21.01.2025

Deutsche CEOs erwarten drittes Rezessionsjahr

Die Stimmung in deutschen Chefetagen bleibt gedrückt: 37 % bezweifeln, dass ihr Unternehmen in zehn Jahren noch tragfähig ist.

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Knapp 60 % der Unternehmenslenker weltweit erwarten, dass 2025 ein globales Boomjahr mit zunehmendem Wirtschaftswachstum wird, so der beim Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellte 28. Annual CEO Survey von PwC. Für den Bericht wurden 4.701 CEOs in 109 Ländern befragt.

Stimmung in deutschen Chefetagen bleibt gedrückt

Trotz dieser positiven Stimmung erwartet die Mehrheit der deutschen Führungskräfte (56 %) im Inland einen Rückgang des Wachstums. Das würde 2025 für Deutschland zum dritten Rezessionsjahr in Folge machen.

Die Sorgen der CEOs in Deutschland gelten dabei nicht nur dem Standort, sondern auch den eigenen Organisationen: Nur 16 % sind zuversichtlich, dass ihr Unternehmen in den kommenden zwölf Monaten wachsen wird – im vergangenen Jahr waren es noch 42 %. 41 % rechnen für die kommenden zwölf Monate sogar mit einem Stellenabbau. Für die kommenden drei Jahre rechnen 32 % mit Wachstum (Vorjahr: 49 %).

Deutsche Unternehmen zieht es in die USA

28 % der CEOs in Deutschland sehen mindestens die Hälfte ihrer Investitionen im Ausland (Global: 13 %). Dabei sind die USA weltweit das Lieblings-Investitionsland – in Deutschland sogar mit deutlich größerem Abstand (54 %; Global: 30 %). Auf Platz 2 liegt China (18 %), in das globale CEOs inzwischen deutlich weniger investieren (9 %). „Der ehemalige Exportweltmeister Deutschland hat von der Globalisierung überdurchschnittlich profitiert. Entsprechend herausfordernd ist es für sie, die zunehmend anspruchsvolle geopolitische Lage zu managen. Klar ist: Ein Zurück wird es auch für deutsche Unternehmen nicht mehr geben“, so Petra Justenhoven, Sprecherin der Geschäftsführung bei PwC Deutschland.

Management der volatilen Lage ist Kern-Herausforderung für CEOs in Deutschland

Verunsichert sind die deutschen CEOs durch makroökonomische (35 %), geopolitische (31 %) und Cyber-Risiken (31 %) sowie den Fachkräftemangel (21 %). Weltweit sind die Hauptsorgen die instabile makroökonomische Lage (29 %) sowie die anhaltende Inflation (27 %). Im mittleren Osten (41 %) sowie in Mittel- und Osteuropa (34 %) dominiert zudem die Angst vor geopolitischen Konflikten. Die Bekämpfung des Klimawandels hat in den Augen der CEOs demgegenüber an Dringlichkeit verloren (Deutschland: 9 %, Vorjahr: 28 %; Global: 14 %, Vorjahr: 12 %).

Technik-Skepsis und Bürokratie bremsen Profitabilität

Klare Abweichungen gibt es beim Umgang mit den globalen Megatrends künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit. Während weltweit 56 % der CEOs angeben, dass generative KI die Effizienz ihrer Mitarbeitenden erhöht hat, sind es in Deutschland nur 38 %. Auch die Erwartungen an KI sind hierzulande geringer: Weltweit gehen 49 % der CEOs davon aus, dass KI die Profitabilität ihrer Organisationen in den nächsten zwölf Monaten steigert, in Deutschland sind es nur 35 %.

Auch das Thema Klima wird in Deutschland anders angegangen als im Rest der Welt. Fast alle teilnehmenden deutschen Unternehmen (96 %) haben in den vergangenen fünf Jahren klimafreundliche Investitionen initiiert, weltweit liegt der Anteil bei 85 %. Doch während zwei Drittel der globalen CEOs angibt, dass diese Investitionen ihre Kosten gesenkt oder zumindest nicht erhöht haben, waren sie in Deutschland in 51 % der Fälle höher. Weltweit haben diese Klima-Investitionen zudem bei einem von drei Unternehmen den Umsatz gesteigert (33 %; Deutschland: 20 %) – in Deutschland wird für sie auch oft eine geringere Rendite akzeptiert (38 %; Global: 25 %). Ein Grund: komplexe Regulierung der Nachhaltigkeit. Deutsche Unternehmen fühlen sich durch sie wesentlich stärker belastet als ihre Kollegen im Rest der Welt (50 %; Global: 24 %).

Was müssen CEOs tun, um morgen noch erfolgreich zu sein?

Insgesamt bezweifeln 37 % der CEOs in Deutschland, dass ihr Unternehmen bei unverändertem Kurs in zehn Jahren noch wirtschaftlich tragfähig ist (Vorjahr: 30 %). Damit nähern sie sich dem weltweiten Durchschnitt von 42 % (Vorjahr: 45 %). „Wer ein Gewinner von morgen sein will, der sollte schon heute seine Wertschöpfung grundlegend neu denken: CEOs sollten dabei selbst Vorreiter einer Kultur des ständigen Wandels sein und Agilität im Unternehmen fördern, um flexibel und erfolgreich auf die anstehenden Veränderungen reagieren zu können“, rät Justenhoven. „Eine langfristige Perspektive und die Bereitschaft zur Veränderung sind entscheidend, um in einem sich schnell wandelnden Geschäftsumfeld erfolgreich zu bleiben.“

CEOs in Deutschland machen laut der Ergebnisse schon viel, um Veränderungen voranzutreiben: 43 % der befragten deutschen Unternehmen geben an, in den letzten fünf Jahren innovative Produkte und Dienstleistungen entwickelt zu haben – damit liegen sie über dem globalen Durchschnitt von 38 %. 24 % erschließen neuen Kundenstämme (global 32 %). 18 % implementieren neue Preismodelle (global 24 %).

(PwC vom 20.01.2025 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


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