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30.07.2019

Künstliche Intelligenz wird zum Wachstumskatalysator der Chipindustrie

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

© gearstd/fotolia.com

Die globale Halbleiterindustrie wird nach ihrem zyklisch bedingten Umsatzrückgang im Jahr 2019 schon ab 2020 wieder deutlich wachsen. Dies zeigt die Studie „Opportunities for the global semiconductor market“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). PwC prognostiziert, dass sich die weltweiten Umsätze mit Elektronikbauteilen im Jahr 2022 auf 575 Milliarden US-Dollar summieren. Dies entspräche – ausgehend von den 481 Umsatzmilliarden im bis dato letzten Rekordjahr 2018 – einem durchschnittlichen Jahreswachstum (CAGR) von 4,6 Prozent.

Die PwC-Studie differenziert das Branchenwachstum nach Halbleitertypen (Memory, Microcomponent, OSD, Analog, Logic), Anwendungsbereichen (Automotive, Communications, Industrial, Data Processing, Consumer Electronics) und Regionen (EMEA, Americas, Asia-Pacific). In Europa wird sich die Automobilindustrie zum Hauptabsatzmarkt für die Halbleiterbranche entwickeln – noch vor dem Geschäft mit Chips für die Datenverarbeitung.

„Diese Entwicklung ist auch für Deutschland als Automobilstandort relevant. Die Umsätze mit Halbleitern für den Automobilbereich werden der Studie zufolge mit einer CAGR von 11,9 Prozent am schnellsten wachsen. Sehr interessant ist auch, wie dieses Wachstumstempo zustande kommt: zum Beispiel infolge der zunehmenden Implementierung von Künstlicher Intelligenz in Automobilen“, sagt  Werner Ballhaus, Partner und Leiter des Bereichs Technologie, Medien und Telekommunikation bei PwC Deutschland.

Dringender Nachholbedarf bei europäischen Chipherstellern

So benötigen Elektro- und Hybridautos ungefähr doppelt so viele Halbleiter wie herkömmliche Fahrzeuge. Die globalen Umsätze mit Chips zur Unterstützung von KI für alternative Antriebsstränge, Infotainment, ADAS-Fahrerassistenzsysteme, Fahrsicherheit und andere automobile Anwendungen werden bis 2022 auf fast 68 Milliarden Dollar steigen. Dabei ist die KI-Entwicklung noch am Anfang – und das riesige KI-Chip-Potenzial in autonom fahrenden Autos noch gänzlich unerschlossen.

Marcus Gloger, Partner der internationalen Strategieberatung von PwC, Strategy&, sieht im Chip-Boom allerdings auch ein Warnsignal für die europäische Halbleiterbranche: „Zwar ist sie bei Chips für alternative Antriebe und bei Leistungshalbleitern gut positioniert. Aber bei Halbleitern für KI-Lösungen in beispielsweise autonom fahrenden Automobilen hat sie erheblichen Nachholbedarf.“

Dasselbe gelte für KI-Chips im Consumer-Electronics-Markt, zumal das Marktpotenzial hier noch größer als im Automobilbereich ist.

„Wenn die europäischen Chiphersteller zukunftsfähig bleiben wollen, müssen sie in beiden Bereichen deutlich zulegen“ so Gloger weiter.

Politische Förderung für beschleunigte Aufholjagd

Angesichts dessen appellieren die PwC-Experten auch an die Politik, die Entwicklung von KI allgemein und die europäische Halbleiterleiterbranche im Speziellen stärker zu fördern. Dafür spräche auch, dass global bedeutsame ‚Leuchtturm‘-Unternehmen für die europäische Wirtschaft immens wichtig wären. Zumal von anderen Weltregionen ausgehende Cyber-Spionage auch über Halbleiter zunehmen könnte. „Wobei auch diese Gefahr mit KI-Chips für Cybersecurity beträchtlich reduziert werden könnte“, sagt Werner Ballhaus. „Cybercrime ist also nicht nur ein Risiko für die Wirtschaft, sondern für Chiphersteller auch eine Chance.“

Europäisches Halbleiter-Ökosystem mit außereuropäischer Beteiligung

„Die große Frage ist nun, wie sich die europäische Politik und Wirtschaft hinsichtlich der immer wichtiger werdenden Künstlichen Intelligenz positionieren wollen, damit Europa nicht den technologischen Anschluss verliert“ sagt Werner Ballhaus.

Marcus Gloger warnt: „Der Anschluss kann abreißen, wenn nötige Zukunftsinvestitionen ausbleiben. Europa muss schnell ein Ökosystem aus Applikationsentwicklern für Künstliche Intelligenz, KI-Chip-Herstellern und allen anderen Branchenteilnehmern schaffen, das auf Kollaboration basiert – auch mit asiatischen und US-amerikanischen Markteilnehmern, die sich beteiligen möchten.“

Dabei sollten europäische Unternehmen angesichts zunehmender Handelsrivalitäten die Hardware in den von ihnen hergestellten Automobilen, Maschinen, Kommunikationsanwendungen und Consumer-Electronics-Produkten wieder mehr unter ihre Kontrolle bekommen. PwC-Experte Ballhaus mahnt: „Die Diskussion um Huawei im Zusammenhang mit dem Ausbau von 5G Mobilfunknetzen zeigt beispielhaft, wie wichtig es ist, bei sensiblen Technologieentwicklungen auf heimische Player zu setzen.“

Stärkstes Wachstum vorerst weiter in Asien und den USA

Der PwC-Studie zufolge werden die Halbleiter-Umsätze in der Region Asia-Pacific bis 2022 am stärksten wachsen – mit durchschnittlich 4,8 Prozent pro Jahr. Der US-Markt kommt auf ein CAGR von 4,3 Prozent. Europa kommt lediglich auf 3,5 Prozent Wachstum. Neben dem Automobilbereich sind aus der industriellen Produktion, aus dem Gesundheitswesen und aus dem Sicherheitsbereich hohe Nachfragezuwächse nach Halbleitern aller Arten zu erwarten. Und auch in diesen Bereichen hängt der Chip-Boom mit der zunehmenden Verbreitung von KI-Lösungen zusammen.

(Pressemitteilung PwC vom 29.07.2019)


Redaktion

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