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20.02.2020

Rekordjahr für Fusionen und Übernahmen in der Pharma-Branche

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© kritchanut/fotolia.com

Die Life-Science-Branche weltweit hat 2019 eine Rekordsumme in Fusionen und Übernahmen investiert: Das Volumen stieg bereits zum Stichtag 30. November auf 357 Milliarden US-Dollar – das entspricht einer Steigerung von 84 Prozent gegenüber dem Gesamtjahr 2018 und knapp sieben Prozent gegenüber dem bisherigen Rekordjahr 2014. Einen großen Anteil daran hatten vor allem vier Megadeals, die alleine auf ein Gesamtvolumen in Höhe von 231 Milliarden US-Dollar kommen. 

Die 99 Milliarden US-Dollar schwere Übernahme von Celgene durch Bristol-Myers-Squibb war der mit Abstand größte Deal, gefolgt von der Übernahme von Allergan durch AbbVie für 86 Milliarden US-Dollar.

Für ihre Deals konnten die Pharma- und Medizintechnikunternehmen aus dem Vollen schöpfen: Die Firepower – also die Mittel, die Unternehmen für Zukäufe mobilisieren können – betrug 1,4 Billionen US-Dollar.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), für die Finanzdaten der größten Pharma-, Biotech- und Specialty-Pharma-Unternehmen bis zum Stichtag 30. November untersucht wurden. Der „Firepower Index“ von EY misst die Kaufkraft von Biotech- und Pharma-Unternehmen bei M&A-Transaktionen auf der Grundlage ihrer Marktkapitalisierung, Barmittelwerte sowie Verschuldungsfähigkeit.

„Zahlreiche Life-Sciences-Unternehmen haben 2019 versucht, durch Übernahmen eine führende Stellung in ihren strategisch wichtigsten Therapiegebieten einzunehmen“, erläutert Gerd Stürz, Leiter des Bereiches Life Sciences bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz, das hohe Dealvolumen. „Die Unternehmen, die sich in der Vergangenheit stark auf ein Therapiegebiet spezialisiert haben, hatten durchschnittlich stärkere Gewinn- und Umsatzzuwächse als Unternehmen mit einem breiteren Angebot. Entsprechend war ein Treiber des M&A-Geschehens die strategische Fokussierung auf bestimmte Bereiche. Diese Strategie ist allerdings nicht ohne Risiko. Denn auf der anderen Seite machen sich Unternehmen dadurch abhängiger und können mögliche künftige Umsatzrückgänge kaum noch mit anderen Therapiegebieten ausgleichen.“

Zudem müssten Bieter inzwischen sehr hohe Preise zahlen. So kam der M&A-Rekordwert zustande, obwohl die Zahl der Deals insgesamt zurückging: Bis zum 30. November wurden lediglich 96 Deals gezählt – ein Rückgang um 14 Prozent gegenüber dem Gesamtjahr 2018.

Klaus Ort, Leiter Transaction Advisory Services im Life-Science-Bereich bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sieht eine weitere Gefahr in der starken Fokussierung: „Die Unternehmen müssen aufpassen, dass sie die Zukunftstrends nicht verpassen. Sie sollten frühzeitig auf Themen wie Datenanalyse und Künstliche Intelligenz setzen. Denn in Zukunft wird auch die Gesundheitsbranche immer stärker von Plattformen abhängen, über die Daten ausgetauscht und ausgewertet werden. Die Unternehmen, denen es gelingt, dadurch die besten Therapien für Patienten anzubieten, werden in Zukunft Wettbewerbsvorteile haben.“

Big Pharma sehr aktiv – Biotech- und Medizintechnik-Unternehmen hielten sich zurück

2019 waren vor allem die Big-Pharma-Unternehmen aktiv: Sie investierten insgesamt 240 Milliarden US-Dollar – das entsprach 35 Prozent ihrer Firepower. Big-Biotech-Unternehmen sowie Medizintechnik-Unternehmen hielten sich dagegen zurück und investierten lediglich zehn Prozent beziehungsweise 16 Prozent der ihnen zur Verfügung stehenden Mittel.

Entsprechend erwartet Ort ein starkes M&A-Jahr im Life-Science-Bereich: „Viele Unternehmen, insbesondere in den Bereichen Biotech und Medizintechnik, haben sich 2019 noch zurückgehalten. Die Unternehmen müssen aber wachsen, um im umkämpften Markt mitzuhalten. Das geht in dem Ausmaß nur über Zukäufe. Sollten die Preise weiter auf dem hohen Niveau bleiben, erwarten uns 2020 wieder einige Megadeals.“

Stürz weist abschließend darauf hin, dass Kooperationen immer wichtiger werden: „Die Entwicklung von Therapien ist teuer und Großunternehmen sind oft weniger effektiv darin, neue Wirkstoffe in den Markt zu bringen, als kleinere Unternehmen. Deswegen sollten die Pharmaunternehmen nicht nur auf Fusionen und Übernahmen setzen, sondern auch über Kooperationen nachdenken. Gerade in der Wirkstoffentwicklung lassen sich mit Partnern schnellere Ergebnisse erzielen. Aber auch Kooperationen mit Start-ups außerhalb der Branche werden immer sinnvoller, beispielsweise mit innovativen Technologie-Unternehmen. Gerade wenn es um die Erfassung und Auswertung von Daten geht, braucht die Branche Know-how von außen.“

(Pressemitteilung EY vom 13.02.2020)


Redaktion

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