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02.08.2017

Startups setzen zunehmend auf innovative Finanzierungsquellen

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

© tashatuvango/fotolia.com

Wer mit dem Aufbau eines eigenen Unternehmens beginnt, erfüllt sich in aller Regel einen Traum – nimmt aber auch etliche Risiken und Unwägbarkeiten auf sich. Eine aktuelle Studie zeigt auf, was die deutschen Startups umtreibt und beantwortet Fragen u.a. zur Standortzufriedenheit, Finanzierungsquellen und den Risiken, denen Startups sich ausgesetzt sehen.

Startups in Deutschland werden bei ihrer Finanzierung immer innovativer. Schon jetzt nutzen fünf Prozent aller jungen Unternehmen neue Kapitalquellen wie Crowdfunding und Kreditplattformen. Das zeigt eine Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter 450 deutschen Startup-Unternehmern. Die wichtigste Finanzierungsquelle bleiben allerdings mit 84 Prozent die Eigenmittel – private Ersparnisse oder Geld aus dem Freundes- und Bekanntenkreis. Dahinter folgen Bankkredite (61 Prozent) und öffentliche Fördermittel (25 Prozent).

„Dass nur ein Viertel der Befragten die Förderlandschaft nutzen, ist sicherlich ihrer Komplexität geschuldet. Sich in den deutschen und europäischen Regelungen zurecht zu finden und Förderchancen zu nutzen, ist ziemlich schwierig“, sagt Philipp Medrow, Leiter der PwC Startup-Initiative NextLevel.

Wer eine gute Geschäftsidee hat, kriegt auch Geld

Die breite Palette an Kapitalisierungsmöglichkeiten sorgt dafür, dass sich nur noch 19 Prozent der Startups komplett aus Eigenmitteln finanzieren müssen. Zum Vergleich: Bei einer ähnlichen PwC-Umfrage im vergangenen Jahr waren es noch 27 Prozent. Der Mix aus Eigen- und Fremdfinanzierung stieg zeitgleich von 53 Prozent auf 65 Prozent. „Das zeigt: Wer eine überzeugende Geschäftsidee vorlegt, hat gute Chancen, jemanden zu finden, der ihn bei der Finanzierung unterstützt“, so Medrow. Und von ihrer Geschäftsidee überzeugt sind immerhin 65 Prozent der Befragten – das war nach dem Wunsch, die eigene Geschäftsidee zu verwirklichen (66 Prozent) das zweitwichtigste Motiv, ein Unternehmen zu gründen. Die Überzeugungsarbeit ist bei den Kapitalgebern aber nicht immer so einfach: Rund die Hälfte der Befragten gab an, dass sie sehr oder eher schwierig gewesen sei – vor allem deshalb, weil das Geschäftsmodell nicht richtig vermittelt werden konnte oder die Unternehmensplanung zu kurzfristig war.

Jedes zweite Startup kooperiert mit einer etablierten Firma

Erwähnenswert findet der PwC-Experte, dass das Risikokapital in vielen Fällen gar nicht von Venture-Capital-Fonds, sondern von anderen Unternehmen stammt. Tatsächlich arbeitet der PwC-Umfrage zufolge bereits jedes zweite deutsche Startup mit mindestens einem etablierten Unternehmen zusammen. 16 Prozent unterhalten Arbeitsverbindungen mit wissenschaftlichen Einrichtungen, 13 Prozent mit anderen Startups. Etwas angestiegen sind Kooperationen mit Beratungsgesellschaften (13 Prozent nach 9 Prozent im Vorjahr), strategischen Investoren (11 Prozent statt 8 Prozent) und der öffentlichen Hand (6 Prozent statt 4 Prozent). Dagegen verzichten nur 28 Prozent der befragten Startups komplett auf Kooperationen.

„Ich kann Gründern nur empfehlen, Kooperationen einzugehen. Die Zusammenarbeit vor allem mit etablierten Unternehmen ermöglicht es Startups, sich auf ihr Kerngeschäft, ihre Kunden und ihre Produkt- oder Geschäftsidee zu konzentrieren und für andere Aufgaben auf bereits bestehende Infrastrukturen zuzugreifen. Voraussetzung ist allerdings eine gute Vorbereitung und klare Absprachen. Die Beteiligten müssen an einem Strang ziehen“, so Medrow.

Dass externe Unterstützung bei bestimmten Services gebraucht wird, zeigt auch das Ergebnis, dass sich rund 90 Prozent der Startups bei Spezialthemen wie Steuern, Gründung, Finanzierung oder Rechtsberatung, extern beraten lassen.

91% loben die digitale Infrastruktur an ihrem Standort

Sehr zufrieden sind die befragten Startups mit dem Gründungsklima an ihrem jeweiligen Standort. So meinten 68 Prozent, die Rahmenbedingungen seien „eher gut“, 18 Prozent bezeichneten sie sogar als „sehr gut“. Besonders geschätzt wird dabei die digitale Infrastruktur, die von 46 Prozent als „sehr gut“ und von 45 Prozent als „eher gut“ beschrieben wird. „Die von uns befragten Gründer sind mit dem Startup-Standort Deutschland zufrieden, auch im Hinblick auf Aspekte wie Vernetzungsmöglichkeiten oder den Zugang zu finanziellen Mitteln“, sagt Philipp Medrow. „Allerdings siedeln sich Startups in der Regel in größeren Städten an, wo sie auf eine gute Infrastruktur und bestehende Ökosysteme zugreifen können. Insbesondere in ländlichen Regionen gibt es dagegen noch viel Nachholbedarf – allem voran beim Breitbandausbau.“ Bei der Einschätzung, welche der deutschen Städte, die im European Digital City Index 2016 aufgeführt werden, künftig als Startup-Hub an Bedeutung gewinnen, schneidet Hamburg mit satten 74 Prozent am besten ab – gefolgt von Berlin (70 Prozent) und Frankfurt (68 Prozent). Am unteren Ende der Skala stehen Stuttgart, Dresden und Karlsruhe, bei denen nur 52 Prozent, 41 Prozent und 37 Prozent der Befragten an einen Bedeutungszuwachs glauben.

Äußere Risiken: Fachkräftemangel, Schuldenkrise und Datenschutzvorgaben

Das größte volkswirtschaftliche Risiko für ihr eigenes Geschäftsmodell sehen die meisten Befragten – wie bereits im Vorjahr – im Fachkräftemangel (29 Prozent). Auf Platz zwei folgt die Schuldenkrise in Europa (26 Prozent) und auf Rang drei mit 22 Prozent der Aspekt „Strengere Vorgaben beim Datenschutz“. „So wichtig ein Thema wie Datenschutz angesichts der Digitalisierung und zunehmender Plattformökonomie auch ist: Im Hinblick auf junge Unternehmen sollte die Politik aufpassen, ein ausgewogenes Maß bei regulatorischen Vorschriften zu finden – eines, das die Unternehmen nicht übermäßig bei ihrer Geschäftstätigkeit behindert, ihnen aber auch hilft, zu ihrer eigenen Sicherheit beizutragen“, meint Philipp Medrow. Rund jedes siebte Startup war in den letzten drei Jahren schon mindestens einmal Opfer eines Cyber-Angriffs. Zudem schätzt fast die Hälfte der Befragten das Risiko, zukünftig selbst Opfer eines Cyber-Angriffes zu werden, als hoch ein. Dennoch gibt es Nachholbedarf, wenn es um die Maßnahmen geht, die die Befragten für ihre eigene IT-Sicherheit ergreifen. Ganz vorne liegen mit jeweils 37 Prozent Schulungen zur Informationssicherheit und entsprechende Investitionen in den nächsten 12 Monaten. 34 Prozent haben die Verantwortung für das Thema auf der höchsten Führungsebene etabliert. „Im Vergleich zum Vorjahr hat sich hier nicht signifikant etwas verändert“, konstatiert Medrow. „Eine tröstliche Nachricht gibt es aber trotzdem: Der Anteil der Unternehmen, die überhaupt keine der gängigsten Maßnahmen ergreifen, ist von 8 Prozent auf 1 Prozent gesunken.“

(Pressemitteilung PwC vom 18.07.2017)


Redaktion

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