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27.04.2021

Rekordjahr für Europas Startups trotz Corona und Brexit

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

© tashatuvango/fotolia.com

Weder die Corona-Pandemie noch der Brexit haben die Startup-Finanzierung in Europa im Jahr 2020 ausgebremst – im Gegenteil: Die Zahl und der Wert der Finanzierungsrunden erreichten im vergangenen Jahr Rekordwerte: So stieg die Zahl der Finanzierungsrunden auf knapp 6.700 – ein Plus von 58 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Finanzierungsvolumen machte einen Sprung um 17 Prozent auf rund 36,5 Milliarden Euro.

Im zweiten Halbjahr zog das Finanzierungsvolumen noch einmal deutlich an und erreichte mit 21,2 Milliarden Euro den höchsten Wert für ein Halbjahr überhaupt. So fielen auch die größten drei Startup-Finanzierungen 2020 in diesen Zeitraum: Der italienische Anbieter von Mobilitäts-Serviceleistungen, The Telepass Group, sammelte im Oktober knapp 1,1 Milliarden Euro ein. Das britische Versicherungs-Startup Inigo erhielt im November mehr als 700 Milliarden Euro und der Batteriehersteller Northvolt aus Schweden 526 Millionen Euro.

Insbesondere Großbritannien hat den europäischen Startup-Markt angetrieben: Trotz des Ende 2020 endgültig vollzogenen Brexits hat sich die Anzahl der Finanzierungsrunden auf 2.113 mehr als verdoppelt. Auch das Finanzierungsvolumen stieg deutlich um ein Viertel auf 13,9 Milliarden Euro.

Damit hat Großbritannien den Vorsprung gegenüber dem Rest Europas weiter ausgebaut. In Deutschland sank das Finanzierungsvolumen sogar um 15 Prozent auf 5,3 Milliarden Euro, während die Zahl der Finanzierungsrunden von 704 auf 743 anstieg. Frankreich als drittgrößter Startup-Standort Europas hat 2020 nur noch 619 Finanzierungsrunden gezählt, nach 736 im Vorjahr. Dafür stieg das Volumen um 3,4 Prozent auf 5,2 Milliarden Euro.

Das zeigt das Start-up-Barometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Die Studie basiert auf einer Analyse der Investitionen in europäische Start-ups. Als Start-ups werden dabei Unternehmen gewertet, die nicht älter als zehn Jahre sind.

„In der Corona-Krise sind zahlreiche Herausforderungen für die Wirtschaft noch offensichtlicher geworden – etwa die dringend notwendige Digitalisierung, die Anfälligkeit von Logistikketten oder auch die große Bedeutung der Sicherheit von IT-Netzwerken“, sagt Dr. Thomas Prüver, Partner Strategy and Transactions bei EY und zuständig für Technologietransaktionen. „Viele Start-ups haben dafür die passenden Lösungen parat. Das hat sie bei Kapitalgebern attraktiv gemacht.“ Prüver geht davon aus, dass die hohe Dynamik auch 2021 im Markt erhalten bleibt: „Zahlreiche Jungunternehmen haben überzeugende Storys zu erzählen, bei denen es oft um gesellschaftliche Megatrends geht – Digitalisierung, Klima- und Umweltschutz oder Gesundheit beispielsweise. Da zahlreiche Investoren nach Anlagemöglichkeiten suchen und in den Startups Potenzial erkennen, rechnen wir mit einem weiteren starken Finanzierungsjahr.“

Startups in Großbritannien profitierten am meisten

Die Startups im traditionell risikofreudigeren Großbritannien mit vielen stark kapitalmarktorientierten Jungunternehmen hätten von der Entwicklung am meisten profitiert, betont Prüver: „Großbritannien steht schon seit Jahren an der Spitze der europäischen Startup-Finanzierung. Die dortigen Investoren sind stark professionalisiert. Jetzt in der Corona-Krise haben viele von ihnen in innovativen, digital aufgestellten, Startups eine gute Anlagemöglichkeit gesehen und investierten insbesondere in den Branchen Fintech, E-Commerce und grüne Energie.“

London hebt sich in der Konsequenz als Europas Startup-Hauptstadt deutlich vom Rest ab: In der englischen Metropole wurden im vergangenen Jahr 1370 Deals gezählt – das sind mehr als in Deutschland und Frankreich insgesamt getätigt wurden. Paris mit 351 Deals und Berlin mit 313 Deals folgen im Städteranking deutlich dahinter. Neben Berlin schaffte es noch München als zweite deutsche Stadt auf Platz sechs in die Top Ten.

London habe auch davon profitiert, dass die britische Startup-Szene insgesamt deutlich besser internationalisiert sei als beispielsweise die deutsche, so Prüver: „Auch der Brexit hat nichts daran geändert, dass viele Investoren aus dem Ausland stärker nach Großbritannien als in andere europäische Länder blicken. Sicherlich trägt auch die englische Sprache dazu bei. Aber in Großbritannien hat sich zudem ein Ökosystem aus Startups, Inkubatoren und Geldgebern gebildet, das konsequent auf Internationalisierung setzt. London als internationale Finanzmetropole ist hierfür ein gutes Sprungbrett.“

Positivtrend in den meisten europäischen Startup-Hotspots

Von den nach Anzahl der Finanzierungsrunden 15 wichtigsten europäischen Startup-Standorten verzeichneten nur zwei – Paris und Stockholm – Rückgänge bei der Zahl der Finanzierungen. „Wir haben im vergangenen Jahr europaweit einen deutlichen Trend zu mehr Investitionen gesehen, von dem auch kleinere Standorte wie Kopenhagen, Wien oder Tallinn profitiert haben, wo sich die Zahl der Finanzierungsrunden jeweils mehr als verdoppelt hat. Das ist ein sehr ermutigendes Signal für Gründer, aber auch für diese Regionen, die viel dafür tun, ihre Wettbewerbsfähigkeit und Attraktivität für Gründer zu erhöhen.“

Die Dominanz der drei Top-Standorte – London, Paris und Berlin – bleibe allerdings bestehen, betont Prüver: „Nach wie vor ist es für ein Berliner Startup leichter, an frisches Geld und qualifizierte Mitarbeiter zu kommen und den eigenen Bekanntheitsgrad zu steigern als für Jungunternehmen in abgelegeneren Gegenden.“ Von den fünf größten Startup-Investitionen 2020 in Deutschland gingen vier an Unternehmen in Berlin.

(Pressemitteilung EY vom 25.04.2021)


Redaktion

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