• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Distressed M&A: Deutlicher Anstieg von Insolvenz- und Krisenfällen ab Herbst erwartet

29.05.2020

Distressed M&A: Deutlicher Anstieg von Insolvenz- und Krisenfällen ab Herbst erwartet

Autokonzerne auf der Überholspur

© gunmanza/fotolia.com

Die Unter­neh­mens­be­ra­tung Ebner Stolz Mana­ge­ment Con­sul­tants GmbH hat im Mai 2020 deut­sch­land­weit rund 220 Insol­venz­ver­wal­ter und kri­sen­nahe Bera­ter zu den Aus­wir­kun­gen der aktu­el­len Corona-Krise auf M&A-Pro­zesse bei Kri­sen­un­ter­neh­men sowie zu aktu­el­len Trends und Ent­wick­lun­gen in der Trans­ak­ti­ons­fi­nan­zie­rung befragt.

Die welt­weite Corona-Pan­de­mie stellt Unter­neh­men vor erheb­li­che Her­aus­for­de­run­gen, viele kämp­fen inzwi­schen um ihre Exis­tenz. Die Bun­des­re­gie­rung hat Unter­stüt­zung in Mil­li­ar­den­höhe zuge­sagt: Kurz­ar­bei­ter­geld, Son­der­k­re­dite durch die KfW und ein­ma­lige Liqui­di­täts­hil­fen. Dane­ben wur­den gesetz­li­che Rege­lun­gen geschaf­fen, die etwa Stun­dun­gen bestimm­ter Zah­lun­gen für einen fest­ge­leg­ten Zei­traum erlau­ben oder die bis zum 30. Sep­tem­ber 2020 befris­tete Teil­aus­set­zung der Insol­venz­an­tragspf­licht ermög­li­chen.

Doch wir­ken diese Maß­nah­men nach­hal­tig oder ist in naher Zukunft mit mehr Insol­ven­zen und einer ver­zö­ger­ten Plei­te­welle zu rech­nen? Die aktu­elle Umfrage von Ebner Stolz zeigt, dass die Mehr­heit der Insol­venz­ver­wal­ter und insol­venz­na­hen Bera­ter auf Sicht der nächs­ten sechs Monate von einer stei­gen­den Zahl an Kri­sen- und Insol­venz­fäl­len aus­geht.

Her­aus­for­dernde Zei­ten für M&A Pro­zesse

Eine Chance für die Fort­füh­rung eines Unter­neh­mens waren bis­her kapi­tal­starke Finanz­in­ves­to­ren oder Stra­te­gen, die im Rah­men von M&A-Pro­zes­sen kri­selnde oder insol­vente Unter­neh­men über­nom­men und somit deren Zukunft gesi­chert haben. Nun aber rech­net die Mehr­heit (52%) der befrag­ten Exper­ten und Insol­venz­ver­wal­ter unter ande­rem auf­grund von Rei­se­be­schrän­kun­gen durch COVID-19 kurz­fris­tig mit sto­cken­den M&A-Pro­zes­sen. Auch mit­tel­fris­tig erwar­tet ein knap­pes Drit­tel der Umfra­ge­teil­neh­mer (30%) keine Bes­se­rung der Situa­tion. „Die Umset­zung von lau­fen­den M&A-Pro­zes­sen ist auf­grund der aktu­el­len Ein­schrän­kun­gen bereits heute spür­bar schwie­ri­ger. Viele Deals wer­den ver­mut­lich nicht über die Ziel­li­nie gebracht wer­den, wenn Rei­se­be­schrän­kun­gen nicht bald auf­ge­ho­ben wer­den“, sagt Michael Euch­ner, Part­ner M&A bei Ebner Stolz in Stutt­gart.

Es stellt sich des­halb die Frage, ob es nicht auch hier gesetz­li­che Aus­nah­me­re­ge­lun­gen geben sollte – spe­zi­ell dann, wenn ein Insol­venz­ver­wal­ter bestä­tigt, dass Arbeits­plätze bei einem Schei­tern des Deals gefähr­det sind. Hinzu kommt, dass sich die Gruppe poten­ti­el­ler Käu­fer redu­ziert: Viele stra­te­gi­sche Inves­to­ren befin­den sich aktu­ell selbst im Kri­sen­mo­dus und kämp­fen mit der eige­nen ope­ra­ti­ven Leis­tungs­fähig­keit oder Umsatz­ein­brüchen. Akqui­si­tio­nen sind dort vor­erst kein Thema. Daher sieht mehr als die Hälfte der Befrag­ten (56%) der­zeit Finanz­in­ves­to­ren klar im Vor­teil. Ins­be­son­dere Pri­vate Equity Fonds ver­fü­gen über viel Kapi­tal, das inves­tiert wer­den muss. Den­noch wird es auch wei­ter­hin gut auf­ge­s­tellte Unter­neh­men geben, die gezielt die Chan­cen die­ser Krise nut­zen und stra­te­gisch moti­vierte Zukäufe täti­gen. Ins­ge­s­amt ist aber davon aus­zu­ge­hen, dass sich die Zahl der poten­ti­el­len Käu­fer und somit auch die Nach­frage ver­rin­gern wird.

Kauf­p­reise sin­ken, Sch­näpp­chen­jagd beginnt

Mit der sin­ken­den Nach­frage und der all­ge­mein ange­spann­ten wirt­schaft­li­chen Lage dürf­ten kurz­fris­tig auch die Kauf­p­reise unter Druck gera­ten. Davon geht über die Hälfte der Umfra­ge­teil­neh­mer (54%) aus. Hier eröff­nen sich für Finanz­in­ves­to­ren Chan­cen, da sie gezielt nach wert­hal­ti­gen „Sch­näpp­chen“ Aus­schau hal­ten kön­nen.

Hin­sicht­lich der Bewer­tung von Unter­neh­men sollte der­zeit sowohl die Covid-19-Resis­tenz von Geschäfts­mo­del­len als auch die Finanz­ent­wick­lung der letz­ten Jahre in Betracht gezo­gen wer­den. Zusätz­lich soll­ten für die Zukunft die Poten­ziale ermit­telt wer­den.

„Cash is King“

Doch auch bei den Finanz­in­ves­to­ren wird es eine Ände­rung geben: haben diese außer­halb der Krise noch ver­stärkt auf Leverage-Finan­zie­run­gen gesetzt, wer­den sie nun den Eigen­ka­pi­tal­an­teil bei Akqui­si­ti­ons­fi­nan­zie­run­gen deut­lich stei­gern müs­sen. Davon geht mehr als die Hälfte der Befrag­ten (54%) aus. Gerade auf Kauf­p­reise im Mid- / Large-Cap könnte dies einen nega­ti­ven Ein­fluss haben.

Dual Track Ver­fah­ren not­wen­dig

„Die kon­se­qu­ente Ein­lei­tung und Umset­zung eige­ner Restruk­tu­rie­rungs­maß­nah­men ver­schafft den Unter­neh­men mehr Luft, um nach­hal­tige Lösun­gen – durch eigene Sanie­rung oder durch Auf­nahme eines Inve­s­tors – auch umset­zen zu kön­nen. Ein­schnitte sind hart, sichern aber unter Umstän­den den Fort­be­stand des Unter­neh­mens“, fasst Mar­kus Müh­l­en­bruch, Part­ner in der Ser­vice Line Restruk­tu­rie­rung, die Lage not­lei­den­der Unter­neh­men zusam­men. Die Mehr­heit der Teil­neh­mer erwar­tet, dass es eher zu Restruk­tu­rie­run­gen inn­er­halb einer Insol­venz kommt und ope­ra­tive Maß­nah­men des­halb stär­ker in den Fokus rücken.

Zusam­men­fas­send sagen die befrag­ten Exper­ten vor­aus, dass Insol­ven­zen mit­tel­fris­tig zuneh­men wer­den. Auf­grund der redu­zier­ten Liqui­di­tät und Unsi­cher­heit im Markt ist auch davon aus­zu­ge­hen, dass sich die Krise zumin­dest mit­tel­fris­tig in den nächs­ten sechs Mona­ten, in den Kauf­p­rei­sen nie­der­schla­gen wird. Es bleibt abzu­war­ten, wie sich die Unter­neh­mens­land­schaft in den nächs­ten Jah­ren ent­wi­ckeln wird, die Sze­na­rien sind hier viel­fäl­tig. Grund­sätz­lich aber gilt: Ent­we­der es kom­men viele Unter­neh­men mit einem blauen Auge davon oder es gibt nach der Insol­venz- eine Kon­so­li­die­rungs­welle, ganz nach dem Motto „sur­vi­val of the fit­test“.

Ein­zel­hei­ten zu den Ergeb­nis­sen der Umfrage „Aktu­elle Her­aus­for­de­run­gen bei Unter­neh­mens­trans­ak­tio­nen in Kri­sen- und Insol­venz­si­tua­tio­nen“ fin­den Sie hier.

(Pressemitteilung Ebner Stolz Mana­ge­ment Con­sul­tant vom 27.05.2020)


Redaktion

Weitere Meldungen


China
Meldung

© vege/fotolia.com

11.04.2024

Weniger deutsche Unternehmen von China abhängig

Weniger Unternehmen in Deutschland geben an, abhängig von Vorprodukten aus China zu sein. Dies geht aus einer Umfrage des ifo Instituts hervor. Demnach sind derzeit 37 % aller Industrieunternehmen in Deutschland auf wichtige Vorprodukte aus China angewiesen. Im Februar 2022, unmittelbar vor Beginn des Krieges in der Ukraine, waren es noch 46 %. „Gleichzeitig sehen wir, dass

Weniger deutsche Unternehmen von China abhängig
sustainability, Nachhaltigkeit, ESG
Meldung

©peterschreibermedia/123rf.com

10.04.2024

Geschäftsmodell Klimaschutz

In Deutschland hat sich Klimaschutz längst als relevanter Wirtschafts­faktor etabliert. Dies spiegeln auch aktuelle Befragungs­ergebnisse aus dem KfW-Klimabarometer wider, wonach bereits heute 30 % der Unternehmen in Deutschland – dies sind rund 1,1 Mio. Unternehmen – Waren oder Dienstleistungen anbieten, die zum Klimaschutz beitragen. Dabei haben 12 % oder rund 450.000 Unternehmen ihr Angebot sogar vorrangig

Geschäftsmodell Klimaschutz
Europa
Meldung

©DenysRudyi/fotolia.com

10.04.2024

Standort Deutschland nur Mittelfeld

Deutschland liegt bei der gegenwärtigen Standortattraktivität für Firmen aus dem eigenen Land nur im Mittelfeld Europas. Dies zeigt eine Umfrage des ifo Instituts und des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik unter Wirtschaftsexpertinnen und -experten in verschiedenen Ländern. In Deutschland bewerten die einheimischen Befragten die Standortattraktivität mit 61,3 von 100 möglichen Punkten. Österreich erzielte 72,4 Punkte; die

Standort Deutschland nur Mittelfeld
CORPORATE FINANCE - Die Erfolgsformel für Finanzprofis

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das CORPORATE FINANCE Gratis Paket: 1 Heft + Datenbank