26.06.2018

Kredite sollen teurer werden

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

Ein Drittel der Banken geht davon aus, die Konditionen bei Firmen- und Ratenkrediten nach oben anpassen zu können. Bei Immobilienkrediten erwarten sogar 41 Prozent eine Steigerung der Zinsen.

Kredite für Firmenkunden und Häuslebauer dürften in den kommenden Monaten teurer werden: Jeweils ein Drittel der Banken in Deutschland geht davon aus, in diesem Jahr die Konditionen bei Firmen- und Ratenkrediten nach oben anpassen zu können, bei Immobilienkrediten sollen die Zinsen sogar um 41 Prozent steigen. Kaum ein Bankmanager rechnet hingegen mit sinkenden Zinskosten für die Kunden.

Helfen soll den Banken auch eine gute Konjunkturentwicklung in Deutschland: Zwei von drei Banken rechnen mit einer weiteren Verbesserung der Wirtschaftslage in den nächsten zwölf Monaten, gerade einmal zwei Prozent gehen von einer Verschlechterung aus. Und sogar 93 Prozent der Institute erwarten eine Verbesserung der eigenen Geschäftslage.

Trotz der anziehenden Zinsen sollen sich gerade Konsumenten- und Immobilienkredite weiter gut verkaufen: 49 bzw. 46 Prozent der Bankmanager rechnen mit einem Anstieg der Nachfrage nach diesen Produkten, kaum einer geht von einem nachlassenden Kundeninteresse aus.

Die Welle von Gebührenerhöhungen für Privatkunden scheint dagegen wieder abzuebben: 14 Prozent der Institute haben in diesem Jahr bereits Gebühren für Privatkunden erhöht oder planen dies bis Ende des Jahres. Im Fokus steht dabei das Girokonto, das bei 13 Prozent der Banken teurer wird. Im vergangenen Jahr drehte noch knapp jede dritte Bank an der Gebührenschraube.

Trotz der optimistischen Erwartungen soll die Risikovorsorge tendenziell steigen: 28 Prozent der befragten Institute wollen ihre Gesamtrisikovorsorge erhöhen, nur drei Prozent halten eine Reduzierung für möglich. Konjunkturelle Risiken sehen Deutschlands Bankmanager derzeit in erster Linie im Ausland: Die größten Gefahren für die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland sind demnach die aktuelle US-Außen- und Wirtschaftspolitik, die von 95 Prozent der Manager als mittleres oder hohes Risiko bezeichnet wird, gefolgt von geopolitischen Spannungen und Kriegen.

Das sind Ergebnisse des aktuellen „Bankenbarometers“ der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Für die Studie wurden 120 Banken in Deutschland befragt.

„Die Institute in Deutschland mussten in den vergangenen Jahren lernen, mit wenig zufrieden zu sein – denn in einer Niedrigzinsära lassen sich kaum große Sprünge machen“, beobachtet Claus-Peter Wagner; Managing Partner Financial Services Deutschland bei EY. „Dank der guten Konjunkturentwicklung konnten wenigstens die Risikovorsorge niedrig gehalten und Kreditausfälle weitgehend vermieden werden. Nun wittern viele Institute Morgenluft: In den USA ist die Zinswende eingeleitet worden, Europa dürfte im kommenden Jahr folgen. Damit deutet sich eine Erholung beim Zinsüberschuss an.“

Zwar glaubt die große Mehrheit der Bankmanager nicht an eine Zinserhöhung durch die EZB noch in diesem Jahr – 67 Prozent gehen aber davon aus, dass es 2019 zur Zinswende im Euroraum kommen wird. Die Banken leiden seit einigen Jahren unter dem historisch niedrigen Zinsniveau, das die wichtigste Ertragsquelle der Banken, die Zinseinnahmen, einbrechen ließ. „Es deutet sich zwar eine Straffung der Geldpolitik der Notenbanken an, mittelfristig werden die Zinsen aber nicht auf das Vorkrisenniveau zurückkehren“, erwartet Wagner. „Also werden die Banken weiter intensiv über andere Ertragsquellen nachdenken müssen.“ Tatsächlich gingen zuletzt viele Banken dazu über, Gebühren auch für solche Dienstleistungen zu verlangen, die für die Kunden bislang kostenlos waren. Allerdings sorgt der intensive Wettbewerb auf dem deutschen Markt dafür, dass es nicht zu einem signifikanten Gebührenanstieg kam.

Gehälter sollen wieder steigen – Ende des massiven Personalabbaus?

Offenbar sehen die deutschen Banken bereits Erfolge beim Erschließen neuer Ertragsquellen und aufgrund bisheriger Sparmaßnahmen. Zwar stehen Kostensenkungen weiter weit oben auf der Agenda – für 44 Prozent der Institute haben entsprechende Maßnahmen derzeit eine große Bedeutung –, allerdings wird nach Einschätzung der großen Mehrheit der Bankmanager der Personalabbau vorerst zu einem Ende kommen. Nur bei 12 Prozent der Banken soll die Beschäftigung in diesem Jahr sinken – vor einem Jahr wollten noch 43 Prozent der Banken Personal abbauen, vor zwei Jahren lag der Anteil sogar bei 61 Prozent.

„Viele Banken haben in den vergangenen Jahren massive Einschnitte vorgenommen – etwa beim Produktportfolio, dem Filialnetz und dem Personal“, beobachtet Dirk Müller-Tronnier, Leiter Banking & Capital Markets bei EY: „Und solche Korrekturen werden wir auch zukünftig noch vereinzelt und auch in teilweise größerem Umfang sehen. Aber auch darüber hinaus bleibt noch viel Arbeit zu tun: Beim Umbau der Geschäftsmodelle, bei der Digitalisierung von Verwaltungstätigkeiten und bei der Modernisierung des Kundenkontakts.“

Viele Banken arbeiten mit Hochdruck daran, ein dauerhaft tragfähiges Geschäftsmodell zu finden, andere daran, ihre besonderen Stärken auszubauen – dafür benötigen sie allerdings motiviertes und qualifiziertes Personal, betont Müller-Tronnier: „Die Banken stehen wie alle Unternehmen im Wettbewerb um Fachkräfte – und um qualifizierte Mitarbeiter zu finden und zu halten, müssen sie wettbewerbsfähige Gehälter zahlen.“ Tatsächlich soll bei 31 Prozent der Institute in diesem Jahr die Gesamtvergütung steigen – nur vier Prozent gehen vom Gegenteil aus. Im vergangenen Jahr überwog noch die Zahl der Banken mit einer sinkenden Gesamtvergütung.

Müller-Tronnier rechnet aber nicht mit einer generellen Entspannung auf dem Arbeitsmarkt für Banker: „Die Beschäftigungslage im deutschen Bankensektor wird vorerst angespannt bleiben, denn die schwache Ertragslage, einzelne Abbaumaßnahmen, neue Wettbewerber und die Digitalisierung sorgen für Druck von mehreren Seiten – und immerhin machen Personalausgaben knapp über die Hälfte der operativen Kosten der Branche aus.“

(Pressemitteilung EY vom 21.06.2018)


Redaktion

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