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31.03.2016

Industrie 4.0 im Mittelstand: Fortschritt in Slow Motion

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Corporate Finance

Der Mittelstand erwartet zwar eine erhebliche zusätzliche Wertschöpfung, hat Industrie 4.0 aber größtenteils noch nicht strategisch integriert. Fast 80% siedeln das Thema zwar theoretisch in der Unternehmensstrategie an, beschäftigen sich im Augenblick aber eher mit Prozessen und Technologien.

Grundsätzlich will sich die Mehrheit der Unternehmen künftig deutlich stärker mit Industrie 4.0 befassen. Die Anlaufschwierigkeiten sind jedoch unübersehbar: Zurzeit kommen die entscheidenden Impulse vor allem aus dem externen Umfeld der Unternehmen. Auch in puncto Datenerhebung und -auswertung ist noch Luft nach oben – vor allem beim Umgang mit Big Data, das zeigt eine aktuelle Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte.

„Effizienzgewinne von jährlich etwa 3 bis 8%, die sich die mittelständischen Unternehmen von Industrie 4.0 versprechen, wirken vergleichsweise bescheiden. Das lässt den Schluss zu, dass aus Sicht der Mittelständler weniger eine Revolution als vielmehr eine stufenweise Evolution im Gang ist. Um sämtliche Potenziale zu erschließen und das Thema strategisch zu nutzen, müsste der Mittelstand aber um die 10%punkte mehr investieren“, erklärt Lutz Meyer, Partner und Leiter Mittelstand bei Deloitte.

Praxis geht vor Strategie

Etwa die Hälfte der Unternehmen hat in den letzten zwölf Monaten ein Industrie-4.0-Projekt durchgeführt – zumeist Prozessoptimierungen und -automatisierung, Systemvernetzung sowie die Implementierung neuer Technologien. Aus strategischer Perspektive sind hingegen deutlich weniger Aktivitäten zu verzeichnen. Kaum ein Unternehmen plant Industrie 4.0-Aktivitäten: Nur 23% haben eine explizite Strategie. Zudem setzt sich die Mehrheit bei ihren Projekten einen Horizont von bis zu drei Jahren – nach Expertenmeinung wesentlich zu kurz. Dennoch beurteilen 77% Industrie 4.0 durchaus als strategisches Thema – das damit Sache der Führungskräfte aus Vertrieb und Produktion wird. Bei 34% der Befragten übernehmen dessen Vertreter die Rolle des Mentors, bei 31% die des Machers und bei 30% die des Sponsors. CEO oder CFO sind jedoch noch viel zu selten unmittelbar eingebunden.

 Gute Vorsätze für die Zukunft

In puncto Industrie 4.0 ist der deutsche Mittelstand (noch) kein Hidden Champion und 44% der Studienteilnehmer messen der Thematik tendenziell weniger Bedeutung zu. Jedoch wollen sich 76% künftig stärker damit auseinandersetzen. Dabei vertraut die Hälfte auch auf externe Berater, was für den Mittelstand generell eher ungewöhnlich ist. Insgesamt 29% fühlen sich gut vorbereitet, bei einem Viertel ist das genaue Gegenteil der Fall. Die wichtigsten Treiber für die weitere Entwicklung sehen die Studienteilnehmer in technologischen Veränderungen sowie entsprechenden Markt- und Kundenbedürfnissen – also in externen Faktoren, auf die es zu reagieren gilt. Auch die Wettbewerbssituation spielt eine wichtige Rolle.

Kaum Auswirkungen auf bestehende Geschäftsmodelle

Industrie 4.0 steht allgemein auch für neue, oft disruptive Geschäftsmodelle. Beim Mittelstand ist das nur wenig der Fall: Ein knappes Drittel strebt immerhin eine Änderung seines Modells durch Digitalisierung an, dagegen wollen 42% nichts ändern. Eher werden ergänzende Modelle wie etwa eine neu konzipierte Endkundenkommunikation in Erwägung gezogen. Eine substanzielle Veränderung des Geschäftsmodells scheint für die große Mehrheit der Mittelständler nicht in Sichtweite.

Big-Data-Kompetenzen ausbaufähig

Digitalisierung und Industrie 4.0 sind nicht voneinander zu trennen. Insgesamt 29% der Mittelständler weisen bislang keine Vernetzung der Produktion auf, nur 28% sind bereits stark vernetzt. Ein ähnliches Bild ergibt sich im Hinblick auf Lieferanten und Kunden. Die Studie zeigt, dass die Unternehmen derzeit eher auf eine bessere Auswertung vorhandener Daten setzen als auf die Generierung neuer. Die Fähigkeit, Big-Data-Analysen durchzuführen, wird zwar übereinstimmend als wichtig beurteilt, de facto sind die vorhandenen Kompetenzen aber noch stark ausbaufähig.

„Zwei Drittel der Befragten beurteilen Industrie 4.0 als ausgesprochen erfolgskritisch – aber nur die Hälfte evaluiert die eigenen Projekte. Wenn der Mittelstand die Chancen von Industrie 4.0 adäquat nutzen will, muss er das Thema jetzt zur Chefsache machen, die Digitalisierung unternehmensweit in Angriff nehmen und sämtliche Aktivitäten aufeinander abstimmen. Es gilt, den richtigen Weg zwischen Aktionismus und kaufmännischer Vorsicht zu finden. Die entsprechenden Aktivitäten sollten also realistisch geplant und der Projekterfolg genau ermittelt werden“, resümiert Meyer.

Weitere Informationen finden Sie hier.

(Pressemitteilung Deloitte vom 23.03.2016)


Redaktion

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