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19.09.2022

Qualitatives Job-Matching: Unternehmen machen Abstriche bei gesuchten Kompetenzen

Angesichts des großen Nachfrageüberhangs an offenen Stellen und der damit verbundenen Dringlichkeit, schnell neues Personal für die ausgeschriebenen Positionen zu finden, hat das IW Köln gemeinsam mit dem Personaldienstleister Hays die Qualität des Job-Matchings anhand von rund 53.000 Datensätze für 282 Berufsbilder ausgewertet. Ziel der Analyse war es, herauszufinden, inwieweit die Kompetenzprofile der Bewerber mit den Stellenanforderungen bei erfolgreicher Vermittlung übereinstimmten und bei welchen Berufsbildern und Branchen dies nicht der Fall war bzw. die Passung im zeitlichen Verlauf abnahm.

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Insgesamt zeichnet sich der Trend ab, dass die Werdegänge der Kandidaten immer weniger mit den ausgeschriebenen Stellenprofilen der Unternehmen zusammenpassen. Je feiner verästelt sich allerdings das Stellenprofil gestaltete, desto zielgenauer war die Vermittlung.

IT-Fachkräfte erfüllen am besten die Stellenanforderungen

Insgesamt zeigt die Passung zwischen Bewerberprofil und Stellenanforderung je Berufsbild und Branche ein gemischtes Bild. So weisen SAP-Berater (70%) und Business Analysten (63%) einen kontinuierlich steigenden Trend der Matching-Qualität auf, während bei Bauleitern (48%) und Sachbearbeitern (41%) die Qualität im Beobachtungszeitraum zwischen 2018 und 2021 eher sinkt. Hinzu kommt: Berufe, in denen zu Beginn des Jahres 2018 die Matching-Qualität eher hoch war, konnten im Schnitt eine größere Verbesserung erzielen als Berufe, in denen sie niedrig war. Damit korrespondierend verzeichnete die IT-Software-Branche insgesamt eine Job-Passung von 60%, das Baugewerbe hingegen lediglich 48%. Als mögliche Erklärung dafür, führen die Studienverfasser an, dass IT-Skills vergleichsweise stark differenziert erfasst werden, wie etwa die Kenntnis einer Programmiersprache oder einer neuen Software. Aufgrund des Wissens über die Wichtigkeit dieser Kenntnisse auf Seiten der Bewerber und der Unternehmen, lässt sich für IT-Berufe nahezu durchgehend eine hohe Übereinstimmung zwischen Bewerberprofil und Stellenanforderung ableiten.

Ältere Bewerber brauchen einen hohen Job-Fit

Darüber hinaus weist der Report einen Zusammenhang zwischen dem Alter der Kandidaten und den jeweiligen Anforderungen an die neue Stelle auf. So ist bei erfolgreichen Vermittlungen von Controllern die Matching-Qualität bei Bewerbern im Alter von 50 und mehr Jahren über 30%punkte höher als bei Kandidaten im Alter von bis zu 30 Jahren. Das dürfte sich aus den beruflichen Erfahrungen, die ein Controller für die erfolgreiche Ausübung seiner Tätigkeit braucht, erklären. Jüngere Kandidaten, die trotz des vergleichsweise niedrigen Job-Matches erfolgreich vermittelt wurden, traut man hingegen zu, sich die fehlenden Kompetenzen im Zeitverlauf noch aneignen zu können. Die Entwicklung, dass es eine immer geringere Passung zwischen Stellenanforderungen und Bewerberprofilen geben wird, könnten Unternehmen gezielt dafür nutzen, Kandidatengruppen wie Job-Umsteiger oder Wiedereinsteiger anzusprechen, und ihnen Weiterqualifizierung „on the job“ zu bieten. Im Beobachtungszeitraum 2018 bis 2021 sind die Altersunterschiede über alle Berufe hinweg größer geworden.

Unternehmen müssen sich vom 100%-Kandidaten verabschieden

Der Trend, der sich auf Basis des Reports vor dem Hintergrund der aktuellen Datenlage insgesamt abzeichnet, könnte den Studienverfassern zufolge, ein Effekt aus dem knappen Arbeitskräfteangebot sowie der demographischen Entwicklung sein. Denn bevor eine Stelle zu lange nicht besetzt wird, geben sich Firmen zunehmend damit zufrieden, dass nicht alle qualifikatorischen Anforderungen erfüllt werden können.

Ein guter Match entscheidet am Ende des Tages darüber, ob ein Arbeitsverhältnis auf Dauer für beiden Seiten zufriedenstellend sein wird, erklären die Autoren der Untersuchung. Die Analyse der Qualität von Matchings gibt der Studie zufolge Aufschluss darüber, welche Kompetenzen Unternehmen bei welchen Kandidaten erwarten dürfen, und welche eher nicht.

Durch die Arbeitskräfteknappheit drohe die Kluft zwischen Arbeitsanforderungen und Kompensationen in neu geschlossenen Arbeitsverhältnissen zukünftig größer zu werden. Es wird dann eine zentrale Aufgabe der Unternehmen sein, durch geeignete Qualifizierungsmaßnahmen, diese Lücke zu schließen, betonen die Studienautoren. Das trage am Ende auch zu Mitarbeiterbindung bei.

(Pressemitteilung Hays vom 14.09.2022)


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M&A, Fusion, Übernahme
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26.09.2022

M&A-Aktivitäten in der DACH-Region: Zurückhaltung in der ersten Jahreshälfte 2022

Die wirtschaftlichen Unsicherheiten in Folge des Russland-Ukraine-Kriegs machen sich im M&A-Markt bemerkbar. Im ersten Halbjahr 2022 fanden in Deutschland, Österreich und der Schweiz deutlich weniger Fusionen und Übernahmen statt als im vorangegangenen Halbjahr. Die Anzahl der Transaktionen sank von 1.884 auf 1.436 – ein Rückgang um 23,8%. Davon entfielen 1.061 auf Deutschland, 104 auf Österreich und 271 auf die Schweiz. Die Höhe der Unternehmenskäufe fiel um 34,8% von 107,4 auf 67,3 Mrd. €.

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23.09.2022

Das Klima im Fokus: M&A-Transaktionen im ESG-Sektor im Anstieg

Laut des M&A-Marktreports zum Bereich Environmental, Social & Governance Technology (ESG) des M&A-Beratungsunternehmens Hampleton Partners zielten in der ersten Jahreshälfte 2022 weltweit 93 Deals auf ein ESG-Unternehmen ab – das ist ein Anstieg von 173% gegenüber dem ersten Halbjahr 2019. Der Environmental, Social & Governance Technology M&A Market Report von Hampleton Partners untersucht Transaktionen, die in den letzten fünf Jahren auf Unternehmen abzielten, die sich auf ESG-Techunterstützung spezialisiert haben. Der Schwerpunkt liegt auf Software, Outsourcing-Services und Beratung sowie auf Technologielösungen im weiteren Sinne.

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23.09.2022

Rekord-Dividende der DAX-Konzerne fließt zum Großteil an ausländische Anleger

Noch nie schütteten die DAX-Konzerne so viel Dividenden aus wie in diesem Jahr: 51 Mrd. € gingen an die Investoren. Im Jahr zuvor waren es nur 36 Mrd. € gewesen. Deutsche Anleger haben allerdings wenig vom Geldregen durch die DAX-Dividenden, denn die Wertpapiere von Deutschlands Top-Index befinden sich mehrheitlich – zu 53% – in der Hand ausländischer Investoren. Anleger aus Deutschland besitzen lediglich etwas weniger als ein Drittel (30%) der Wertpapiere der wichtigsten Wirtschaftsunternehmen des Landes. Bei mindestens 24 der 40 DAX-Konzerne liegt der Analyse zufolge die Mehrheit der Aktien in Depots im Ausland. Deutsche Investoren halten dagegen nur bei vier Unternehmen mehr als 50% der Anteile.

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