14.10.2020

Rekord-Quartal auf dem weltweiten IPO-Markt

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

© Melpomene/fotolia.com

Nach einem schwachen ersten Halbjahr boomt nun der weltweite IPO-Markt: Die Börsen weltweit verzeichneten in den vergangenen drei Monaten mit 447 Börsengängen und einem Emissionsvolumen von insgesamt 95,0 Milliarden US-Dollar das stärkste dritte Quartal seit 20 Jahren. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Zahl der IPOs um 78 Prozent, das Emissionsvolumen hat sich sogar mehr als verdoppelt (plus 138 Prozent).

Traditionell ist das dritte Quartal eine eher ruhige Phase für Börsengänge. In diesem Jahr, in dem aufgrund der Corona-Krise im ersten Halbjahr zahlreiche IPOs verschoben wurden und in dem die Märkte von Liquidität überflutet werden, haben die Aktienmärkte Rekordhochs erreicht – und auch die IPO-Märkte erwiesen sich als außergewöhnlich aktiv. Besonders stark entwickelten sich der US-Markt und China: In China (einschließlich Hong Kong) wuchs das Emissionsvolumen um 139 Prozent auf 46,4 Milliarden US-Dollar, die Zahl der Transaktionen kletterte von 86 auf 217 – ein Anstieg um 152 Prozent.

In den USA hat sich die Zahl der IPOs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 38 auf 85 mehr als verdoppelt, das Emissionsvolumen hat sich von 11,7 auf 33,1 Milliarden US-Dollar sogar fast verdreifacht.

Das sind Ergebnisse des aktuellen IPO-Barometers des Prüfungs- und Beratungsunternehmens EY (Ernst & Young).

„In diesem Jahr ist alles anders“, fasst Dr. Martin Steinbach, Partner und Leiter des Bereichs IPO and Listing Services bei EY, die Situation zusammen. „Ausgerechnet das traditionell schwache dritte Quartal erweist sich nun als das stärkste des bisherigen Jahresverlaufs.“

Auch in Europa stieg die Zahl der Börsengänge – allerdings weniger stark als in den anderen wichtigen IPO-Märkten: Das Emissionsvolumen kletterte um 51 Prozent auf 6,2 Milliarden US-Dollar, die Zahl der IPOs wuchs um 56 Prozent auf 39.

In Deutschland wurden im dritten Quartal sechs Börsenneulinge gezählt: Vier Unternehmen – Siemens Energy, Hensoldt, Knaus Tabbert und Brockhaus Capital Management – wählten den Prime Standard der Deutschen Börse für ihre Erstnotiz. Gemessen am Emissionsvolumen war der Hensoldt-Börsengang mit 460 Millionen Euro die größte Transaktion, bezogen auf die Marktkapitalisierung zur Erstnotiz lag Siemens Energy mit 16 Milliarden Euro vorn. Hinzu kommen zwei deutsche Unternehmen, die den Sprung aufs Parkett an eine US-Börse gewagt haben: Das Biotech-Unternehmen CureVac erlöste bei seinem Börsendebut an der NASDAQ 245 Millionen US-Dollar, der Display-Produzent VIA optronics erhielt bei seinem Börsengang an der New York Stock Exchange 94 Millionen US-Dollar.

Technologie-Unternehmen im Fokus

Angetrieben wurde das IPO-Geschehen von großen und prominenten Transaktionen in der Technologie- und der Gesundheits-Branche: 38 Prozent des weltweiten Emissionsvolumens – das entspricht 36 Milliarden US-Dollar – entfielen auf Technologie-Börsengänge, 18 Prozent (17 Milliarden US-Dollar) auf Healthcare-Unternehmen. Die weltweit größte Transaktion im dritten Quartal war der Börsengang des chinesischen Chip-Herstellers Semiconductor Manufacturing International, der 7,5 Milliarden US-Dollar einbrachte, gefolgt vom US-Software-Unternehmen Snowflake (3,9 Milliarden US-Dollar) und dem chinesischen Immobilienunternehmen KE Holdings (2,4 Milliarden US-Dollar). Nur einer der Top-10-Börsengänge fand in Europa statt – die britische The Hut Group, ein E-Commerce-Anbieter, erlöste bei ihrem IPO insgesamt 2,4 Milliarden US-Dollar. „Die Corona-Krise verstärkt den Digitalisierungstrend. Gerade Unternehmen, deren Geschäftsmodelle einen Bezug zur digitalen Transformation der Wirtschaft haben, sind derzeit besonders gefragt und können eine überzeugende Equity Story vorweisen“, sagt Steinbach.

Ausblick: Chancen auf eine Jahresendrally – aber auch zunehmende Risiken

Für eine Jahresendrally auf dem weltweiten IPO-Markt sprechen nach Steinbachs Einschätzung das positive Momentum aus dem dritten Quartal, die hohe Liquidität im Markt und das hohe Bewertungsniveau – verbunden mit einer relativ niedrigen Volatilität. Zudem gebe es weiterhin auf Investorenseite einen erheblichen Anlagedruck. Andererseits sieht Steinbach auch Risiken: „Das vierte Quartal und der Beginn des kommenden Jahres werden auch geprägt sein von den Risiken potenziell steigender Infektionszahlen und von den anhaltenden Spannungen zwischen China und den USA. Hinzu kommen als Unsicherheitsfaktoren der Brexit und die bevorstehenden US-Wahlen.“

Wenn die Volatilität wieder steige, müssten Börsenkandidaten sich darauf einstellen, dass das IPO-Fenster sich schnell öffne und wieder schließe, mahnt Steinbach. “Die Planung eines Börsengangs ist in diesen Zeiten eine echte Herausforderung. Umso wichtiger ist es, flexibel zu sein und immer auch einen Finanzierungsplan B oder einen alternativen Weg an die Börse in der Schublade zu haben.“

Auf globaler Ebene führe die Diskrepanz zwischen der schwachen konjunkturellen Entwicklung einerseits und den hohen Börsenbewertungen andererseits bei den Anlegern zu Befürchtungen, dass sich am Horizont eine Blase abzeichne, meint Steinbach: „Das kann zu weiteren Reaktionen in einem schon jetzt turbulenten Börsenjahr führen.“

(Pressemitteilung EY vom 07.10.2020)


Redaktion

Weitere Meldungen


M&A, Fusion, Übernahme
Meldung

©designer491/fotolia.com

26.09.2022

M&A-Aktivitäten in der DACH-Region: Zurückhaltung in der ersten Jahreshälfte 2022

Die wirtschaftlichen Unsicherheiten in Folge des Russland-Ukraine-Kriegs machen sich im M&A-Markt bemerkbar. Im ersten Halbjahr 2022 fanden in Deutschland, Österreich und der Schweiz deutlich weniger Fusionen und Übernahmen statt als im vorangegangenen Halbjahr. Die Anzahl der Transaktionen sank von 1.884 auf 1.436 – ein Rückgang um 23,8%. Davon entfielen 1.061 auf Deutschland, 104 auf Österreich und 271 auf die Schweiz. Die Höhe der Unternehmenskäufe fiel um 34,8% von 107,4 auf 67,3 Mrd. €.

M&A-Aktivitäten in der DACH-Region: Zurückhaltung in der ersten Jahreshälfte 2022
Meldung

©aksanakoval / 123rf

23.09.2022

Das Klima im Fokus: M&A-Transaktionen im ESG-Sektor im Anstieg

Laut des M&A-Marktreports zum Bereich Environmental, Social & Governance Technology (ESG) des M&A-Beratungsunternehmens Hampleton Partners zielten in der ersten Jahreshälfte 2022 weltweit 93 Deals auf ein ESG-Unternehmen ab – das ist ein Anstieg von 173% gegenüber dem ersten Halbjahr 2019. Der Environmental, Social & Governance Technology M&A Market Report von Hampleton Partners untersucht Transaktionen, die in den letzten fünf Jahren auf Unternehmen abzielten, die sich auf ESG-Techunterstützung spezialisiert haben. Der Schwerpunkt liegt auf Software, Outsourcing-Services und Beratung sowie auf Technologielösungen im weiteren Sinne.

Das Klima im Fokus: M&A-Transaktionen im ESG-Sektor im Anstieg
Dividende
Meldung

© Coloures-pic/fotolia.com

23.09.2022

Rekord-Dividende der DAX-Konzerne fließt zum Großteil an ausländische Anleger

Noch nie schütteten die DAX-Konzerne so viel Dividenden aus wie in diesem Jahr: 51 Mrd. € gingen an die Investoren. Im Jahr zuvor waren es nur 36 Mrd. € gewesen. Deutsche Anleger haben allerdings wenig vom Geldregen durch die DAX-Dividenden, denn die Wertpapiere von Deutschlands Top-Index befinden sich mehrheitlich – zu 53% – in der Hand ausländischer Investoren. Anleger aus Deutschland besitzen lediglich etwas weniger als ein Drittel (30%) der Wertpapiere der wichtigsten Wirtschaftsunternehmen des Landes. Bei mindestens 24 der 40 DAX-Konzerne liegt der Analyse zufolge die Mehrheit der Aktien in Depots im Ausland. Deutsche Investoren halten dagegen nur bei vier Unternehmen mehr als 50% der Anteile.

Rekord-Dividende der DAX-Konzerne fließt zum Großteil an ausländische Anleger
CORPORATE FINANCE - Die Erfolgsformel für Finanzprofis

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das CORPORATE FINANCE Gratis Paket: 1 Heft + Datenbank