19.08.2021

Gründer lassen sich nicht entmutigen

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Die Pandemie hat das Gründungsgeschehen in Deutschland 2020 nur geringfügig gebremst. Nach einer gemeinsamen Untersuchung von Creditreform und dem ZEW Mannheim sind im vergangenen Jahr knapp 165.000 Unternehmen neu an den Start gegangen. Je nach Branche verlief die Entwicklung jedoch sehr unterschiedlich.

Ungeachtet der Corona-Krise ist die Zahl der Unternehmen im vergangenen Jahr leicht auf knapp 3,3 Mio. gestiegen. Erneut wurden mehr Unternehmen gegründet als geschlossen. Das vom ZEW aufbereitete Mannheimer Unternehmenspanel (MUP) verzeichnete rund 156.000 Schließungen etwa aufgrund von Geschäftsaufgaben oder Insolvenz. Den Grund dafür, dass viele Gründungswillige trotz der Pandemie an ihrem Vorhaben festgehalten haben, sehen die Studienautoren im schnellen Eingreifen der Politik. Die ausgezahlten Wirtschaftshilfen, die erweiterte Kurzarbeiter-Regelung sowie die zeitweise Aussetzung der Insolvenzantragspflicht haben entscheidend dazu beigetragen, dass die Zahl der Gründungen 2020 nicht eingebrochen ist, erläutern die Autoren der Studie.

Deutliche Schwankungen bei der Entwicklung der Gründungen im Jahresverlauf

Die Entwicklung der Gründungen zeigt im Jahresverlauf deutliche Schwankungen. Im Frühjahr 2020, inmitten des ersten staatlich verordneten Lockdowns, starteten deutlich weniger Unternehmen neu als in früheren Jahren. Dagegen war die Zahl der Gründungen im Sommer, Herbst sowie im Dezember überproportional hoch. In der Zeit der stärksten Einschränkungen wurden offenbar viele Gründungsprojekte unterbrochen, aber nicht aufgegeben und im weiteren Jahresverlauf wieder aufgenommen, stellen die Studienautoren fest.

Deutlicher Einbruch bei konsumorientierten Dienstleistungen

Auch wenn die Auswirkungen der Pandemie auf das Gründungsgeschehen in Summe gering sind, zeigen sich innerhalb einzelner Branchen zum Teil erhebliche Ausschläge. Einen deutlichen Einbruch (um 5,3% auf 50.000 Gründungen) verzeichneten konsumorientierte Dienstleistungen – dazu zählen unter anderem das Gastgewerbe, Frisöre, Kinos, freiberufliche wissenschaftliche, kreative und künstlerische Tätigkeiten. Diese Aktivitäten waren in der Pandemie besonders starken Einschränkungen unterworfen. Das galt weniger für das Baugewerbe – trotzdem gingen dort im vergangenen Jahr laut des Mannheimer Unternehmenspanels lediglich 16.000 Betriebe neu an den Start (minus 13,3%).

Nur wenige Notgründungen

Aufgrund der hohen Nachfrage nach Handwerkerleistungen waren die Beschäftigungsmöglichkeiten in dieser Branche so gut, dass es nur zu wenigen Notgründungen kam, stellt die Analyse fest. Vergangene Krisen haben gezeigt, dass in Zeiten schwacher Konjunktur viele Gründungen nur erfolgen, um der Arbeitslosigkeit zu entgehen. Das war diesmal anders: Die Baubranche hatte infolge der Pandemie sogar besonders viel zu tun, weil der Stellenwert des eigenen Zuhauses deutlich gestiegen ist. Rege verlief das Gründungsgeschehen dagegen insbesondere im Versand- und Internet-Handel (plus 24% auf 3.100 Gründungen), bei Herstellern und Dienstleistern von Informations- und Kommunikationsgeräten (plus 5,2% auf 7.500 Gründungen) sowie in der Chemie- und Pharma-Branche (plus 15,7% auf 430 Gründungen).

Spannung verspricht der Verlauf des Gründungsgeschehens in der Nach-Corona-Zeit. Sollte die neue Bundesregierung ein Infrastruktur- und Konjunkturpaket auf den Weg bringen, dürfte das vor allem zu zahlreichen Gründungen im Hightech- und Technologiebereich führen, so die Prognose der Studienautoren.

Weitere Informationen zur Analyse des Gründungsgeschehens 2020 in Deutschland vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie finden sich hier.

(Pressemitteilung Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung vom 19.08.2021)


Redaktion

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