07.04.2017

Neuer M&A-Rekord bei Tech-Unternehmen

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© Tim/Fotolia.com

Die Übernahmen von Technologieunternehmen haben 2016 einen neuen Höhepunkt erreicht: Insgesamt gaben Investoren 466,6 Milliarden US-Dollar aus – das waren noch einmal zwei Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2015. Allerdings könnte der Höhepunkt damit vorerst erreicht sein: Zum Jahresende ließen die Zukäufe nach, so dass der Wert aller Zukäufe im vierten Quartal mit 117,2 Milliarden US-Dollar 38 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum lag.

Treiber der Entwicklung waren die asiatischen Investoren. Die Region Asien-Pazifik mit Japan konnte als einzige das M&A-Volumen steigern – um deutliche 174 Prozent auf 141,4 Milliarden US-Dollar. Dagegen ging der Übernahmewert auf dem amerikanischen Kontinent sowie in der Region, Europa, Mittlerer Osten und Afrika jeweils um gut 20 Prozent zurück auf 267,6 Milliarden beziehungsweise 57,6 Milliarden US-Dollar.

Obwohl es nicht mehr so viele Mega-Deals über 10 Milliarden US-Dollar wie im Vorjahr gab, zeichnet sich ein Trend zu insgesamt weniger, aber dafür teureren Übernahmen ab. So ging die Anzahl der Deals im Gesamtjahr um fünf Prozent auf 3.796 zurück. Der Durchschnittswert der Übernahmen stieg dagegen um 15 Prozent auf 572 Millionen US-Dollar – und das, obwohl nur noch vier Mega-Deals ausgehandelt wurden, nach acht 2015.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst &Young), für die M&A-Aktivitäten zwischen Technologiefirmen sowie Zukäufe von Technologiefirmen durch Nicht-Technologiefirmen berücksichtigt wurden.

„Die massive digitale Transformation unserer Gesellschaft durch Cloud-, Mobile-, Social- oder Big-Data-Technologien beflügelt den weltweiten Übernahmemarkt für Technologieunternehmen. Die Veränderungen in unserer Umwelt werden epochal sein“, beobachtet EY-Partner Carsten Risch. „Unternehmen sehen sich neuen, disruptiven Technologien wie dem Internet der Dinge oder künstlicher Intelligenz gegenüber und versuchen, sich mit Übernahmen auf die Veränderungen einzustellen. In den kommenden 5 Jahren werden mehr Geschäftsmodelle als jemals zuvor auf den Prüfstand gestellt. Viele etablierte Modelle werden verschwinden und neue entstehen.“

Dass neue Technologien wie das Internet der Dinge, Big Data oder Cybersecuritylösungen auch in den klassischen Industrien immer mehr Bedeutung gewinnen, zeigt sich an ihrer steigenden Bereitschaft, viel Geld für Technologieunternehmen auszugeben. Die Summe aller Übernahmen aus anderen Branchen stieg um das Doppelte auf knapp 108 Milliarden US-Dollar. Für deutliches Wachstum sorgten darüber hinaus Finanzinvestoren. Sie schlossen im vergangenen Jahr Deals im Gesamtwert von mehr als 90 Milliarden US-Dollar ab, das entspricht einer Steigerung um 61 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Klassische Industrien holen sich Tech-Know-how an Bord

Dagegen ging die Bereitschaft von Technologieunternehmen zurück, andere Technologieunternehmen zu übernehmen: Das Dealvolumen sank 2016 um knapp ein Viertel auf 268,6 Milliarden US-Dollar.

„Die Konkurrenz um aufstrebende Technologieunternehmen mit innovativen Produkten hat zugenommen. Die klassischen Industrien versuchen, sich durch Zukäufe schnell entsprechendes Know-how an Bord zu holen, und Finanzinvestoren sehen in den Technologieunternehmen vielversprechende Wachstumsperspektiven. Dieser Wettbewerb treibt die Bewertungen“, sagt Carsten Risch.

Beliebteste Übernahmeziele waren die Bereiche IT-Services sowie Software, in denen mit 1.065 beziehungsweise 1.663 Deals die meisten Übernahmen abgeschlossen wurden. Allerdings entfielen die höchsten Summen auf Halbleiterhersteller mit einem Gesamtwert von knapp 125 Milliarden US-Dollar, gefolgt von Softwareunternehmen mit einem Gesamtwert von knapp 121 Milliarden US-Dollar.

Größte Deals in der Halbleiterbranche

Der größte erfasste Deal betrifft dementsprechend auch die Übernahme des Halbleiterherstellers NXP Semiconductors durch den Konkurrenten Qualcomm, der knapp 40 Milliarden US-Dollar wert war – die größte Übernahme in der Halbleiterbranche überhaupt. Auch das zweitgrößte Übernahmeziel – die ARM Holdings – kommt aus der Halbleiterbranche. Für sie zahlte die SoftBank Group über 32 Milliarden US-Dollar. Drittgrößter Deal war die Übernahme der Social-Media-Plattform Linkedin durch den Computergiganten Microsoft für etwa 26 Milliarden US-Dollar.

Den größten Deal im Technologiebereich eines deutschen Unternehmens fädelte Siemens ein. Die Münchener übernahmen den US-Softwarehersteller Mentor Graphics für etwas mehr als vier Milliarden US-Dollar.

„Vor allem das Internet der Dinge hat die Übernahmen im Technologiebereich 2016 bestimmt. Die Mikrochips der Halbleiterindustrie helfen dabei, Produkte und Maschinen zu vernetzen. Ein weiterer Megatrend – das vernetzte Auto – spielt in den Übernahmeplänen ebenfalls eine große Rolle. Anhand der übernommen Firmen zeigt sich: Die Unternehmen bereiten sich auf die Erfassung, Sammlung und Auswertung von Daten vor. Wie Unternehmen künftig mit Kundendaten umgehen und welche Geschäftsmodelle sie daraus entwickeln, wird für ihren künftigen Erfolg, häufig sogar die weitere Existenz entscheidend sein“, so Risch.

Internet der Dinge als Wachstumstreiber

Entsprechend verdreifachte sich der Wert aller Deals mit einem Bezug zum Internet der Dinge im Vergleich zum Vorjahr auf 103,4 Milliarden US-Dollar. Hohes Wachstum gab es auch bei Übernahmen von Unternehmen mit Cybersicherheitslösungen. Der Wert der Übernahmen stieg um 48 Prozent auf 40 Milliarden US-Dollar.

Nach dem starken Jahresauftakt ließ die Übernahmedynamik zum Jahresende jedoch deutlich nach. Im vierten Quartal sank nicht nur der Gesamtwert. Auch die Anzahl der Deals ging im Jahresverlauf zurück. Im vierten Quartal wurden mit 844 Deals sieben Prozent weniger abgeschlossen als im dritten Quartal – das bedeutete den zweiten Rückgang in Folge. Das gab es zuletzt 2012.

Wie sich 2017 entwickeln wird, bleibt trotzdem offen. „Wir leben in einer Welt mit erheblichen politischen und ökonomischen Unsicherheiten Die digitale Evolution wird aber weitergehen. Alle Marktteilnehmer wissen, dass sie nicht darauf warten können, dass sich die weltwirtschaftliche Lage stabilisiert. Und dass die Uhr tickt. Im Wettlauf um die besten Technologien werden sie agieren müssen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Wer zu langsam oder nicht flexibel genug ist – organisatorisch oder gedanklich – der wird sich nicht behaupten können“

Weitere Informationen finden Sie hier.

(Pressemitteilung EY vom 01.04.2017)


Redaktion

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