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25.02.2019

Flüssig bleiben trotz Express-Zahlungsverkehr

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

Geschwindigkeit ist keine Hexerei und der Nutzen von Überweisungen in Echtzeit klar: Die Zahlungen sind in maximal zehn Sekunden zum Empfänger transferiert. Die Nachfrage der Kunden? Wahrscheinlich hoch, genauso wie die Herausforderungen für die Banken. Denn untertägige Liquidität sicherstellen, ist für Treasurer kein Pappenstiel. Kann ein Intraday-Geldhandel die Lösung sein, um die Neuerung für alle Banken handhabbar zu machen?

Geschwindigkeit ist keine Hexerei und der Nutzen von Überweisungen in Echtzeit klar: Die Zahlungen sind in maximal zehn Sekunden zum Empfänger transferiert. Die Nachfrage der Kunden? Wahrscheinlich hoch, genauso wie die Herausforderungen für die Banken. Denn untertägige Liquidität sicherstellen, ist für Treasurer kein Pappenstiel. Kann ein Intraday-Geldhandel die Lösung sein, um die Neuerung für alle Banken handhabbar zu machen?

Die Europäer haben sich geeinigt – ja das geht auch. Ein einheitliches Regelwerk des European Payment Council (EPC) ist die Grundlage der Instant Payments. Die neue Autobahn im Zahlungsverkehr stellt sicher, dass in der Single Euro Payments Area (SEPA), zu der 34 Länder gehören, an jedem Tag im Jahr Überweisungen möglich sind. Und dass dies sehr schnelle Transaktionen sind, mit denen Summen bis zu einer Höhe von 15.000 Euro bewegt werden können.

Instant Payments, eine neue Dimension für Banken

Dies wird Banken abrupt in eine neue Ära katapultieren: Sammlung von Überweisungen und dann stapelweise Abarbeitung? Vorbei! Die Bundesbank stellt klar, „Zahlungsdienstleister, die Instant-Überweisungen anbieten, müssen rund um die Uhr an allen Tagen des Jahres für die Abwicklung dieser Zahlungen erreichbar sein.“ Transaktionen sind also immer auszuführen, ob Wochentag oder Feiertag. Dass diese Dienstleistung mit erheblichen zusätzlichen Kosten verbunden ist, liegt auf der Hand. Daher wäre es ein denkbares Zukunftsszenario, dass sich nur wenige große Institute um Instant Payments kümmern. Sie sind in der Lage, Skaleneffekte zu nutzen oder das Angebot unter Cross-Selling-Gesichtspunkten rentabel zu gestalten. Allerdings ist es nicht wahrscheinlich, dass es so kommt. Die bisherigen Reaktionen der Banken und Sparkassen sprechen eher für eine breite Beteiligung. Zudem wären oligopolartige Strukturen von den Aufsichtsbehörden nicht gerne gesehen und auch nicht im Interesse der Finanzwirtschaft. Wie man es wendet, Instant Payments scheinen alternativlos, will man als Kreditinstitut die Abwanderung von Kunden nicht riskieren.

Worin liegen nun von der Warte der Banksteuerung betrachtet die besonderen Herausforderungen durch Instant Payments? Dies sind vor allem zwei Punkte:

  • untertägiges Zahlungsunfähigkeitsrisiko
  • Ertragsrisiken

Herausforderung untertägige Liquidität

Die Krux mit Überweisungen in Echtzeit ist, dass stets Geld flüssig sein muss. Die Zahlungen sind umgehend zu leisten. Bisher wurden Unterdeckungen im Tagesverlauf einfach durch Liquiditätszuflüsse am Ende eines Handelstages ausgeglichen. Nun erlaubt die sofortige Valutierung der Transaktionen keinen Ausgleich über einen Tagesendsaldo. Damit ist der Valutatag nicht mehr die kleinste zeitliche Recheneinheit der Banken.

Eine verlässliche Aussage über die Zeitpunkte von eingehenden Zahlungsaufträgen ist kaum möglich. Allenfalls lässt sich, basierend auf historischen Beobachtungen, etwas zu Auslastungsspitzen der Zahlungsverkehrssalden sagen. Beispiel: Saldo x wird in einem bestimmten Zeitfenster T mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit p nicht unterschritten (Konfidenzniveau). Zusammen mit hoher Datenqualität relevanter Echtzeitsalden bildet dies eine solide Basis des Intraday-Liquiditätsrisikocontrollings. Allerdings ist die Liquiditätssteuerung aktuell nicht auf den Ernstfall eingerichtet: Überschreiten die Zahlungsausgänge zu einem beliebigen Zeitpunkt die freien hochliquiden Reserven zuzüglich des EZB-Saldos, so tritt die Zahlungsunfähigkeit ein.

Hinzu kommt: Die technische Infrastruktur und auch die Prozesse im Zahlungsverkehr sind gar nicht auf die neuen Anforderungen vorbereitet. Regel-Autorisierungsprozesse passen nicht mehr. Eskalationskanäle für drohende Liquiditätsengpässe reagieren zu träge. Und auch die IT muss den untertägigen Zeitpunkt eines Zahlungseingangs oder -ausgangs erfassen können. Und was passiert mit Altverträgen? Bei ihnen war es bislang unerheblich, wann eine Zahlung an einem Tag innerhalb der Handelszeiten ausgeführt wurde. Künftig sind auch für diese – vermeintlich von Instant Payments nicht betroffenen – Geschäftsvorfälle Anpassungen nötig.

Service, der auf den Ertrag drückt

Eine zweite Herausforderung, die Banken neben dem untertägigen Zahlungsunfähigkeitsrisiko stemmen müssen, sind die Kosten. Instant Payments ist ein teurer Trend, es gibt Ertragsrisiken. Grund sind die notwendigen höheren Liquiditätspuffer, um Spitzenbedarfe auszugleichen. Verschärfend tritt hinzu: Die Refinanzierungskosten drohen zu steigen, wenn das Zinsumfeld sich normalisiert und die Niedrigzinsphase endet. Was ist das Resümee? Aus heutiger Sicht macht der Zwang, mehr hochliquide, renditearme Sicherheiten vorzuhalten und dafür perspektivisch steigende Refinanzierungsaufwendungen zu haben, eine Teilnahme an Instant Payments unter Kostengesichtspunkten unattraktiv. Verstärkend wirkt, dass das Treasury-Instrumentarium der Banken für die Steuerung der Risiken aus Instant Payments wenig praktikabel erscheint – es sei denn, es wird grundsätzlich erweitert.

Zusammen Antikorrelationen nutzen

Warum sollten Banken in dieser Situation nicht zusammenarbeiten und einen Real-Time-Interbankenausgleich starten? Ein leistungsfähiger Intraday-Geldhandel zwischen den Kreditinstituten könnte unter Gesichtspunkten der Risiko- und Ertragssteuerung sinnvoll sein. Dies kann funktionieren, weil die Intraday-Cash-Salden zwischen Banken in der Regel antikorreliert sind. Das bedeutet, dass die Überschüsse und Bedarfe an Liquidität jeweils im Wesentlichen spiegelbildlich verlaufen. Somit ist ein Interbankenausgleich hier theoretisch möglich. Es wäre also durchaus effizient, würden Kreditinstitute mit zum Beispiel unterschiedlichem Kundenfokus diese Antikorrelation ausnutzen und einen gemeinsamen Interbanken-Marktplatz für untertägige Liquidität gründen.

Vorteile eines Intraday-Geldhandels

Entschließen sich Banken für so eine Handelsplattform, haben sie ein gutes Refinanzierungsinstrument, das Vorteile bringt:

  • Geringere Barreserven sowie Sicherheitenwerte im Pfanddepot bei der Zentralbank,
  • dadurch mehr freie Mittel für Investments in renditestärkere Anlageformen (theoretisch auch ohne dabei nachteilige Effekte auf die regulatorischen Mindestanforderungen hervorzurufen [Liquiditätsreserven nach MaRisk, Liquidity Coverage Ratio]),
  • dadurch Kostenvorteile, um sie an Bankkunden weiterzureichen, etwa als attraktive Konditionen bei Intraday-Liquiditätslimiten.

Bei einem steigenden Marktzinsniveau erhöht sich zudem der negative Spread zwischen den Refinanzierungskosten sowie den Erlösen aus der Pufferhaltung. Das hebt die Attraktivität dieses Modells gegenüber der Barmittelvorhaltung.

Voraussetzungen des Intraday-Geldhandels

Damit dieses Modell seine Vorzüge entfaltet, muss die Mittelaufnahme frei von Sicherheitenstellung gestaltet sein. Daher sind Bedingungen von den am Realtime-Interbankenausgleich teilnehmenden Instituten zu definieren etwa bei den Themen Abwicklungssicherheit und Transparenz. Für die objektive Beurteilung des Kreditvergaberisikos an die jeweiligen Handelspartner dürfte sich die Etablierung einer zentralen Gegenpartei als Prüfinstanz anbieten. Ihre Aufgabe: eine kontinuierliche und unabhängige Prüfung, ob die zuvor vereinbarten Mindeststandards für eine verlässliche Zahlungsfähigkeit erfüllt sind. Im Falle eines Zahlungsverzugs könnte dann ein Pfändungsmechanismus die vollständige Tilgung offener Posten gewährleisten.

Quintessenz: Neue Lösungen für neuen Service

Der Echtzeitzahlungsverkehr wird auf breiter Front in das Leistungsportfolio der Banken einziehen. Die Institute sind daher gehalten, die zusätzlich entstehenden Zahlungsunfähigkeitsrisiken abzusichern. Dies mit den etablierten Liquiditätspuffern lösen zu wollen stellt sich als unwirtschaftlich heraus. Denn diese müssten erheblich ausgeweitet werden, was – insbesondere vor dem Hintergrund steigender Spreads – deutlich höhere und in der Tendenz steigende Kosten verursacht. Um diese Herausforderungen zu meistern, kann ein Interbankenhandel etabliert werden, der untertägige Liquidität vermittelt. Dieses alternative, risikoorientierte und kosteneffiziente Steuerungsinstrument ist allerdings nicht zum Nulltarif zu haben. Seine Einrichtung stellt eine komplexe Aufgabe dar. Die zu erwartenden Kosteneinsparungen und die verbesserte Steuerung durch die Einführung von speziell ausgestalteten Intraday-Geldhandelsinstrumenten werden den Aufwand jedoch langfristig rechtfertigen.

Technologische Weichenstellung

Das neue Zahlungsverfahren ist für Banken nicht ohne Investitionen in die IT realisierbar. Natürlich wäre auch die Zwischenschaltung von Fintechs denkbar, die den Geldtransfer übernehmen. Auf diese Weise kämen Echtzeittransaktionen zustande, ohne dass die Bank Geld in die Hand nehmen müsste. Bei dieser Lösung handelt es sich allerdings nicht um echte Überweisungen, sondern nur um Zahlungsgarantien. Das heißt, anders als bei Instant Payments können Empfänger oft nicht sofort über das Geld verfügen. Für Privatkunden mag das akzeptabel erscheinen sofern eine Rückabwicklung ausgeschlossen werden kann und die Zahlung bis auf wenige Ausnahmen final ist. Diverse Anwendungsfälle von Instant Payments bei einer „Realtime Treasury“ eines Unternehmens erfordern dann aber eben doch die Wertstellung in Echtzeit.

Bei den wirklichen Echtzeitüberweisungen sind die Finanzinstitute als Automated Clearing Houses direkt mit dem Interbanken-Clearing verbunden. Außerdem ist seit November 2018 die Abrechnung über das System TIPS (Target Instant Payment Settlement) aktiviert. Dahinter verbirgt sich ein harmonisiertes pan-europäisches Verrechnungssystem, welches Echtzeitüberweisungen mittels Zentralbankgeld ermöglicht. Die neue 24/7-verfügbare Technologie minimiert die Abwicklungsrisiken für den Kunden.

Zahlungslösung für alle Kundengruppen

Das Instant Payments-System ist nicht nur auf dem Papier attraktiv. Schon die wenigen Monate, in denen der Express-Zahlungsverkehr verfügbar ist, lassen auf eine gute Akzeptanz hoffen. Das ist kein Wunder, haben doch schnelle fristgerechte Überweisungen einen hohen Wert. Privatpersonen können so Kaufprozesse beschleunigen oder Gebühren bei Behörden kurzfristig und dennoch pünktlich zahlen.

Was Privatkunden recht ist, kann Firmenkunden nur billig sein. Trotz der derzeitigen Transaktionsgrenze von 15.000 Euro sind auch im Business-Sektor viele Anwendungsfälle denkbar. Im Vergleich zum derzeit gängigen Lastschriftverfahren arbeiten Instant Payments final, also nicht rückholbar. Sie stellen dem Empfänger zudem die Liquidität früher zur Verfügung. Das reduziert den Liquiditätsbedarf und schafft mehr Optionen für das Cash Management. Hinzu kommt: Das Zahlungsangebot steht der eigenen Digitalisierungsstrategie der Firmen gut zu Gesicht. Unternehmen dürften daher Instant Payments offen gegenüberstehen. Kurz: Privat- und Geschäftskunden werden für Traffic auf der neuen Zahlungsautobahn sorgen. Diese Lasten müssen Banken bewältigen können.

Eine detaillierte Darstellung dieser Thematik erhalten Sie im Whitepaper „Payment & Liquidity go instant. Antworten der Liquiditätssteuerung auf neue Herausforderungen durch die Reformierung des Zahlungsverkehrs“, steht Ihnen hier zum Download zur Verfügung.

Autoren: Oliver Schwarz verantwortet bei der Hamburger PPI AG als Managing Director unter anderem die Themenbereiche Treasury-Management und Liquiditätssteuerung. Dr. Hannu Wichterich ist bei der Hamburger PPI AG als Managing Consultant unter anderem in den Themenbereichen Liquiditätssteuerung und Regulatorik aktiv.


Redaktion

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