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23.11.2022

EU-Taxonomie: Erst jedes fünfte Unternehmen nutzt Standardprozesse für die Datenlieferung

Seit Anfang 2022 müssen zur nichtfinanziellen Berichterstattung verpflichtete Unternehmen erstmals auch Angaben zur sog. EU-Taxonomie machen, also „grüne“ Kennzahlen veröffentlichen. Dazu zählen „grüne“ Umsätze sowie Investitions- und Betriebsausgaben. Außerdem werden diese Kennzahlen ab 2024 voraussichtlich nicht nur berichts-, sondern auch prüfungspflichtig – und es werden weitere Berichtsthemen hinzukommen. Unternehmen müssen also davon ausgehen, dass der Aufwand für die Berichterstattung gemäß der EU-Taxonomie weiter steigen wird.

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PwC Deutschland wollte wissen, wie die Unternehmen die Implementierung der EU-Taxonomie gemeistert haben, und hat dazu insgesamt 170 Unternehmen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden sowie neun Großbanken aus acht europäischen Ländern befragt. Denn auch für die Banken gewinnt die nichtfinanzielle Berichterstattung an Relevanz: Sie haben eine wichtige Funktion, um den „Green Deal“ der Europäischen Union umzusetzen und müssen unter anderem die „Green Asset Ratio“ angeben, also den Anteil „grüner“ Kredite bzw. Investments in ihrem Portfolio.

Etwa jedes zweite Unternehmen hat mit der Konformitätsberichterstattung begonnen

Ein zentrales Ergebnis: Knapp die Hälfte der Unternehmen (48%) hat bereits mit der Konformitätsberichterstattung zur EU-Taxonomie begonnen. Laut der Studienautoren ist ein guter Wert, wenn man bedenke, wie viel Aufwand mit der Umsetzung verbunden sei. Diesen schätzen nur 13% der taxonomieerfahrenen Unternehmen als gering ein, 54% halten ihn für mittelgroß.

6 von 10 Befragte mussten für die Berichterstattung externes Personal einsetzen

46% gehen außerdem davon aus, dass sie für die Berichterstattung zusätzliches Personal einsetzen müssen. Und sechs von zehn Befragten mussten bereits auf externe Unterstützung zurückgreifen, um ihren Berichtspflichten nachzukommen. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass viele Unternehmen den Umsetzungsaufwand für die EU-Taxonomie häufig noch unterschätzen, zum Teil massiv. Zusätzliche Berichtsthemen und die Konformitätsprüfung werden ihn weiter erhöhen, prognostizieren die Studienautoren. Unternehmen sollten die erforderlichen Ressourcen unbedingt zügig freigeben oder beschaffen, um späteren Zusatzaufwand zu vermeiden.

Häufig noch kein Standardprozess zur Datenlieferung

Überraschend ist, dass zwei Drittel der befragten Unternehmen noch keinen standardisierten Prozess zur Lieferung der taxonomierelevanten Daten entwickelt haben. Die Autoren der Studie betonen, dass an standardisierten Prozessen kein Weg vorbeiführt, damit die berichteten Daten verlässlich sind und künftig eine zuverlässige Steuerung des Unternehmens ermöglichen. Dazu gehöre es insbesondere, Prozesse und Verantwortlichkeiten klar zu definieren. Nur so könnten mittelfristig viele der erforderlichen Reportingprozesse automatisiert werden. Das sei erforderlich, um den Aufwand für die Berichterstattung trotz steigender Anforderungen stabil zu halten.

Nur ein Drittel nutzt dezidierte Tools für das Nachhaltigkeitsreporting

Für automatisierte Prozesse sind dezidierte Nachhaltigkeitsreportingtools essenziell. Solche Tools nutzt allerdings erst etwa jedes dritte Unternehmen (31%) – und spezielle Tools für die Berichterstattung zur EU-Taxonomie nutzen sogar nur 9%. Immerhin: 41% der befragten Unternehmen wollen künftig spezielle Tools einsetzen. Derzeit nutzen knapp drei Viertel der befragten Unternehmen Excel für die EU-Taxonomie-Berichterstattung, etwa jedes vierte Unternehmen setzt auf Word und rund jedes fünfte nutzt E-Mails.

Excel- oder Word-Dateien sind aus Sicht der Studienautoren für die Berichterstattung zur EU-Taxonomie nicht geeignet, weil diese Dateiformate nicht über Zugriffskontrollen und nur bedingt über eine Änderungsverfolgung verfügen. Somit erlauben sie keine prüfsichere Dokumentation.

Der Umsetzungsaufwand für die EU-Taxonomie ist für Banken noch einmal deutlich größer als für Unternehmen, weil sie die Klassifizierung auf Ebene der Unternehmen und auf Ebene der Einzelgeschäfte vornehmen müssen – und dies für sehr viele Fälle. Die intensive Befragung von neun europäischen Großbanken ergab, dass insbesondere die Ergebniskonsistenz vielfach herausfordernd ist: Insbesondere bei der Einwertung zur ab 2023 verpflichtenden Taxonomiekonformität kämen unterschiedliche Sachbearbeiter ohne prozessgesteuerte Tools möglicherweise häufig zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Hinzu komme, dass die Prozesse von Banken zur Kreditvergabe derzeit auf die Unternehmensebene abgestellt sind – und nicht auf die Ebene der wirtschaftlichen Tätigkeiten, wie es die EU-Taxonomie vorsieht. Banken müssten daher Prozesse und IT-Systeme umstellen, was einen erheblichen Zeit- und Kostenaufwand verursache.

Taxonomiekonformität könnte bald über Kreditkonditionen mitentscheiden

Weil Banken die Informationen, die sie brauchen, oft noch nicht in ausreichender Weise von den Unternehmen erhalten, greifen sie der Analyse zufolge auf die Daten externer Anbieter zurück. Dies verursache hohe Kosten und sei überdies volkswirtschaftlich unsinnig, weil alle Banken dieselben Informationen benötigen. Deutlich effizienter wäre es, diese regulatorischen Daten über eine gemeinschaftlich organisierte Infrastruktur öffentlich zugänglich zu machen, und so den Zeit- und Kostenaufwand für beide Seiten – Banken und Unternehmen – deutlich zu reduzieren. Die Regulierungsbehörden werden laut der Studienautoren künftig von den Banken bei nicht-taxonomiekonformen Krediten sehr wahrscheinlich eine höhere Eigenkapitalunterlegung verlangen. In der Folge werden auch die Banken ihrerseits voraussichtlich zwischen nicht-taxonomiekonformen und taxonomiekonformen Krediten unterscheiden – und ebenso bei den Konditionen.

Die PwC-Studie „EU-Taxonomie 2022 – Nachhaltigkeitsberichterstattung im Wandel“ finden Sie hier.

(Pressemitteilung PwC Deutschland vom 22.11.2022)


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