• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Fachkräfte-Index: Finanz-Experten erleben Rekordnachfrage

01.02.2023

Fachkräfte-Index: Finanz-Experten erleben Rekordnachfrage

Autokonzerne auf der Überholspur

©chombosan/fotolia.com

Die wirtschaftlichen Herausforderungen des vergangenen Jahres wirkten sich auch im letzten Quartal noch auf die Zahl der Stellenausschreibungen aus, doch der Abwärtstrend scheint gestoppt. Der Hays Fachkräfte-Index Q4/2022 verzeichnet im Vergleich zum Vorquartal mit -4 Prozentpunkten zwar nochmals einen leichten Nachfragerückgang. Dieser fällt allerdings geringer aus als die Abschwächung von Q2 zu Q3. Mit +128% (Q3: 132%) konsolidiert sich der Wert damit auf einem insgesamt nach wie vor sehr hohen Niveau, welches über dem Vorjahresquartal (+114%) liegt.

Leichte Abschwächung bei Stellenausschreibungen

Damit gleicht die branchenübergreifende Nachfrage nach Fach- und Führungskräften in der Gesamtbetrachtung 2022 einer Berg- und Talfahrt. Während im ersten Quartal die Zeichen noch auf Ausbau der Belegschaft standen, gab es im zweiten Quartal einen ersten Nachfragedämpfer. Neben einem leergefegten Fachkräftemarkt schlug hier bereits die einsetzende Inflation zu Buche. Im dritten Quartal setzte sich diese Entwicklung fort: Die deutsche Wirtschaft befand sich in einer Schockstarre, die die Nachfrageentwicklung beeinflusste. Sie ging nochmals um 15%punkte (von +147 auf +132%) zum Vorquartal zurück. Im vierten Quartal ist die Zahl der Stellenausschreibungen insgesamt nun nur noch leicht rückläufig.

Nachfragerekord bei Finanz-Fachkräften, Einbruch im Bereich Life Science

Eine Ausnahme bildet die Nachfrage nach Expertinnen und Experten innerhalb der Finanzabteilungen. Hier bewegt sich die Entwicklung im Vorquartalsvergleich nochmals um 20%punkte nach oben (+122%). Mit einer Gesamtzahl von 29.100 absolut ausgeschriebenen Stellen markiert das vierte Quartal 2022 ein Allzeithoch innerhalb dieser Berufsgruppe seit der Erstauswertung 2015. Die zahlenmäßig meisten Jobanzeigen richten sich an Controller und Bilanzbuchhalter (10.600 bzw. 5.500 offene Stellen), die stärksten Zuwächse haben Tax Manager (+65 PP), Wirtschaftsprüfer (+32 PP) und Compliance Manager (+25 PP). Die Rekordnachfrage nach Finance-Spezialisten, insbesondere Controllern und Bilanzbuchhaltern, unterstreicht den Druck seitens der Unternehmen, Kosten transparent zu machen, um die Folgen der hohen Inflation abzumildern, stellen die Studienautoren fest. Dementsprechend seien diese Fachkräfte innerhalb der Unternehmen aktuell in zahlreiche Projekte in den Bereichen Digitalisierung, Reporting, Umstrukturierung oder ESG stark eingebunden.

Stark abgeschwächt hat sich hingegen die Nachfrage nach Life Science-Spezialisten. Hier verzeichnet der aktuelle Fachkräfte-Index mit -27 Prozentpunkten (auf 212%) den deutlichsten Rückgang innerhalb der verschiedenen Berufsfelder. Als möglicher Grund kann die abklingende Corona-Pandemie gelten, die der Branche zuvor einen Nachfragepush gegeben hatte.

HR-Fachkräfte: Langfristig und kurzfristig wichtige Jobs differenzieren sich aus

Die Berufsgruppe der Personaler hatte im Vorquartal über alle Positionen hinweg einen deutlichen Rückgang erfahren. Dieser Abwärtstrend scheint bis auf eine Ausnahme gestoppt. In der Summe ist die Zahl der HR-Stellen zwar erneut leicht gesunken (-4 PP auf 261%), dies ist aber lediglich auf den wiederholten Nachfrage-Einbruch (-40 PP) bei den Recruitern zurückzuführen. Alle anderen Positionen wie Personalreferenten (+9 PP), Employer Branding Manager (+2 PP) oder Personalberater (+21 PP) verzeichnen in Q4 hingegen Anstiege. Trotz konjunktureller Abschwächung sind HR-Experten also nach wie vor sehr gefragt. Dies betrifft insbesondere Stellen, die auf eine langfristige Personalplanung und erfolgreiches Employer Branding einzahlen.

Nachfrage nach IT-Fachkräften erneut leicht rückläufig

Der aktuelle Fachkräfte-Index weist nun zum dritten Mal in Folge weniger IT-Stellengesuche als im Vorquartal aus. Mit mehr als 104.000 offenen Positionen führt die Berufsgruppe der IT-Fachkräfte das Nachfrageniveau in seiner Gesamtzahl zwar nach wie vor deutlich an. Die Gesamtnachfrage geht in Q4 aber erneut um 9 Prozentpunkte zurück (von 156 auf 147%). Dabei werden SAP Entwickler (+9 PP), IT-Security Spezialisten (+7 PP) und IT-Administratoren (+7 PP) verstärkt gesucht, die Nachfrage nach Web- (-30 PP) und Softwareentwicklern (-19 PP) hat stärker nachgelassen. Die anhaltend hohe Gesamtzahl freier Stellen legt den Rückschluss nahe, dass viele Unternehmen die aktive Suche nach IT-Spezialisten längst aufgegeben haben, da es das passende Knowhow am Bewerbermarkt nicht gibt, und Besetzungszyklen schlicht zu teuer werden. Einen kontinuierlichen Abwärtstrend seit Q1 erfährt auch die zweitgrößte Berufsgruppe innerhalb des Index, die Fachkräfte im Bereich Sales und Marketing. Mit einem Minus von 7 Prozentpunkten auf 97% fällt dieser allerdings weniger gravierend als im Vorquartal aus (-33 PP).

Baubranche zieht an, starker Einbruch in der IT-Industrie

Der Blick auf die einzelnen Branchen offenbart unterschiedliche Entwicklungen. Interessant hierbei: Nachdem das Baugewerbe im vergangenen Quartal eine deutlich rückläufige Nachfrage erfahren hatte, nahm die Zahl der ausgeschriebenen Stellen zum Jahresende um 26 Prozentpunkte wieder zu. Ein möglicher Grund für den Nachfrageanstieg dürfte die Umsetzung großer Infrastrukturprojekte wie LNG-Terminals sein. Den stärksten Rückgang nachgefragter Jobs lässt sich in der IT-Branche beobachten. Auf die bereits um 37 Prozentpunkte gesunkene Nachfrage in Q3 folgte zum Jahresende nochmals ein Einbruch um ganze 56 Prozentpunkte auf nun 152%. Mit knapp 33.000 freien Stellen ist dies der niedrigste Wert seit zwei Jahren. Weiter abgeschwächt hat sich auch die Zahl der Stellengesuche innerhalb der Finanz- und Versicherungsdienstleister (-12 PP) sowie im Handel (-9 PP).

Unsichere wirtschaftliche Situation lässt Unternehmen bei Neueinstellungen zurückhaltend agieren

Die nach wie vor unsichere wirtschaftliche Situation und die hohe Inflation lässt die Unternehmen auch im vierten Quartal eher zurückhaltend agieren, was Neueinstellungen betrifft, stellen die Studienautoren fest. Die gegenläufige Entwicklung, die Rekordzahlen bei der Suche nach Finanz-Experten unterstreiche die derzeitige Fokussierung der Entscheider auf kostenbewusstes Wirtschaften. Dennoch befinde sich die Personalnachfrage nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau, anders als bei vergleichbaren wirtschaftlichen Entwicklungen in der Vergangenheit. Das sei ein klares Zeichen dafür, dass der strukturelle Fachkräftemangel vor allem in bestimmten Bereichen und Branchen immer stärker werde und sich weiter zuspitzen werde.

Weitere Informationen zum Hays Fachkräfte-Index finden Sie hier.

(Pressemitteilung Hays vom 01.02.2023)


Weitere Meldungen


CO2, Treibhausgase
Meldung

dmitrydemidovich/123rf.com

26.02.2024

Digitalisierung kann 2030 mehr als 70 Mio. Tonnen CO2 einsparen

Windräder, die mithilfe von Sensoren ihre Rotorblätter optimal an die Windstärke anpassen, Felder, die auf Basis von Satellitendaten sparsamer gedüngt werden, Fabriken, die dank KI hocheffizient produzieren und dabei Energie einsparen: Digitale Technologien können wesentlich dazu beitragen, dass Deutschland seine Klimaziele im Stichjahr 2030 erfüllt. Wie die neue Bitkom-Studie „Klimaeffekte der Digitalisierung“ zeigt, kann der

Digitalisierung kann 2030 mehr als 70 Mio. Tonnen CO2 einsparen
Gender, pay gap, Lohnunterschied, Entgelttransparenz
Meldung

©BachoFoto/fotolia.com

26.02.2024

Gender Investment Gap: Startup-Gründerinnen erhalten viel weniger Geld als Männer

„Gender Pay Gap“ auch bei Deutschlands Gründerinnen: Startups, die von einem Team auf die Beine gestellt wurden, das ausschließlich aus Frauen besteht, erhielten im vergangenen Jahr nur einen Bruchteil der Summe, die an Jungunternehmen mit rein männlichen Gründungsteams floss. Konkret: 102 Millionen Euro gingen an Startups mit einem rein weiblichen Gründungsteam – das sind 2 %

Gender Investment Gap: Startup-Gründerinnen erhalten viel weniger Geld als Männer
Investition, Investment, Wachstum, Erfolg
Meldung

©Sondem/fotolia.com

22.02.2024

KMU in Deutschland sind im EU-Vergleich größer

Die KMU in Deutschland sind im Durchschnitt größer als die KMU in der EU insgesamt. Dies zeigt sich beispielsweise in der durchschnittlichen Anzahl der Beschäftigten je KMU.

KMU in Deutschland sind im EU-Vergleich größer
CORPORATE FINANCE - Die Erfolgsformel für Finanzprofis

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das CORPORATE FINANCE Gratis Paket: 1 Heft + Datenbank