• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Konjunktur 2023: Deutsche Firmen stellen sich auf Rezession ein

05.01.2023

Konjunktur 2023: Deutsche Firmen stellen sich auf Rezession ein

Deutschlands Unternehmer blicken besorgt auf 2023. Das ergibt eine Studie des Warenkreditversicherers Atradius. Demnach rechnet fast die Hälfte aller Befragten (48%) mit einer wirtschaftlichen Stagnation im kommenden Jahr. 44% stellen sich auf eine Rezession ein. Neben Inflation und Energiekosten bereitet der Fachkräftemangel deutschen Firmen zunehmend Sorgen.

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

© Eisenhans / fotolia.com

Insbesondere deutsche Unternehmen in den Bereichen Bau, Chemie, Landwirtschaft, Metall sowie Papier stellen sich auf ein herausforderndes Jahr 2023 ein. Hier ist der Anteil derjenigen, die mit einer Rezession rechnen, besonders hoch. 59% der Unternehmen in der Chemie-Branche erwarten einen konjunkturellen Abschwung im kommenden Jahr. Im Bau-Sektor stellen sich 57% der Firmen auf eine Rezession ein. Im Bereich Metall sind es 55%. Nahezu alle befragten aus dem Papier- und Landwirtschaftssektor erwarten entweder Stagnation der Wirtschaft oder sogar eine negative Entwicklung.

Derzeitige Wirtschaftslage könnte zu einer weltweiten Stagflation führen

Laut der Studienautoren dürfte die derzeitige Wirtschaftslage zu einer weltweiten Stagflation im Jahr 2023 führen. Auch ist mit einer straffen Geldpolitik der Notenbanken zu rechnen. Damit bleiben Firmenkredite teurer und die Zinsen für Unternehmensanleihen hoch. Die Unternehmen haben weniger Liquidität zur Verfügung, Investitionen werden verschoben und somit Produktionssteigerungen ausgebremst. Für die Eurozone erwarten die Studienautoren 2023 deshalb einen Rückgang des BIP-Wachstums um 0,1% – nach einem Anstieg um 3,1% in diesem Jahr. In Deutschland werde der Effekt noch deutlicher zutage treten. Das BIP-Wachstum wird der Atradius-Analyse in Deutschland 2023 voraussichtlich um 1,1% zurückgehen. 2024 ist ein Anstieg von etwa 2,7% wahrscheinlich.

Größtes Unternehmerrisiko bleibt die Inflation

Die Inflation und die gestiegenen Energiekosten zählen aus Sicht der Befragten zu den größten unternehmerischen Risiken 2023. Auch der Fachkräftemangel, die geopolitische Entwicklung und der erwartete konjunkturelle Abschwung bereiten den Unternehmen Sorgen.

Rund drei Viertel der Befragten gehend davon aus, dass die Inflation 2023 auf dem aktuellen Niveau verharren (45%) oder weiter steigen (29%) wird. Gegenüber 2022 wird die Inflation in Deutschland der Studie zufolge um etwa 5,1% wachsen. Im Folgejahr wird sich die Inflationssteigerung dann voraussichtlich soweit abgeschwächt haben, dass sie vermutlich auf gleichem Niveau verharren wird. Damit nimmt die Inflation vorerst zwar weiter zu, die Kurve wird 2023 aber gegenüber dem Vorjahr abflachen: 2022 lag die Inflationszunahme noch bei mehr als 8%. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch: die Lebenshaltungskosten und die Preise für Materialien und Rohstoffe bleiben vorläufig hoch.

Damit rechnet auch eine Mehrheit der befragten Unternehmer: 46% der Befragten rechnen mit einer Stagnation der Rohstoff-Preise auf derzeitigem Niveau, fast ein Drittel erwartet sogar eine weitere Verteuerung. Insgesamt 60% glauben zudem, dass die derzeitigen geopolitischen Unsicherheiten auch im kommenden Jahr fortbestehen werden. Solange der Krieg in der Ukraine andauert, bleiben die Märkte volatil, so die Prognose der Studienautoren. Das gelte auch für die Energiemärkte. Allerdings: Aufgrund von Basiseffekten dürften die Energie- und Lebensmittelpreise im kommenden Jahr insgesamt fallen – ob das Vorkrisenniveau wieder erreicht ist, wird ist jedoch mehr als fraglich. Die Lage für die Unternehmen bleibe also sehr unsicher.

Fachkräftemangel unter den größten Unternehmensrisiken 2023

Zu den globalen wirtschaftlichen und geopolitischen Problemen gesellt sich zudem ein europäisches Problem. Der Fachkräftemangel ist neben den globalen Risiken bereits ein echtes Problem, speziell im Handwerk. Laut der Atradius-Studie plant etwas mehr als die Hälfte der Befragten Neueinstellungen im Jahr 2023. Jedoch rechnen 65% der Firmen damit, ihren Mitarbeiterbedarf angesichts des Fachkräftemangels nur zum Teil oder gar nicht abdecken zu können.

Die Summe der derzeitigen wirtschaftlichen Herausforderungen stellt für Unternehmen sämtlicher Größenordnungen eine Mammutaufgabe dar, erklären die Studienautoren. In zahlreichen Firmen werden die Anforderungen an die Management-Teams äußerst hoch sein, das Unternehmen durch diese sehr komplexe und schwierige Situation zu steuern, ohne dass die Organisation in massive Schwierigkeiten gerate.

Alle Ergebnisse der Atradius-Studie sowie den aktuellen Economic Outlook finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung Atradius vom 29.12.2022)


Weitere Meldungen


M&A, Fusion, Übernahme
Meldung

©designer491/fotolia.com

27.01.2023

Mehrheit der CEOs plant trotz volatilem Marktumfeld keine Verschiebung bei Transaktionen

Die weltweiten M&A-Aktivitäten werden voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2023 wieder zunehmen, da Investoren und Unternehmen zurzeit prüfen, inwiefern kurzfristige Risiken ihre langfristigen Strategien zur Unternehmenstransformation beeinflussen. Während die globale Deal-Aktivität durch makroökonomische Volatilität wie Rezessionsängste, steigende Zinsen, Rückgänge der Aktienbewertungen, geopolitische Spannungen und Unterbrechungen der Lieferkette getrübt bleibt, geben 60% der CEOs global an, dass sie dennoch nicht planen, Deals im Jahr 2023 zu verschieben.

Mehrheit der CEOs plant trotz volatilem Marktumfeld keine Verschiebung bei Transaktionen
Green Investment, Nachhaltigkeit, Dax, Aktien, Sustainable Finance, Nachhaltigkeitsberichterstattung
Meldung

©pixbox77/fotolia.com

26.01.2023

Nachhaltigkeit wird in der Wirtschaft immer wichtiger

Der Umbau der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit kommt deutlich voran. 84% der Verantwortlichen für Nachhaltigkeit in Unternehmen der Realwirtschaft sagen, das Thema sei wichtiger geworden. In der Finanzwirtschaft liegt der Wert mit 73% nicht viel niedriger, so der „Sustainability Transformation Monitor 2023“. Knapp die Hälfte der Befragten aus der Realwirtschaft (46%) gibt an, das Thema Nachhaltigkeit sei in ihrem Unternehmen „voll und ganz“ oder „überwiegend“ verankert. In der Finanzwirtschaft sind es immerhin noch knapp 40%. Mehr als ein Drittel sagt, das Thema sei „teilweise“ verankert.

Nachhaltigkeit wird in der Wirtschaft immer wichtiger
Meldung

© adiruch na chiangmai/fotolia.com

26.01.2023

Analyse zu M&A-Aktivitäten: Ausländische Finanzinvestoren treiben das Transaktionsgeschehen in Deutschland voran

Die M&A-Transaktionen zwischen ausländischen Investoren und deutschen Unternehmen dürften im Jahr 2022 zum ersten Mal in den letzten fünf Jahren hinter denen des Vorjahres zurückbleiben. Der Anteil der Transaktionen, an denen ausländische Private Equity-Investoren beteiligt sind, stieg weiter auf einen Höchstwert von 49,3%. US-amerikanische und westeuropäische Investoren führen die Liga an, die Investoren aus dem Nahen Osten bauten ihren Anteil – gemessen am Transaktionswert – im vergangenen Jahr weiter aus.

Analyse zu M&A-Aktivitäten: Ausländische Finanzinvestoren treiben das Transaktionsgeschehen in Deutschland voran
CORPORATE FINANCE - Die Erfolgsformel für Finanzprofis

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das CORPORATE FINANCE Gratis Paket: 1 Heft + Datenbank