10.01.2018

Mehr Geld für Jungunternehmen

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

©AndreyPopov/fotolia.com

Deutsche Start-ups konnten 2017 Rekordsummen einwerben: Der Gesamtwert der Investitionen ist von 2,3 auf 4,3 Milliarden Euro geklettert – ein Anstieg um 88 %. Aber auch die Zahl der Finanzierungsrunden legte zu: um 5 % auf 507. Damit stiegen sowohl das Volumen als auch die Transaktionszahl auf ein neues Rekordniveau.

Grund für das starke Wachstum der Investitionen waren vor allem einige sehr große Deals mit einem Volumen von jeweils mehr als 100 Millionen Euro, die im Vorjahr vollständig gefehlt hatten. Als besonders stark erwies sich das erste Halbjahr mit 264 Transaktionen und einem Finanzierungsvolumen von insgesamt knapp 2,6 Milliarden Euro. In der zweiten Jahreshälfte ging die Zahl der Finanzierungsrunden auf 243 zurück, das Volumen sank auf 1,7 Milliarden Euro. Damit lagen die Finanzierungsaktivitäten aber immer noch über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Das sind Ergebnisse des Start-up-Barometers der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Berücksichtigt wurden Unternehmen, deren Gründung höchstens 10 Jahre zurückliegt.

Großes Investorenvertrauen und ausgereifte Geschäftsmodelle

„Der Start-up Standort Deutschland hat sich 2017 erneut positiv entwickelt – immer mehr Unternehmen bekommen frisches Kapital, zudem schafften mehrere Unternehmen den erfolgreichen Sprung an die Börse und konnten dabei zusätzliches Wachstumskapital aufnehmen“, betont Peter Lennartz, Partner bei EY. Lennartz wertet die Zahl besonders großer Transaktionen als „ein Zeichen für ein großes Investorenvertrauen und ausgereifte Geschäftsmodelle“. Zudem sei aber auch die Finanzierung in der Breite besser geworden, so dass immer mehr deutsche Start-ups frisches Kapital erhalten: Die Zahl der deutschen Wachstumsunternehmen, die eine Finanzierungsrunde abschließen konnten, stieg noch einmal von 442 auf nunmehr 475.

Delivery Hero sammelt am meisten Geld ein

Die beiden größten Finanzspritzen des Jahres gingen an ein einziges Unternehmen: Im Juni sammelte der Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero bei seinem Börsengang insgesamt 989 Millionen Euro ein, wovon 423 Millionen Euro an das Unternehmen flossen. Schon im Mai war der südafrikanische Investor Naspers mit 387 Millionen Euro bei Delivery Hero eingestiegen. Und ebenfalls im Mai sammelte der Berliner Auto-Großhändler Auto1 insgesamt 360 Millionen Euro von verschiedenen Investoren ein. Im November erhielt zudem der Kochboxlieferant HelloFresh durch seinen Börsengang 268 Millionen Euro – bei einem gesamten Emissionsvolumen von 286 Millionen Euro. Neben den eindrucksvollen Mega-Deals, die im vergangenen Jahr getätigt wurden, wertet Lennartz auch die hohe Zahl kleiner und mittlerer Deals als positives Zeichen: „Es gab im vergangenen Jahr 64 Finanzierungsrunden zwischen fünf und zehn Millionen Euro, immerhin noch einmal sieben mehr als im Vorjahr. Und die Zahl der Transaktionen zwischen zehn und 50 Millionen Euro stieg um acht auf 54. Hier wachsen etliche sehr vielversprechende Unternehmen heran, die nun über ausreichende Möglichkeiten verfügen, ihr Wachstum auf dem Weg zur Marktführerschaft weiter erfolgreich voranzutreiben.“

E-Commerce-Unternehmen erhalten das höchste Investitionsvolumen

Das meiste Geld floss im vergangenen Jahr in E-Commerce-Unternehmen. Insgesamt kamen die Start-ups aus diesem Bereich auf 1,8 Milliarden Euro – nach 438 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Im E-Commerce-Segment wurden mit 95 Transaktionen zudem die meisten Finanzierungsrunden gezählt. Gestiegen sind sowohl die Zahl als auch der Wert der Finanzspritzen für junge FinTech-Unternehmen: von 55 auf 58 Transaktionen bzw. von 415 auf 541 Millionen Euro. Auch im Bereich Health ist ein starker Anstieg zu verzeichnen: von 60 auf 71 Transaktionen und von 291 auf 522 Millionen Euro. Rückläufig waren hingegen die Summen, die in Start-ups im Bereich Energie flossen: Zwar stieg die Zahl der Finanzierungsrunden von zehn auf 15, das Investitionsvolumen hat sich allerdings von 231 auf 86 Millionen Euro mehr als halbiert.

(EY, PM vom 10.01.2018 / Viola C. Didier)


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