• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Deutsche CEOs pessimistisch: Kaum Fusionen und Übernahmen geplant

08.02.2024

Deutsche CEOs pessimistisch: Kaum Fusionen und Übernahmen geplant

Die ungewissen Konjunkturaussichten und die anhaltend hohen Zinsen führen dazu, dass Investitionen verschoben oder ganz abgesagt werden.

Beitrag mit Bild

© kritchanut/fotolia.com

Aus Sicht deutscher und internationaler Unternehmenschefs bleibt die Weltwirtschaft in turbulentem Fahrwasser: 76 % der CEOs weltweit und 72 % in Deutschland sind der Meinung, dass die Weltwirtschaft im Jahr 2024 kaum oder gar nicht wachsen wird. Ähnlich viele Unternehmenslenker sind der Ansicht, dass Zinsen und Inflation hoch bleiben werden. In Bezug auf das eigene Unternehmen sind die meisten Manager aber deutlich weniger pessimistisch: 64 % der CEOs weltweit rechnen mit Umsatzwachstum, nur sechs % erwarten eine rückläufige Umsatzentwicklung. Die Chefs deutscher Konzerne sind deutlich zurückhaltender: Nur 51 % gehen von Umsatzwachstum aus, immerhin 17 % rechnen mit sinkenden Umsätzen.

Auch die Margenentwicklung wird von deutschen CEOs besonders pessimistisch beurteilt: Weltweit gehen nur 7 % der Unternehmen von einer sinkenden Marge aus – in Deutschland liegt der Anteil hingegen bei 18 %. Nur in Mexiko rechnen noch mehr CEOs mit einer sinkenden Profitabilität – dort liegt der Anteil bei 22 %. In den USA erwarten hingegen nur 5 % eine sinkende Marge, in Großbritannien nur 2 %, in China sogar nur 1 % der Unternehmenschefs.

Das sind Ergebnisse des aktuellen CEO-Survey von EY. Basis der Studie ist eine Umfrage unter 1.200 Vorstandsvorsitzenden weltweit – davon 100 in Deutschland. Die Umfrage wurde im November 2023 und Januar 2024 durchgeführt.

Kaum Hoffnung auf Konjunkturerholung

„Die Hoffnungen auf eine Konjunkturerholung haben sich weitgehend zerschlagen. Wir erleben eine Phase wirtschaftlicher Stagnation bei hohen geopolitischen Risiken. Gerade deutsche Unternehmen sind derzeit mit einer erheblichen Nachfrageschwäche bei gleichzeitig hohen Kosten konfrontiert. Die Stimmung ist aktuell in kaum einem Land so schlecht wie in Deutschland“, beobachtet Constantin M. Gall, Managing Partner und Leiter des Bereichs Strategy and Transactions bei EY in der Region Westeuropa. Er führt dieses Stimmungstief auch darauf zurück, dass deutsche Konzerne mit ihrer starken Internationalisierung besonders sensibel auf die Verschärfung der geopolitischen Lage reagieren: „Mit Blick auf den weiteren Jahresverlauf überwiegen aus Sicht vieler Manager die Risiken: Die Wahl in den USA, der Krieg in der Ukraine, die Krise im Nahen Osten – die Probleme werden eher größer als kleiner, keiner der Krisenherde entwickelt sich derzeit zum Positiven.“

Interesse an Zu- und Verkäufen auf Rekordtief

Die ungewissen Konjunkturaussichten und die anhaltend hohen Zinsen führen dazu, dass Investitionen verschoben oder ganz abgesagt werden. Insbesondere das Interesse an Zu- und Verkäufen von Unternehmen bzw. Unternehmensteilen nimmt deutlich ab. Aktuell planen nur noch 30 % der weltweit befragten Unternehmen mindestens eine Fusion oder Übernahme in den kommenden 12 Monaten – vor einem Vierteljahr lag der Anteil bei 35 %, vor einem halben Jahr sogar bei 59 %. In Deutschland ist der Anteil der Unternehmen mit entsprechenden Transaktionsplänen sogar auf 20 % gesunken – und damit auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2010.

„In der aktuellen Phase der Unsicherheit werden gerade große Investitionsvorhaben sehr gründlich überdacht. Ganz große Transaktionen sind die absolute Ausnahme. Die Mehrzahl der Unternehmenslenker wartet lieber ab, wie sich die Lage entwickelt – oder setzt auf Allianzen und Kooperationen mit anderen Unternehmen“, so Gall.

Immer mehr Allianzen

Im Vergleich zu Übernahmen, bei denen es oft zu einer erheblichen Kapitalbindung kommt, haben strategische Allianzen den Vorteil, dass mit der Transaktion geringere Kosten und eine geringere Bindung von Unternehmensressourcen verbunden sind. „Allianzen sind auf dem Vormarsch – nicht nur wegen des geringeren finanziellen Engagements, sondern auch, weil sie oft die richtige Antwort auf technologische Herausforderungen sind und gleichzeitig Flexibilität bieten“, beobachtet Gall. „Derzeit stehen die Unternehmen unter einem enormen Druck, in Innovationen und neue Geschäftsbereiche zu investieren – aber gleichzeitig zu sparen und schlank und flexibel zu bleiben.“

Gerade deutsche Unternehmen erweisen sich bei Allianzen als besonders aktiv: 53 % der deutschen Konzerne und 41 % der Unternehmen weltweit planen, in den nächsten 12 Monaten ein Joint Venture oder eine strategische Allianz mit einem weiteren Unternehmen einzugehen. Zum Vergleich: Vor einem Vierteljahr lag der Anteil der Unternehmen, die Allianzen eingehen wollten, in Deutschland nur bei 33 %, weltweit hingegen bei 48 %.

(EY vom 08.02.2024 / RES JURA Redaktionsbüro)


Weitere Meldungen


Meldung

© Sergey Nivens/fotolia.com

29.10.2026

Konjunktur zieht an, private Investitionen bleiben schwach

Die deutsche Wirtschaft zeigt zum Jahresende 2026 wieder Wachstumssignale. Das aktuelle Konjunkturbarometer des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) steigt deutlich über die neutrale 100-Punkte-Marke. Doch der Aufschwung bleibt fragil: Während Industrie und staatliche Investitionen die Konjunktur stützen, halten sich private Unternehmen weiterhin mit Investitionen zurück. Hohe Energiepreise und ungünstigere Finanzierungsbedingungen erschweren die Planung. Industrie

Konjunktur zieht an, private Investitionen bleiben schwach
Meldung

©EtiAmmos/fotolia.com

28.10.2026

Kritische Rohstoffe werden zum Finanzierungsrisiko

Engpässe bei kritischen Rohstoffen bedrohen zunehmend die Industrieproduktion. Laut Boston Consulting Group (BCG) unterschätzen viele Unternehmen ihre Abhängigkeiten und verpassen zugleich Chancen auf staatliche Finanzierungshilfen. Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich Nach Berechnungen der BCG könnte die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen wie Seltenen Erden, Lithium, Kupfer und Graphit bis 2040 bei 120 bis 250 % des

Kritische Rohstoffe werden zum Finanzierungsrisiko
Meldung

©peterschreibermedia/123rf.com

27.10.2026

Kostendruck bremst grüne Transformation

Fast jedes zweite Unternehmen in Deutschland verschiebt Investitionen in Nachhaltigkeit. Gleichzeitig kritisiert eine deutliche Mehrheit die aufwendigen ESG-Berichtspflichten. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des Kreditversicherers Atradius. Nachhaltigkeit bleibt wichtig – doch das Geld fehlt Die schwache Industriekonjunktur, Liquiditätsengpässe und geopolitische Unsicherheiten setzen Unternehmen unter Druck. Laut Atradius-Umfrage räumen 73 % der Befragten Nachhaltigkeit weiterhin eine

Kostendruck bremst grüne Transformation
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)