15.02.2017

Gemeinsam gegen strategische Investoren

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Der Einstieg von Midea beim Roboterbauer Kuka hat die deutsche Politik alarmiert. Gemeinsam mit Frankreich und Italien verlangt sie nach besseren Instrumenten in Europa, um Übernahmen aus China abwehren zu können.

Der Einstieg von Midea beim Roboterbauer Kuka hat die deutsche Politik alarmiert. Gemeinsam mit Frankreich und Italien verlangt sie nach besseren Instrumenten in Europa, um Übernahmen aus China abwehren zu können.

Deutschland, Frankreich und Italien setzen sich gemeinsam dafür ein, auf europäischer Ebene ein Instrument zur Abwehr strategischer Investoren zu etablieren. In einem gemeinsamen Brief der Wirtschaftsminister der Länder an EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström, der dem Handelsblatt vorliegt, heißt es, man befürchte einen Ausverkauf von europäischem Know-how. Im Moment fehlten die Instrumente, um diesen Ausverkauf effektiv zu bekämpfen. Deshalb wolle man gegensteuern, schreiben Wirtschaftsminister Brigitte Zypries (SPD) und ihre Amtskollegen aus Frankreich und Italien, Michel Sapin und Carlo Calenda.

Vetorecht gegen Übernahmen?

In einer fünf Punkte umfassenden Vorschlagsliste, die dem Brief anhängt, werden Fälle genannt, in denen man künftig die Möglichkeit schaffen will, Investitionen von Unternehmen aus Nicht-EU-Ländern zu unterbinden. Das soll etwa dann der Fall sein, wenn ein Investor vom Staat unterstützt wird oder wenn die Investition auf der Basis staatlicher Programme erfolgt. Die Abwehr der Investition soll nur möglich sein, wenn der Investor einen „signifikanten Teil eines Unternehmens“ kaufen will.

„Unsere Unternehmen stehen im harten Wettbewerb mit Ländern, die nicht selbst so offen sind wie Deutschland und Europa. Deutschland ist für offene Märkte, wir unterstützen Investitionen ausländischer Unternehmen in Deutschland“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig. Ausländische Investoren müssten aber auch zeigen, „dass es um Investitionen in Deutschland geht, diese nicht staatlich getrieben sind, und dabei marktkonforme Finanzierungen vorliegen“, sagte Machnig weiter. Dies gelte auch und gerade für Schlüsselindustrien. „Das ist ein Prinzip, das wir zusammen mit Frankreich und Italien in Europa etablieren wollen“, sagte Machnig.

Kuka als Auslöser

Der gemeinsame Vorstoß fußt auf einer deutschen Initiative. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte entsprechende Vorschläge bereits im Oktober vergangenen Jahres in Brüssel zur Diskussion gestellt. Auslöser war der Einstieg eines chinesischen Investors beim Augsburger Roboterhersteller Kuka.

Deutschland ist das Hauptzielland für chinesische Firmenübernahmen in Europa. Im vergangenen Jahr haben Unternehmen aus der Volksrepublik ihre Investitionen in Europa von 30,1 auf knapp 86 Milliarden Euro nahezu verdreifacht und sich an 309 Firmen beteiligt oder diese übernommen, wie die Unternehmensberatung EY ermittelt hat. Das waren mehr als in den vorangegangenen vier Jahren zusammen. Mit 68 Übernahmen war Deutschland das beliebteste Investitionsziel für chinesische Firmen vor Großbritannien mit 47 Akquisitionen.

Interesse chinesischer Investoren ungebrochen

Die EY-Berater rechnen trotz zunehmenden Gegenwinds mit weiter steigendem Interesse chinesischer Firmenkäufer – auch an großen deutschen Unternehmen: „Hierzulande gibt es nach wie vor viele Übernahmeziele für chinesische Unternehmen“, sagte der EY-Übernahmeexperte Alexander Kron Ende Januar.

Die Berater vermuten, dass sowohl der geplante Austritt Großbritanniens aus der EU als auch die Präsidentschaft von Donald Trump in den USA das chinesische Interesse an Europa noch steigern könnten. Einige chinesische Beteiligungsfirmen hätten ihre Pläne bereits kurzfristig geändert und Investitionsfonds in Europa aufgelegt, sagte die für das Chinageschäft zuständige Beraterin Sun Yi.

(Quelle: Handelsblatt vom 15.02.2017)


Redaktion

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