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24.09.2021

Nachhaltigkeitsziele spielen bei der Vorstandsvergütung kaum eine Rolle

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

© Weerapat Wattanapichayakul

Immer mehr börsennotierte Unternehmen in Deutschland setzen sich Nachhaltigkeitsziele. Allerdings spielen diese bei der Vergütung der Vorstände nur eine untergeordnete Rolle. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und der Kirchhoff Consult AG, für die beide auf Grundlage von Nachhaltigkeitsberichten und nichtfinanziellen Erklärungen/Berichten 160 Unternehmen aus Dax30, MDax und SDax untersuchten.

In der Unternehmensführung lässt sich beim Thema Nachhaltigkeit „eine Lücke zwischen kommunizierter und gelebter Praxis vermuten“, heißt es in der Studie, die dieses Jahr zum achten Mal in Folge erstellt wurde. Stichtag der Studie ist der 30. Juni, an dem der Dax noch aus 30 Unternehmen und nicht wie inzwischen aus 40 bestand.

Knapp jedes vierte Unternehmen (23%) ordnet Corporate Social Responsibility (CSR) einem Vorstandsressort zu. 36% der Unternehmen geben an, Themen mit gesellschaftlicher und ökologischer Relevanz im Jahr 2020 auch im Aufsichtsrat behandelt zu haben. Und im Vergütungsbericht weisen ein Drittel aller Unternehmen Kennzahlen auf, die mit Nachhaltigkeit verbunden sind und einen Einfluss auf die Höhe der variablen Vergütung des Vorstands haben. Doch nur zu einem geringen Teil (20%) sind diese Kennzahlen mit einer konkreten Zielvorgabe und einer konkreten zeitlichen Zielsetzung verbunden. „Die Bedeutung von Nachhaltigkeit spielt insgesamt noch eine untergeordnete Rolle in deutschen Vorständen und Aufsichtsräten“, sagt Nils Borcherding, Partner Sustainability Services bei BDO. Und Philipp Killius, Partner und Head of Sustainability/ESG bei Kirchhoff, stellt fest: „Die Vergütung der Vorstände hängt nur teilweise an faktischen Nachhaltigkeitszielen, die Kompetenzen und Ressorts weisen oftmals keinen klaren Nachhaltigkeitsbezug auf.“

Signifikante Fortschritte im MDax und SDax

Die aktuelle Studie zeigt aber auch, dass die börsennotierten Unternehmen in Deutschland Anstrengungen unternehmen, um in puncto Nachhaltigkeit den wachsenden gesellschaftlichen und regulatorischen Anforderungen gerecht zu werden. Zwei Drittel (66%) aller Dax30-, MDax- und SDax-Gesellschaften veröffentlichen mittlerweile einen Nachhaltigkeitsbericht – 7% mehr als im Berichtszeitraum der vorausgegangenen Studie. Um ihrem nachhaltigen Bestreben verstärkt Glaubwürdigkeit zu verleihen, hat inzwischen fast die Hälfte (47%) aller Unternehmen den Global Compact Vertrag der Vereinten Nationen (UNGC) unterschrieben. Damit bekennen sich die Unternehmen zu den zehn universell gültigen Prinzipien verantwortungsvoller Unternehmensführung in den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsprävention. Im Vergleich zum Vorjahr ist hier ein besonders starkes Engagement zu beobachten. Von allen UNGC-Unterzeichnern sind 29% erst seit 2020 beigetreten. Bei Dax30-Unternehmen gab es dabei nur leichte Zuwächse, weil die meisten Konzerne den Global Compact schon unterzeichnet haben. Signifikante Fortschritte machen insbesondere die Unternehmen im MDax und im SDax. Unternehmen, die sich zum UNGC bekennen, müssen regelmäßig darüber berichten, wie sie die 10 Prinzipien umsetzen.

Mehr als die Hälfte aller Unternehmen weisen ESG-Ratings aus

Umwelt (Environment), Soziales und Gesellschaft (Social) und Unternehmensführung (Governance) rücken bei vielen Dax-160-Unternehmen verstärkt ins Blickfeld. Mehr als die Hälfte weisen inzwischen ein ESG-Rating und die dazugehörigen Rating-Ergebnisse in ihren Berichten aus. Bei Dax30-Unternehmen ist dies Standard.

Beim Klimaschutz gibt es darüber hinaus zwei hohe Messlatten: die Vorgaben der Science Based Targets Initiative (SBTi) und der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD). „Viele Unternehmen des Dax160 lassen sich nicht von aufwendigen Initiativen mit Klimabezug abschrecken“, stellt die Studie fest. Mehr als ein Viertel (27%) aller Nachhaltigkeitsberichte weist einen TCFD-Index auf. Ein knappes Viertel (23%) der Unternehmen hat sich verpflichtet, dem SBTi entsprechend Ziele zu setzen – oder hat diese Ziele bereits verabschiedet.

Bei den Lieferketten gibt es noch Luft nach oben

Bei der Frage, wie nachhaltig ein Unternehmen arbeitet, steht nicht nur das eigene Verhalten im Fokus, sondern auch das der Zulieferer. Die intensive Diskussion über das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz in Deutschland zeigt nach Angaben der Studie, dass die unternehmerische Verantwortung an Bedeutung zunimmt. Trotzdem bleibe noch Luft nach oben. In zwei von drei nichtfinanziellen Erklärungen und Berichten, die das Thema erwähnen, wird mindestens ein Aspekt der Zulieferer behandelt: am häufigsten das Thema Menschenrechte (66%), gefolgt vom Thema Umwelt (44%) und Bekämpfung von Korruption und Bestechung (24%).

Nur elf Prozent aller Vorstandsposten mit Frauen besetzt

Erstmals erhebt die Studie von BDO und Kirchhoff Consult auch einen aktuellen Stand bei der Gleichstellung in deutschen Führungsetagen. Demnach sitzt zwar in 38% aller Dax160-Unternehmen mindestens eine Frau im Vorstand. Aber nur elf Prozent aller Vorstandsposten insgesamt sind weiblich besetzt. Leicht differenziert fällt dabei das Bild in den einzelnen Dax-Indizes aus. Bei Dax30-Unternehmen sind 16% der Vorstände Frauen, bei SDax-Unternehmen elf Prozent und bei MDax-Unternehmen neun Prozent.

Bei der Verteilung in den Aufsichtsräten ist das Ungleichgewicht nicht ganz so deutlich. Bei den Dax160-Unternehmen haben die Frauen einen Anteil von 32% gegenüber 68% Männern. Vergleicht man die verschiedenen Indizes, unterscheidet sich die Besetzung hier kaum.

(Pressemitteilung BDO vom 22.09.2021)


Redaktion

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