05.09.2023

Kostentreiber Batterie

Der Kostenvorteil neuer Marktteilnehmer aus China beträgt bei einer Batteriekapazität von 60 kWh zwischen 13 und 27 %. 2030 könnte jedes fünfte Auto aus China kommen.

Beitrag mit Bild

©pitinan/123rf.com

Über eine Million E-Autos fahren aktuell auf deutschen Straßen – Monat für Monat werden es mehr. Dass Deutschland bis 2030 sein Klimaziel von 15 Millionen E-Autos erreicht, ist nach einer aktuellen Analyse von Deloitte dennoch unwahrscheinlich. Das Hauptproblem: Die Stromer sind zu teuer. Während ein neuer Verbrenner in Deutschland aktuell durchschnittlich 31.000 Euro kostet, liegt der Preis eines E-Autos bei 42.500 Euro. Laut einer Deloitte-Befragung ist für 31 % der deutschen Konsumenten der Preis einer der wichtigsten Faktoren für den Autokauf.

„Damit das E-Auto in der Masse ankommt, muss diese Kostendifferenz fallen“, erklärt Dr. Harald Proff, globaler Sektorleiter Automotive bei Deloitte. „Es geht nun darum, Stromer im Volumensegment anzubieten. Im Moment gibt es hier auf dem deutschen Markt zu wenige Angebote.“

Mit E-Auto-Importen Klimaziel erreichen

Deloitte geht davon aus, dass die Preisparität zwischen Verbrennern und E-Autos erst zwischen 2028 und 2030 erreicht sein wird. Das Unternehmen prognostiziert, dass unter diesen Bedingungen 2030 lediglich 11,7 Millionen E-Fahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sein werden – das Klimaziel wäre um Längen verfehlt. Eine Beschleunigung wäre durch eine kosteneffizientere Batterietechnologie möglich. „Derzeit produzieren neue Hersteller, etwa aus China und den USA, ihre Batterien deutlich günstiger als traditionelle OEMs. Wenn sie diesen Kostenvorteil beibehalten und an die Endkunden weitergeben,  könnten wir durch höhere E-Auto-Importe näher an das Ziel von 15 Millionen kommen“, so Proff.

Batteriekostenvorteil von 1.000 bis 2.000 Euro

Grund für die Technologieführerschaft etwa chinesischer OEMs ist ihre Kontrolle der gesamten Wertschöpfungskette. Sie haben sich früh den Zugriff auf Rohstoffe gesichert, beziehen diese nun günstiger und fertigen zudem effizient und kostengünstig im eigenen Land. Allein bei der Verarbeitung der wichtigsten Batterierohstoffe haben Unternehmen aus dem Reich der Mitte einen Anteil von über 50 %.

Deloitte schätzt, dass der Kostenvorteil dieser neuen Marktteilnehmer bei einer Batteriekapazität von 60 kWh zwischen 13 und 27 % beträgt. Das entspricht etwa 1.000 bis 2.000 Euro pro Batterie. Die Strategieberatung hat analysiert, wie ein solcher Kostenvorteil – angenommen, er wird an die Endkunden weitergegeben – den Hochlauf der E-Mobilität hierzulande durch Importe verändern würde.

Das Ergebnis

Bei einem Batteriekostenvorteil von 1.000 Euro würden wir bis 2030 12,3 Millionen Stromer auf deutschen Straßen sehen – dies entspräche 600.000 Fahrzeugen mehr. Der Anteil chinesischer Hersteller an der E-Auto-Bestandsflotte würde auf 13 % steigen, während der Anteil deutscher OEMs auf 44 % fiele. Ein Kostenvorteil von 2.000 Euro würde bis 2030 zu rund 13 Millionen E-Autos führen. Fast jedes fünfte E-Auto (18 %) auf deutschen Straßen käme von chinesischen Autobauern, während der Marktanteil deutscher Unternehmen auf 41 % schrumpfen würde.

„Rennen noch nicht entschieden“

Die Prognose zeigt, dass chinesische E-Auto-Hersteller auch ohne angenommenen Kostenvorteile bei der Batterie ihren Marktanteil erhöhen werden. Sollten die traditionellen OEMs die Kostenlücke nicht schließen können, ist davon auszugehen, dass die Marktanteile neuer OEMs zulasten dieser traditionellen Hersteller beispielweise aus Europa weiter steigen. Damit deutsche Hersteller an ihre Erfolge aus der Vergangenheit anknüpfen können, müssen sie ihre Marktanteile im BEV-Segment deutlich steigern. Zum Vergleich: Ihr Anteil am Gesamtmarkt für Pkws betrug 2022 62 %.

Dr. Harald Proff stellt fest: „Auch wenn neue Hersteller aktuell die Nase bei der Batterietechnologie vorn haben und daher das Volumensegment besser bedienen können, ist das Rennen noch nicht entschieden.“ Traditionelle Hersteller könnten noch aufholen. Dabei sei einerseits eine verstärkte Zusammenarbeit mit relevanten Partnern zum Aufbau eines Wertschöpfungsnetzwerks notwendig – hier gelte es schnell solche neuen partnerschaftlichen Wertschöpfungsnetzwerke zu entwickeln. Andererseits seien Investitionen in innovative Technologien notwendig und eine Optimierung der Prozesse, um die Batterieproduktion im Vergleich zu anderen Marktteilnehmern effizienter zu gestalten. „Auch wird weiterhin mit Hochdruck an neuen Batterietechnologien geforscht. Traditionelle OEMs haben somit die Chance, Vorreiter in einer neuen Technologie zu werden“, so Proff.

(Deloitte vom 31.08.2023 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


Weitere Meldungen


Meldung

©ra2 studio/fotolia.com

27.01.2026

Deutsche Innovationsausgaben so hoch wie nie

Die Innovationsausgaben der deutschen Wirtschaft sind im Jahr 2024 auf 213,3 Milliarden Euro gestiegen. Das entspricht einem Plus von 4,9 % im Vergleich zum Vorjahr. Angesichts einer Inflationsrate von 3,1 % bedeutet dies einen leichten realen Zuwachs. Die Innovationsplanung für die kommenden Jahre bleibt auf einem konstanten Niveau, wie der neue Bericht zur Innovationserhebung 2025 des ZEW

Deutsche Innovationsausgaben so hoch wie nie
Meldung

©DenysRudyi/fotolia.com

26.01.2026

Topmanager warnen: Ohne Kurswechsel droht Standortverlust

96 % der europäischen Topmanager und 85 % der Bürger halten daher den Schutz der europäischen Wirtschaftsinteressen für zwingend notwendig. Das ist eines der Ergebnisse des aktuellen „European Competitiveness Barometer“ der Boston Consulting Group (BCG), für das 850 Topmanager und 6.400 Bürger in 30 europäischen Ländern befragt wurden. Vier von fünf der befragten Führungskräfte und Bürger fordern

Topmanager warnen: Ohne Kurswechsel droht Standortverlust
Meldung

© Kara / fotolia.com

26.01.2026

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen bremsen Offshore-Ausbau

Der Ausbau der Offshore-Windenergie in der Nordsee kommt langsamer voran als politisch geplant. Das zeigt eine neue Studie der Boston Consulting Group (BCG). Zwar haben sich die neun Anrainerstaaten auf ein gemeinsames Ziel von 120 Gigawatt (GW) Offshore-Windleistung bis 2030 verständigt, doch aktuell sind erst rund 34 GW installiert. Um das Ziel zu erreichen, müsste

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen bremsen Offshore-Ausbau
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)