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28.11.2023

PwC-Reederstudie 2023: Klimaschutz ist größte Herausforderung

Autokonzerne auf der Überholspur

© johas/fotolia.com

Laut PwC-Reederstudie 2023 bezeichnen 96 % der Reedereien die Erreichung von Klimazielen und Umweltauflagen als derzeit größte Hürde.

Die Boomjahre in der maritimen Schifffahrt sind vorbei. Nach einigen Jahren mit überdurchschnittlichen Wachstumsaussichten und hohen Container- und Frachtraten dämpfen geopolitische Veränderungen und weitere Herausforderungen die Geschäftserwartungen. Als größte Schwierigkeit der kommenden Dekade sehen die Branchenvertreter:innen die Erfüllung von Umweltauflagen und Klimazielen. Ein Großteil der befragten Unternehmen erwartet maßgebliche Beeinträchtigungen der Schifffahrt durch Handelskriege und Embargos. Aber auch der Fachkräftemangel bereitet den Reedereien zunehmend Kopfzerbrechen.

Zu diesen Ergebnissen kommt die 15. Reederstudie von PwC Deutschland, für die das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen 110 Entscheider:innen aus deutschen Hochseereedereien zu ihrem Blick in die Zukunft befragt hat.

Sieben von zehn Reedereien reduzieren Emissionen

Weiterhin skeptisch sehen die Reeder:innen die Erreichbarkeit des von der EU-Kommission ausgegebenen Ziels, die Emissionen bis 2030 um mehr als 55 % gegenüber dem Stand von 1990 zu reduzieren. Aktuell meinen 23 % der Führungskräfte in den Schifffahrtsunternehmen, dass sich dieses Ziel definitiv nicht umsetzen lässt. Das ist ein Anstieg um zehn Prozentpunkte im Vergleich zu 2021.

„Dennoch − oder vielleicht gerade deswegen − hat sich in den vergangenen Jahren eine zunehmende Akzeptanz für umweltgerechte Maßnahmen entwickelt“, konstatiert André Wortmann, Leiter des Maritimen Kompetenzzentrums bei PwC Deutschland. So hat beispielsweise der Einsatz von Smart-Shipping-Tools zugenommen. Mit dieser Technologie lassen sich etwa Route und Treibstoffverbrauch in Echtzeit nachverfolgen. In 77 % der Reedereien kommen diese digitalen Werkzeuge mittlerweile zum Einsatz – ein Plus von 13 Prozentpunkten im Vergleich zu 2021.

Zudem hat sich der Anteil der Reedereien, in denen Maßnahmen zur Emissions-reduktion umgesetzt wurden, mehr als verdoppelt. Während 2021 erst jede dritte Reederei berichtete, dass sie bewusst Emissionen reduziert, tun dies heute bereits 71 %. Burkhard Sommer, stellvertretender Leiter des Maritimen Kompetenzzentrums bei PwC Deutschland, fasst zusammen: „Dem Thema Klimaschutz kann sich kein Unternehmen mehr entziehen. Die Reedereien verinnerlichen das immer mehr und nehmen bei der Umsetzung geeigneter Maßnahmen deutlich Fahrt auf.“

Große Unsicherheit mit Blick auf alternative Treibstoffe

Große Verunsicherung besteht nach wie vor bei der Frage, welche alternativen Treibstoffe sich in der Branche künftig durchsetzen werden. Viele Reedereien geben an, dass sie den aktuell diskutierten alternativen Treibstoffen wie LNG oder Wasserstoff nicht zutrauen, sich langfristig als dominierende Treibstoffart durchzusetzen. Einzig Methanol scheint sich als Lösung herauszukristallisieren; 65 % glauben, dass er die Langstrecken in 20 Jahren dominieren könnte.

Diese Unsicherheit mit Blick auf den Treibstoff der Zukunft hat großen Einfluss auf die Flottenplanung: So sind sieben von zehn Befragten der Auffassung, dass es viel mehr Schiffsneubestellungen geben würde, wenn klar wäre, welche Antriebstechnologie sich durchsetzen wird.

Beeinträchtigungen aus geopolitischen Veränderungen

Die Reeder:innen rechnen damit, dass geopolitische Konflikte anhalten und weiter zu Beeinträchtigungen in der Branche führen werden. Gut jedes zweite Unternehmen (53 %) geht davon aus, dass der Krieg in der Ukraine das Geschäft dauerhaft belastet. 85 % halten zudem eine Verschiebung von Fahrtgebieten für sicher oder wahrscheinlich. Die Projektionen der Reeder:innen für die nächsten fünf bis zehn Jahre lassen die Verlagerung von Ladungsströmen ins mittlere Afrika und nach Asien erwarten. Für China rechnet die Mehrheit jedoch mit einem sinkenden Ladungsaufkommen.

Jede:r Zweite ist zudem der Meinung, dass die Rückbesinnung auf die eigene Region und lokale Märkte mehr ist als ein kurzfristiges Strohfeuer, sondern sich zu einem nachhaltigen Trend entwickelt.

Nur noch jede:r Zweite rechnet mit Wachstum

Darüber hinaus bereiten auch konjunkturelle Unsicherheiten der Branche zunehmend Sorgen. Aktuell sind die Schiffe zwar in 93 % der Reedereien noch voll ausgelastet und die Erwartungen für die kurzfristige Entwicklung des weltweiten Ladungsaufkommen fallen entsprechend positiv aus. Sieben von zehn Reeder:innen vertreten allerdings die Ansicht, dass die vielen Neubestellungen für Containerschiffe in ein paar Jahren zu signifikanten Überkapazitäten führen werden.

Und auch die Wachstumsaussichten sind im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gedämpft: Nur noch eine knappe Mehrheit der Führungskräfte (56 %) rechnet mit Wachstum in den kommenden zwölf Monaten. Im Vorjahr gingen noch 74 % von steigenden Umsätzen aus. In der Befragung gehen außerdem 96 % der Entscheidungsträger davon aus, dass das hohe Einnahmeniveau der vergangenen beiden Jahre kaum zu halten sein wird. Sowohl bei Fracht (83 %) als auch bei Charter (87 %) rechnen die Befragten mit einem stagnierenden oder gar sinkenden Ratenniveau.

(pwc vom 22.11.2023 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


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