• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Nachhaltigkeit: Deutschem Mittelstand fehlt Orientierung

31.08.2017

Nachhaltigkeit: Deutschem Mittelstand fehlt Orientierung

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

Obwohl die meisten deutschen Mittelständler die hohe Bedeutung von Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) für sich erkannt haben, tun sie sich mit der Umsetzung entsprechender Konzepte noch recht schwer. So schätzen 80% für sich die Integration einer nachhaltigen Unternehmensführung als relevant ein. Doch erst jedes zweite Unternehmen hat dazu auch eine entsprechende Nachhaltigkeitsstrategie definiert.

Obwohl die meisten deutschen Mittelständler die hohe Bedeutung von Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility (CSR) für sich erkannt haben, tun sie sich mit der Umsetzung entsprechender Konzepte noch recht schwer. So schätzen 80 Prozent für sich die Integration einer nachhaltigen Unternehmensführung als relevant ein. Doch erst jedes zweite Unternehmen hat dazu auch eine entsprechende Nachhaltigkeitsstrategie definiert.

Das geht aus einer gemeinsamen Studie von Baker Tilly und der Technischen Universität Dortmund hervor, zu der 229 mittelständische Unternehmen zu ihrem Nachhaltigkeits-Engagement befragt wurden. Als Kernproblem nennt die Studie, dass es keine verbindlichen Vorgaben gibt, die klare Vorgaben und Orientierung für die Definition einer entsprechenden Unternehmensstrategie geben könnten – wie es beispielsweise bei der Bilanzierung nach HGB der Fall ist. So sind auch nur 15 Prozent der befragten Unternehmen mit ihrer Berichtserstattung zu Nachhaltigkeitsaktivitäten wirklich zufrieden.

„Das Ergebnis unserer Nachhaltigkeitsstudie könnte man auch knapp zusammenfassen mit: Die meisten mittelständischen Unternehmen wollen – können aber nicht“, sagt Martin Weinand, Partner bei Baker Tilly und Co-Autor der Studie: „Die Erklärung dieses Phänomens ist in unseren Augen auch gleich der Lösungsansatz. Es fehlt die verbindliche Orientierung, so wie sie in anderen Unternehmensbereiche vorgegeben ist, wo es primär und unmittelbar um Profitabilität geht. Dagegen muss man beim Thema unternehmerische Nachhaltigkeit konstatieren: ohne feste Parameter, lässt sich auch keine verbindliche Planung erstellen.“ Daher verwundert es auch nicht, dass 23 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen ihre CSR-Maßnahmen noch gar nicht in die unternehmerische Planung einbinden. „Echte Nachhaltigkeit kann natürlich nur dann funktionieren, wenn sie fester Bestandteil der Unternehmensstrategie wird“, so Weinand. Folglich sind auch gerade einmal 28 Prozent bereit, ein jährliches Budget für ihre CSR-Maßnahmen bereit zu stellen. Hinzu kommt: Entsprechende, interne Aufgabenstellungen werden meist „on top“ innerhalb der bestehenden Abteilungen und Funktionen verteilt, deren primäre Aufgaben in ganz anderen Bereichen liegen.

Reporting als Schlüssel zu weniger Willkür und mehr Nachhaltigkeit

Willkür auch in der Nachhaltigkeitsberichterstattung: „Knapp drei Viertel der Unternehmen nutzt dazu nämlich eigene Leitsätze und Konzepte zur Erstellung der Berichte“, erklärt Prof. Dr. Christiane Pott von der TU Dortmund und Co-Autorin der Studie: „Eigene Maßstäbe bei der Kommunikation machen Vergleiche mit anderen Unternehmen jedoch unmöglich. Nachhaltigkeit avanciert damit zur Willkür – und hat es damit schwer, zu einem festen und verbindlichen Bestandteil der Unternehmensphilosophie zu werden.“

Mögliche Hilfestellung könnten standardisierte Rahmenwerke wie zum Beispiel die GRI Richtlinien oder die Leitsätze des UN Global Compact zur Berichterstattung und Kommunikation geben, die jedoch vergleichsweise selten genutzt werden: „Gerade diese Werke sind national und international anerkannt und nicht ohne Grund bei großen kapitalmarktorientierten Unternehmen beliebt. Auch für den Mittelstand wären diese Rahmenkonzepte durchaus zu empfehlen“, so Prof. Pott.

Durch eine ausführliche Berichterstattung können nicht zuletzt die Ziele im Bereich Nachhaltigkeit detailliert definiert und im Nachhinein evaluiert werden. „Dies erleichtert nicht nur die Erfolgskontrolle. Auch die Einbeziehung von CSR-Themen in die gesamte Unternehmensstrategie lässt sich hiermit deutlich einfacher gestalten. Auf diese Weise ist das Reporting der entscheidende Schlüssel für mehr nachhaltiges Wirtschaften insgesamt“, resümiert Prof. Pott.

Wirtschaftlicher Erfolg kommt zeitlich verzögert

Viel Luft nach oben haben die mittelständischen Unternehmen auch bei der geografischen Umsetzung: Nur etwa jedes zweite Unternehmen weitet seine CSR-Aktivitäten auch national aus. Oft werden in erster Linie nur lokal und regional ansässige Adressaten erreicht, während eine vollumfänglichere Ansprache aller relevanten Stakeholder-Gruppen nicht stattfindet: „Ein weiteres Indiz für die fehlende strategische Einbindung von CSR-Themen“, konstatiert Weinand.

Oftmals werden Nachhaltigkeitsmaßnahmen noch als wenig greifbar wahrgenommen und deren konkreter Nutzen für das Unternehmen unterschätzt. Viele Mittelständler stellen sich nicht der Herausforderung einer konkreten Kosten-Nutzen-Rechnung in diesem Bereich. „Natürlich schauen sich Unternehmen intern die Ergebnisse ihrer CSR-Maßnahmen durchaus genau an – Umfragen, Marktanalysen und externe Kontrollen, die ein objektiveres Bild abgeben würden, finden dagegen eher selten statt“, so Dr. Anastasia Axjonow von der TU Dortmund und Co-Autorin der Studie.

Die Potenziale sind enorm: „Eine nachhaltige Unternehmensführung kommt nicht nur Umwelt und der Gesellschaft zugute − auch die Unternehmen werden langfristig von ihrem Engagement zweifelsohne profitieren. Mit einer ausgereiften Nachhaltigkeitsstrategie läßt sich großer Nutzen erzielen, der langfristig die Ausgaben für Nachhaltigkeitsbemühungen übersteigen wird. Und genau für diese Kosten-Nutzen-Rechnung ist die Verbindlichkeit zwingend erforderlich“, so Weinand.

Druck auf Mittelstand erhöht sich

Prof. Pott weist zudem auf die steigende Bedeutung von Nachhaltigkeitsinformationen auch für den Mittelstand hin: „Zwar stehen aktuell vor allem Großunternehmen im Fokus der CSR-Debatte, nichtsdestotrotz können die aktuell voranschreitenden gesetzlichen Verschärfungen zur verpflichtenden Nachhaltigkeitsberichterstattung für Großunternehmen durchaus auch eine Ausstrahlwirkung auf den Mittelstand entfalten. Schließlich handelt es sich bei mittelständischen Unternehmen oftmals um Zulieferer von Großkonzernen, die von ihren Partnerunternehmen eine Ausweitung der CSR-Informationen verlangen können“, so Prof. Pott.

(Presemitteilung Baker Tilly vom 30.08.2017)


Redaktion

Weitere Meldungen


Gewinnwarnung
Meldung

© Jamrooferpix/fotolia.com

30.01.2023

Gewinn- und Umsatzwarnungen 2022: Doppelt so viele Gewinnwarnungen wie im Vorjahr

Die drohende Rezession, steigende Energiepreise und eine nachlassende Kaufkraft in der Bevölkerung lassen immer mehr Unternehmen vorsichtiger in die Zukunft blicken: Die Zahl der Gewinn- oder Umsatzwarnungen von Unternehmen aus dem DAX, dem MDAX und dem SDAX stieg im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr 35 auf 70. Der stärkste Anstieg der Warnungen wurde im DAX verzeichnet: Nach sieben negativen Prognosekorrekturen im Vorjahr wurden 2022 insgesamt 18 derartige Warnungen gezählt. Im MDAX stieg die Zahl von acht auf 15, im SDAX von 20 auf 37.

Gewinn- und Umsatzwarnungen 2022: Doppelt so viele Gewinnwarnungen wie im Vorjahr
M&A, Fusion, Übernahme
Meldung

©designer491/fotolia.com

27.01.2023

Mehrheit der CEOs plant trotz volatilem Marktumfeld keine Verschiebung bei Transaktionen

Die weltweiten M&A-Aktivitäten werden voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2023 wieder zunehmen, da Investoren und Unternehmen zurzeit prüfen, inwiefern kurzfristige Risiken ihre langfristigen Strategien zur Unternehmenstransformation beeinflussen. Während die globale Deal-Aktivität durch makroökonomische Volatilität wie Rezessionsängste, steigende Zinsen, Rückgänge der Aktienbewertungen, geopolitische Spannungen und Unterbrechungen der Lieferkette getrübt bleibt, geben 60% der CEOs global an, dass sie dennoch nicht planen, Deals im Jahr 2023 zu verschieben.

Mehrheit der CEOs plant trotz volatilem Marktumfeld keine Verschiebung bei Transaktionen
Green Investment, Nachhaltigkeit, Dax, Aktien, Sustainable Finance, Nachhaltigkeitsberichterstattung
Meldung

©pixbox77/fotolia.com

26.01.2023

Nachhaltigkeit wird in der Wirtschaft immer wichtiger

Der Umbau der Wirtschaft zu mehr Nachhaltigkeit kommt deutlich voran. 84% der Verantwortlichen für Nachhaltigkeit in Unternehmen der Realwirtschaft sagen, das Thema sei wichtiger geworden. In der Finanzwirtschaft liegt der Wert mit 73% nicht viel niedriger, so der „Sustainability Transformation Monitor 2023“. Knapp die Hälfte der Befragten aus der Realwirtschaft (46%) gibt an, das Thema Nachhaltigkeit sei in ihrem Unternehmen „voll und ganz“ oder „überwiegend“ verankert. In der Finanzwirtschaft sind es immerhin noch knapp 40%. Mehr als ein Drittel sagt, das Thema sei „teilweise“ verankert.

Nachhaltigkeit wird in der Wirtschaft immer wichtiger
CORPORATE FINANCE - Die Erfolgsformel für Finanzprofis

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das CORPORATE FINANCE Gratis Paket: 1 Heft + Datenbank