradies für Geldwäscher“ bezeichnet – und zwar aufgrund des intransparenten Finanzsektors, der schlechten Aufsicht, der unklaren Zuständigkeiten der Behörden und der zwangsläufig ineffektiven Strafverfolgung. Ein Beispiel dafür haben wir im Vorfeld der Bundestagswahlen im Herbst 2021 gesehen, als die Staatsanwaltschaft Osnabrück das Finanz- und das Justizministerium durchsuchten. Die Ermittlungen richteten sich gegen die beim Zoll und damit beim Finanzministerium angesiedelte Spezialeinheit zur Bekämpfung von Geldwäsche, die Financial Intelligence Unit (FIU). Der Financial Intelligence Unit wurde auch bei der Pleite gegangenen Wirecard, die zumindest als Geldwäschekanal verdächtig war, mangelnde Kontrolle vorgeworfen.

Zeit für Veränderungen – mit der FinCrime-Feedback-Schleife Zusammenarbeit verbessern

Die Studie zeigt, dass Compliance-Experten das Richtige wollen – für ihre Arbeitgeber, für die Opfer von Geldwäsche und für die Gesellschaft als Ganzes. Aber sie brauchen Unterstützung. Hier könnte eine sogenannte FinCrime-Feedback-Schleife helfen – durch eine bessere Zusammenarbeit innerhalb der Branche und zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor, bessere Technologien und die Bereitstellung von mehr Mitteln für die Bekämpfung von Geldwäsche. Aber hier gibt es noch erhebliche Mängel. So wurden die Finanzmittel für IT-Sicherheit, Betrug und Risiken während der COVID-19-Pandemie im Durchschnitt um 26% gekürzt. Das muss sich ändern und das Geld muss effektiver eingesetzt werden. Ein Teil der Finanzmittel sollte in die Verbesserung der internen Fähigkeiten fließen, damit die Analysten die Indikatoren für Vortaten von Geldwäsche in den Finanzdaten besser erkennen können. Die Gelder sollten auch in den Kauf intelligenterer, automatisierter Lösungen zur Bekämpfung von Geldwäsche fließen, die verdächtige Verhaltensmuster erkennen, die dem menschlichen Auge entgehen könnten, während das Personal entlastet wird und sich auf höherwertige Aufgaben konzentrieren kann.

Das Herzstück der FinCrime-Feedback-Schleife ist jedoch die Idee, dass die Beteiligten die Zusammenarbeit verbessern müssen. Mehr als ein Viertel der Compliance-Fachleute sagten in unserer Studie, dass das Feedback, das sie zu ihren Warnmeldungen von der Polizei und den Behörden erhalten, entweder nicht nützlich ist oder nur selten gegeben wird. Durch eine bessere Kommunikation zwischen allen Beteiligten sollte die Polizei schneller an Informationen gelangen, die die Ermittlungen unterstützen, und die politischen Entscheidungsträger werden hoffentlich das Feedback der Branche berücksichtigen, um die Vorschriften wirksamer zu gestalten. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen alle Seiten zugeben, wo die derzeitigen Ansätze versagen, und Zeit, Geld und Mühe investieren, um sie zu korrigieren. Das wird nicht über Nacht geschehen, aber es steht zu viel auf dem Spiel, um das Problem zu ignorieren.

Die Studie „The 2021 Global State of Anti-Money Laundering“ finden Sie hier zum Download.


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