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14.11.2022

Große Gehaltssprünge für deutsche Vorstände – Frauen verdienen deutlich mehr als Männer

Die Frauen liegen weiter vorn: Top-Managerinnen deutscher Spitzenunternehmen (DAX, MDAX und SDAX) verdienen im Schnitt gut 2,4 Mio. € und damit 348.000 € mehr als ihre männlichen Kollegen. Diese erhielten im vergangenen Geschäftsjahr durchschnittlich rund 2,1 Mio. € – ein Plus von 25% gegenüber dem Vorjahr. Bei den Frauen legten die Gehälter etwas schwächer – um 17% – zu. Insgesamt stiegen die Gehälter der Vorstände (ohne CEOs) im Schnitt um 24% im Jahr 2021, der Verdienst der CEOs wuchs um 23%, so das „Mixed Compensation Barometer“ von EY. Berücksichtigt wurden ausschließlich Vorstandsmitglieder, die das komplette Geschäftsjahr im Vorstand vertreten waren.

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© sakkmesterke/fotolia.com

Gehälter der deutschen Vorstände auf neuem Höchststand – im Schnitt stiegen sie um 469.000 €

Damit hat die Vergütung der Top-Manager und Managerinnen einen neuen Höchststand erreicht. Während über alle DAX-Indizes hinweg der Verdienst im Vergleich zum Vorjahr von 1,9 auf 2,4 Mio. € stieg, legte die Gesamtdirektvergütung der CEOs von 2,6 auf 3,3 Mio. € zu.

Weibliche Vorstandsmitglieder liegen weiterhin vorn

Bereits im siebten Jahr lag 2021 die Gesamtdirektvergütung der Frauen oberhalb ihrer männlichen Kollegen in vergleichbaren Positionen. Der Gehaltsvorsprung weiblicher Vorstandsmitglieder ging allerdings über alle untersuchten Indizes hinweg von durchschnittlich 421.000 € im Jahr 2020 auf 348.000 € zurück – und war damit so niedrig wie zuletzt im Jahr 2017. Wie in den Vorjahren war der relative Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder in den DAX-Unternehmen höher als in den anderen Indizes. Das grundsätzlich höhere Gehaltsniveau im DAX führt somit in der Gesamtbetrachtung zu einem höheren Vergütungsniveau weiblicher Vorstandsmitglieder.

Beim Vergleich der Vergütung von Frauen und Männern blieben aus Gründen der Vergleichbarkeit die CEOs außen vor, da es nach wie vor nur sehr wenige weibliche CEOs gibt und die Vorstandsvorsitzenden deutlich höhere Gehälter erzielen als andere Vorstandsmitglieder. So erhielt etwa im Leitindex DAX, wo derzeit lediglich Bélen Garijo der Merck KGaA als weibliche Vorstandsvorsitzende vorsteht, ein CEO im Jahr 2021 eine durchschnittliche Gesamtdirektvergütung von 6,0 Mio. €. Der Durchschnitt der jährlichen Direktvergütung aller DAX-Vorstandsmitglieder lag bei 3,9 Mio. €.

Weibliche Vorstände legen um 17% zu, die Männer sogar um 25%

Der Frauenanteil in den Vorstandsgremien wächst nur langsam, aber zumindest liegen Frauen in der Vergütung vorn, stellen die Studienautoren fest. Als wichtigen Grund für den Gehaltsvorsprung weiblicher Vorstände nennen sie die verstärkten Bemühungen der Unternehmen, Frauen für ihr oberstes Führungsgremium zu gewinnen. Da geeignete Kandidatinnen knapp seien, erhöhe sich ihr Marktwert und damit auch ihre Vergütung. Hochqualifizierte weibliche Top-Managerinnen hätten weiterhin eine sehr gute Verhandlungsposition.

Gestiegene Bonuszahlungen im DAX

Im DAX erhalten weibliche Vorstandsmitglieder seit 2016 eine höhere durchschnittliche Gesamtdirektvergütung als ihre männlichen Kollegen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Gehaltsdifferenz zwischen männlichen und weiblichen Vorständen allerdings geschrumpft. So ist die durchschnittliche Gesamtdirektvergütung weiblicher Vorstände um 14% gestiegen, die männlichen Vorstandsmitglieder verzeichnen hingegen einen Anstieg von 23%. Ein weibliches DAX-Vorstandsmitglied verdiente im Mittel 3,45 Mio. €, bei den Männern waren es 3,37 Mio. €. Die durchschnittliche Gesamtdirektvergütung weiblicher DAX-Vorstandsmitglieder lag im Jahr 2021 um 80.000 Euro höher als die ihrer männlichen Kollegen.

Fixgehalt und langfristige Bonuszahlungen sind nahezu gleich geblieben

Insgesamt auffällig bei der Gehaltsentwicklung im Leitindex: Während Fixgehalt und langfristige Bonuszahlungen nahezu gleich geblieben sind, sind die Auszahlungen aus dem kurzfristigen variablen Gehalt im Vergleich zum Vorjahr um mehr als das Doppelte auf durchschnittlich 1,3 Mio. € angestiegen. Im Jahr 2020 waren aufgrund der Covid-19-Pandemie durch Verzichte sowie eine unterdurchschnittliche Zielerreichung die jährlichen Bonuszahlungen im DAX rückläufig, erklären die Studienautoren. Aber in 2021 überstieg das Niveau aufgrund der oftmals sehr guten Gewinnentwicklung der Unternehmen sogar die Vorjahre. Die durchschnittliche Gesamtdirektvergütung der Vorstandsmitglieder im DAX ist laut der EY-Analyse in 2021 im Vergleich zu 2020 um 21% gestiegen.

Im MDAX bleiben die Männer vorn

Im Jahr 2019 hatten die Frauen seit Untersuchungsbeginn im Jahr 2013 erstmals auch in jedem einzelnen Index mehr verdient als ihre männlichen Kollegen. Nach 2020 blieben sie jedoch auch 2021 im MDAX wieder hinter ihren männlichen Kollegen zurück. Männliche Vorstandsmitglieder verdienten im MDAX im Schnitt 1,5 Mio. €, weibliche 1,4 Mio. €. Die Differenz der durchschnittlichen Gesamtdirektvergütung zwischen männlichen und weiblichen Vorstandsmitgliedern ist zwischen 2020 (86.000 €) und 2021 (80.000 €) nahezu konstant geblieben. Im Vergleich zum Vorjahr ist die durchschnittliche Gesamtdirektvergütung sowohl weiblicher als auch männlicher Vorstandsmitglieder gestiegen.

Gehaltsvorsprung der Top-Managerinnen im DAX schrumpft von knapp 300.000 auf 80.000 €

Im SDAX wiederum liegen im Jahr 2021 – wie auch bereits in 2019 und 2020 – die Frauen bei der durchschnittlichen Gesamtvergütung vorn: Eine Vorständin im SDAX verdiente im Durchschnitt 1,2 Mio. €, ein Vorstand 982.000 Euro. Die durchschnittliche Vergütung weiblicher Vorstandsmitglieder im SDAX liegt damit um 18% höher als die Vergütung ihrer männlichen Vorstandskollegen. Im Vorjahr betrug dieser Unterschied noch 30%. Während die durchschnittliche Gesamtdirektvergütung der männlichen Vorstände von 2020 auf 2021 um 2% gestiegen ist, verzeichnen weibliche Vorstände einen Rückgang um 7%.

Ausblick: Schwer absehbare Entwicklung

Nach den Rekordumsätzen und -gewinnen vieler Unternehmen im Jahr 2021 ist die wirtschaftliche Perspektive und damit auch die Entwicklung der Vorstandsgehälter in den DAX-Unternehmen aufgrund von Pandemiefolgen, dem Ukraine-Krieg und der Inflation derzeit schwer absehbar, prognostizieren die Studienautoren. Der Trend zeige nicht mehr so eindeutig nach oben wie im Vorjahr und die Vergütungslandschaft werde uneinheitlicher. Daher erscheint ein Rückgang der variablen Vergütung und der Gesamtdirektvergütung für das laufende Jahr möglich, so das Fazit der Analyse.

Die EY Mixed Compensation-Studie 2022 finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung EY vom 14.11.2022)


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