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24.02.2022

Familienunternehmen überdurchschnittlich optimistisch und investitionsfreudig

Autokonzerne auf der Überholspur

© v.poth/fotolia.com

Mittelständische Familienunternehmen kommen offenbar besser durch die Pandemie als die übrigen Mittelständler, die nicht im Familienbesitz sind: So war zum Jahresende 2021 nicht nur die Geschäftslage bei Familienunternehmen spürbar besser, auch der Ausblick fiel überdurchschnittlich optimistisch aus: 59 Prozent der familiengeführten Unternehmen rechnen mit einer Verbesserung der Geschäftslage im ersten Halbjahr 2022 – bei den Nicht-Familienunternehmen liegt der Anteil mit 49 Prozent deutlich niedriger.

Die Zuversicht bei Familienunternehmen führt auch zu einer überdurchschnittlich hohen Investitions- und Einstellungsbereitschaft: So verfolgen 35 Prozent der Unternehmen eine Wachstumsstrategie und 33 Prozent wollen ihre Investitionen steigern. Zum Vergleich: Bei nicht im Familienbesitz befindlichen Mittelständlern liegt der Anteil nur bei jeweils 31 Prozent.

Das sind Ergebnisse des „EY Family Business Barometer 2022“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Für die Studie wurden deutschlandweit 280 mittelständische Familienunternehmen mit mindestens zehn Millionen Euro Umsatz befragt, bei denen mindestens 50 Prozent der Gesellschaftsanteile in der Hand einer oder mehrerer Familien liegen und mit Mittelständlern verglichen, die nicht im Familienbesitz sind.

Familienunternehmen hätten in den vergangenen Monaten einen wichtigen Anteil an der erfolgreichen Stabilisierung der Wirtschaft trotz äußerst schwieriger Rahmenbedingungen, sagt Michael Marbler, Partner bei EY und Leiter Mittelstand in Deutschland. „Familiengeführte mittelständische Unternehmen verfolgen tendenziell eine längerfristig orientierte Strategie, sie haben in Krisenzeiten einen längeren Atem und können somit Durststrecken oft besser überbrücken, ohne dass das Unternehmen substanziell Schaden nimmt. Dank kurzer Entscheidungswege konnten sie in Lockdown-Zeiten vielfach unkonventionellere Antworten auf unvorhergesehene Ereignisse geben – das erwies sich als Vorteil gegenüber Nicht-Familienunternehmen. Diese Erfahrungen zahlen sich jetzt aus und führen unter anderem zu einer großen Bereitschaft, die Belegschaft aufzustocken“, sagt Marbler.

Immerhin 39 Prozent der Familienunternehmen rechnen damit, dass die Zahl der Beschäftigten im ersten Halbjahr 2022 steigen wird – nur vier Prozent gehen von einer sinkenden Mitarbeiterzahl aus. Zum Vergleich: Von den Nicht-Familienunternehmen rechnen nur 32 Prozent mit einem Beschäftigungswachstum, sechs Prozent mit einer rückläufigen Beschäftigtenzahl.

Vor Problemen sind allerdings auch Familienunternehmen keineswegs gefeit, betont Wolfgang Glauner, Autor der Studie und Leiter Familienunternehmen bei EY: „Gerade der zunehmende Fachkräftemangel bereitet enorme Sorgen“. 19 Prozent der familiengeführten Unternehmen bezeichnen das Finden neuer und ausreichend qualifizierter Mitarbeiter als sehr schwer, weitere 61 Prozent als eher schwer. Bei den Nicht-Familienunternehmen liegt der Anteil bei 16 bzw. 65 Prozent und damit insgesamt ähnlich hoch. „Zwar liegt die Fluktuation bei vielen mittelständischen Familienunternehmen niedriger als im Durchschnitt. Aber es wird branchenübergreifend immer schwieriger, vakante Stellen adäquat zu besetzen. Wie jedes Unternehmen benötigt auch ein Familienunternehmen gut ausgebildeten Nachwuchs, um beweglich und am Puls der Zeit zu bleiben. Nicht zuletzt aus diesem Grund kann sich der Fachkräftemangel negativ auf den Mittelstand und seine Wettbewerbsfähigkeit auswirken. Das ist gerade für ländliche Regionen ein potenzielles Problem, wo Familienunternehmen oft eine herausragende Rolle als Motor der wirtschaftlichen Entwicklung spielen“, warnt Glauner.

Bei jedem elften Unternehmen stellt sich kurzfristig die Nachfolgefrage

Neben der Suche nach neuen Mitarbeitern steht bei immerhin jedem elften Familienunternehmen die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin in der Unternehmensführung an: Neun Prozent der Betriebe müssen in den kommenden drei Jahren die Nachfolge organisieren. In den meisten Fällen muss nicht nur der Chefposten neu besetzt werden, sondern bei knapp zwei Drittel muss auch die Nachfolge im Gesellschafterkreis geregelt werden. Dabei sollen die Nachfolger in den meisten Fällen – 75 Prozent – innerhalb der Familie gefunden werden, in 21 Prozent der betroffenen Unternehmen ist der Einsatz eines externen Managers oder einer Managerin geplant, während das Unternehmen im Eigentum der Familie bleibt. Und nur in vier Prozent der Fälle ist ein Verkauf oder ein Management-Buy-in geplant.

Die Nachfolgefrage gestaltet sich vielfach schwierig, wobei die Probleme offenbar weniger in der Identifizierung geeigneter Nachfolger liegen – dieser Faktor wird nur von 17 Prozent der betroffenen Unternehmen als Herausforderung bezeichnet –, sondern vor allem in bürokratischen Hürden (54 Prozent) und/oder der anfallenden Erbschaft-/Schenkungsteuer (50 Prozent).

„Viele befürchten, dass ihrem Familienunternehmen beim Generationenwechsel die notwenige Liquidität für künftige Investitionen entzogen wird und die Regelungen im Erbschaftsteuerrecht die unternehmerische Flexibilität einschränken“ berichtet Michael Marbler. Aufgrund der Komplexität des Themas empfiehlt er Familienunternehmern, sich frühzeitig Gedanken darüber zu machen, wie sie die Übergabe ihres Unternehmens gestalten wollen und welche Optionen es hierfür gibt.


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