• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Finanzierung von Familienunternehmen im Umbruch

17.10.2018

Finanzierung von Familienunternehmen im Umbruch

Beitrag mit Bild

© Marco2811/fotolia.com

Deutsche Familienunternehmen haben weniger Schulden, sind risikoscheuer und planen langfristiger als nicht familiengeführte Betriebe. Zu diesem Schluss kommt die aktuelle Studie von Euler Hermes und Roland Berger zum Thema „Finanzierungsstrukturen von Familienunternehmen“.

Gleichzeitig weisen sie aber in einigen Bereichen schlechtere Finanzkennzahlen auf. In den kommenden Jahren brauchen sie für Innovationen und Investitionen in beispielsweise die Digitalisierung frisches Kapital. Viele stehen zudem vor der Herausforderung eines Generations- oder Eigentümerwechsels, der häufig mit veränderten Kapitalstrukturen einhergeht. Die Finanzierung von Familienunternehmen steht daher vor einem Umbruch.

Mehr Eigenkapital, aber höhere Zinssätze und schlechteres Working Capital Management

„Familienbetriebe sind zwar risikoscheuer als nicht-familiengeführte Unternehmen – aber sie managen ihre Finanzen in manchen Bereichen auch weniger effizient“, sagt Martin Wendt, Risikoexperte von Euler Hermes und Autor der Studie in Zusammenarbeit mit Roland Berger. „Sie zahlen im Schnitt höhere Zinssätze für ihre Kredite und haben eine deutlich längere Kapitalbindung (Working Capital Days). Das wirkt sich – trotz der geringeren Verschuldung und besseren Eigenkapitalquote – negativ beim Liquiditätsmanagement aus.“

Die geringere Verschuldung und höhere Eigenkapitalquote machen Familienunternehmen von externen Geldgebern unabhängiger als andere Firmen wie die Untersuchung auf der Grundlage von Datenanalysen und Interviews von mehr als 700 deutschen Familienunternehmen zeigen. Doch das wird sich in Zukunft ändern.

Finanzierungsbedarf steigt – Banken und Private Equity Investoren gewinnen an Bedeutung

„Die meisten Familienunternehmen benötigen in den kommenden Jahren hohe Investitionen in Innovationen und Digitalisierung. Sie haben zwar eine solide Kapitalstruktur und aktuell großen finanziellen Spielraum. Doch mit den jetzt geplanten Investitionen stoßen auch sie an ihre Grenzen. Dadurch steigt ihr Interesse an einer Zusammenarbeit mit Kapitalgebern. Banken und Investoren mit maßgeschneiderten und wachstumsorientierten Finanzierungslösungen bieten sich jetzt gute Einstiegschancen in einem attraktiven Markt“, sagt Matthias Holzamer, Partner von Roland Berger.

Neben der traditionellen Hausbankfinanzierung bieten Private Equity Investoren für bestimmte Finanzierungsanlässe eine Alternative, um den erhöhten Finanzierungsbedarf zu decken. Bei vielen Familienunternehmen ist der Gang zur Hausbank jedoch immer noch der präferierte Weg, um insbesondere umfangreiche Kontrollrechte und Steuerungsrechte zu vermeiden. Gleichzeitig verbessert die Beteiligung externer Investoren erfahrungsgemäß aber auch die Managementfähigkeiten und den Professionalisierungsgrad in der Unternehmensführung. Dies ist angesichts der in den kommenden Jahren anstehenden großen Herausforderungen wichtig.

Neue Märkte und Geschäftsfelder, digitale Technik bergen Risiken und kosten Geld

Der Exportanteil von deutschen Familienunternehmen steigt schätzungsweise von durchschnittlich 36 auf 40 Prozent weiter an. Das erhöht nicht nur den Kapitalbedarf, sondern birgt auch Risiken“, sagt Wendt. „Auch die Diversifizierung in neue Geschäftsfelder erfordert oft eine andere Expertise und kostet Geld.“

Mehr als die Hälfte der deutschen Familienunternehmen plant den Einstieg in neue Bereiche und Investitionen in digitale Technik. Jedes zweite Unternehmen will zudem deutlich mehr als bisher für langfristige Anlagegüter ausgeben.

Wanted: Nachfolger mit Know-How

„Eine weitere große Herausforderung für viele Familienunternehmen ist das Thema Nachfolge. Allein bis zum Jahr 2022 stehen 150.000 Eigentumsübertragungen von deutschen Firmen an. Sie erfordern nicht nur ein tiefes Verständnis der Besonderheiten von Familienunternehmen, sondern sind häufig auch mit einer Veränderung der Kapitalstruktur verbunden“, sagt Holzamer.

Externe Nachfolger tendieren häufig zu einer weniger konservativen Unternehmensführung und zeigen sich offener für schuldenfinanzierte Investitionen. Nach der Eigentumsübertragung werden zudem in den meisten Fällen kostenaufwändige organisatorische und strategische Veränderungen vorgenommen, die – zusätzlich zum teilweise vorhandenen Investitionsstau – zu erhöhtem Finanzierungsbedarf führen.

(Pressemitteilung Euler Hermes vom 16.10.2018)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

©ra2 studio/fotolia.com

27.01.2026

Deutsche Innovationsausgaben so hoch wie nie

Die Innovationsausgaben der deutschen Wirtschaft sind im Jahr 2024 auf 213,3 Milliarden Euro gestiegen. Das entspricht einem Plus von 4,9 % im Vergleich zum Vorjahr. Angesichts einer Inflationsrate von 3,1 % bedeutet dies einen leichten realen Zuwachs. Die Innovationsplanung für die kommenden Jahre bleibt auf einem konstanten Niveau, wie der neue Bericht zur Innovationserhebung 2025 des ZEW

Deutsche Innovationsausgaben so hoch wie nie
Meldung

©DenysRudyi/fotolia.com

26.01.2026

Topmanager warnen: Ohne Kurswechsel droht Standortverlust

96 % der europäischen Topmanager und 85 % der Bürger halten daher den Schutz der europäischen Wirtschaftsinteressen für zwingend notwendig. Das ist eines der Ergebnisse des aktuellen „European Competitiveness Barometer“ der Boston Consulting Group (BCG), für das 850 Topmanager und 6.400 Bürger in 30 europäischen Ländern befragt wurden. Vier von fünf der befragten Führungskräfte und Bürger fordern

Topmanager warnen: Ohne Kurswechsel droht Standortverlust
Meldung

© Kara / fotolia.com

26.01.2026

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen bremsen Offshore-Ausbau

Der Ausbau der Offshore-Windenergie in der Nordsee kommt langsamer voran als politisch geplant. Das zeigt eine neue Studie der Boston Consulting Group (BCG). Zwar haben sich die neun Anrainerstaaten auf ein gemeinsames Ziel von 120 Gigawatt (GW) Offshore-Windleistung bis 2030 verständigt, doch aktuell sind erst rund 34 GW installiert. Um das Ziel zu erreichen, müsste

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen bremsen Offshore-Ausbau
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)