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12.12.2018

Unternehmenskultur: Deutsche Firmen scheuen das Risiko

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Corporate Finance

Internationale Führungskräfte messen der Unternehmenskultur einen sehr hohen Wert bei, wie die aktuelle „Global Culture Survey“ der PwC-Strategieberatung Strategy& zeigt. So glauben 65%, dass die Kultur eines Unternehmens wichtiger ist als die Strategie oder das Geschäftsmodell. Im weltweiten Vergleich sind vor allem Japan (76%) und Australien (67%) vom Stellenwert kultureller Werte in ihren Unternehmen überzeugt, während die Europäer etwas skeptischer sind – nur 57% sehen die Kultur an vorderster Position. 52% der Europäer sind der Ansicht, dass die Unternehmenskultur in ihrem Betrieb auf Managementebene hohe Priorität hat (global: 61%). Über die Hälfte der Europäer (53%) glaubt, dass die Kultur ein wichtiger Grund für Bewerber ist, sich für ein bestimmtes Unternehmen zu entscheiden.

Kultur ist sowohl intern als auch extern ein zentraler Faktor, den Unternehmen nicht vernachlässigen sollten, stellen die Studienautoren fest. In Europa sind drei Viertel der Befragten überzeugt, dass ihre Organisation einen kulturellen Wandel braucht. Zunächst müsse dafür ein Konsens über die wichtigsten neuen Werte entstehen, die dann auch in den Alltag übersetzt werden. Eine innovationsfördernde Kultur könne sich beispielsweise positiv auf die Produkte und Services eines Unternehmens auswirken und damit auch indirekten Einfluss auf den finanziellen Erfolg und die Zukunftsfähigkeit nehmen.

Mehrheit der Unternehmen setzt auf starre Prozesse

Hinsichtlich der Kultur sehen europäische Befragte vor allem Kundenorientierung, Qualität und Innovation als Stärken ihres Unternehmens. Dagegen folgen 63% der europäischen Unternehmen immer noch starren Prozessen, anstatt auf eine offene Kultur und Improvisation zu setzen. Auch Risikofreude ist in europäischen Unternehmen noch nicht angekommen: 63% der deutschen Unternehmen schätzen sich als risikoscheu ein, in Spanien und Italien sind es sogar 73%. Hierarchien und Titel spielen für Europäer (63%) nach wie vor eine Rolle und sind wichtiger als im internationalen Vergleich (Nordamerika: 58%, China: 55%). Einen Konsens zu erreichen, ist für 70% der deutschen Führungskräfte bei der Entscheidungsfindung wichtig (Nordamerika: 64%, Australien: 51%). Für die nächsten drei bis fünf Jahre wünschen sich europäische Befragte, dass ihr Unternehmen agiler wird und das Mitarbeitermanagement verbessert. Daneben spielen Bestrebungen, kollaborativer, kundenorientierter oder innovativer zu werden, eine wichtige Rolle. Lediglich 12% hoffen, dass ihr Unternehmen seine Digitalkompetenz ausbaut, wobei sich aktuell nur 32% für die Umsetzung neuer Technologien gerüstet sehen. Damit ihr Unternehmen weiterhin erfolgreich wirtschaften und wachsen kann, muss sich die interne Kultur nach Meinung von 82% der europäischen Befragten signifikant weiterentwickeln.

Umbrüche führen bei Mitarbeitern zu Unsicherheit

Der Erfolg eines kulturellen Wandels wird maßgeblich durch die Managementebene geprägt. Umbrüche wie die digitale Transformation führen der Studie zufolge bei vielen Mitarbeitern zu Unsicherheit, weshalb Veränderungen gut vorbereitet werden müssten. Die Führungsriege sei gefragt, rechtzeitig alle Beteiligten an Bord des gemeinsamen Projekts zu holen und das Ziel des Wandels zu vermitteln, so die Autoren der Studie. Transparente Kommunikation und strategische Planung der einzelnen erforderlichen Schritte seien ein zentraler Bestandteil guter Kulturarbeit im Unternehmen.

Führungswechsel und Restrukturierungen stoßen neue Unternehmenskultur an

Angestoßen wird eine neue Unternehmenskultur in europäischen Firmen am häufigsten bei einem Führungswechsel oder durch eine strategische Initiative im Rahmen einer Restrukturierung, bei der Implementierung einer neuen Technologie oder von Kostensenkungsprogrammen. Lediglich jeder zehnte kulturelle Umschwung ist darauf zurückzuführen, dass Kultur als Hauptwert identifiziert und daran gearbeitet wird, diese (noch) besser zu machen. Dass Veränderungen in der Unternehmenskultur mit Herausforderungen verbunden sind, ist den Befragten bewusst. Ein Drittel der Europäer sieht in der Übertragung eines gewünschten Kulturwandels in den Arbeitsalltag das größte Problem. 30% haben die Erfahrung gemacht, dass bei Veränderungsprozessen nicht alle Unternehmensbereiche gleichermaßen beteiligt und engagiert sind. Ein Viertel berichtet, dass die Führungsebene während der Umgestaltungen nicht einheitlich aufgetreten ist. Bei einem Kulturwandel bevorzugen die meisten (78%) europäischen Studienteilnehmer schrittweise Veränderungen im Gegensatz zu großen, revolutionären Umbrüchen.

Weitere Informationen zum Global Culture Survey 2018 finden Sie hier.

(Pressemitteilung PwC Strategy& vom 06.12.2018)


Redaktion

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