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23.03.2018

Verkäufer 2017 dank günstiger Transaktionsbedingungen im Aufwind

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

© kritchanut/fotolia.com

Der europäische M&A-Markt zeigte sich im gesamten Jahr 2017 lebhaft. Diese Entwicklung fand vor dem Hintergrund der politischen Ungewissheit statt, die unter anderem durch die Parlamentswahlen in Frankreich, Deutschland, dem Vereinigten Königreich und den Niederlanden hervorgerufen wurde. Dank der soliden Wirtschaftsdaten in Europa stieg das Gesamttransaktionsvolumen in Europa gegenüber 2016 um 14 Prozent auf 929,3 Milliarden US-Dollar. Die strukturellen Veränderungen, die sich durch die „America First“-Politik von Präsident Trump und den Brexit ergaben, ziehen in Verbindung mit der guten Wirtschaftsleistung der Eurozone nach wie vor ausländische Investoren, insbesondere aus den USA und Asien, an. 

Das sind Ergebnisse der aktuellen Ausgabe der„European M&A Study“ der Wirtschaftskanzlei CMS Hasche Sigle.

„Die Steigerung der europäischen M&A-Transaktionen verdeutlicht, wie stabil die Eurozone vor dem Hintergrund solider BIP- und Arbeitsmarktdaten ist. Das ist insbesondere auf die Wirtschaftskraft in Deutschland und Frankreich zurückzuführen“, kommentiert Dr. Maximilian Grub, Partner und Leiter des Geschäftsbereichs Gesellschaftsrecht von CMS Deutschland, die positiven Zahlen. Die Transaktionsdaten für 2018 deuten darauf hin, dass sich der Trend von 2017 fortsetzt, sodass voraussichtlich ein weiteres produktives M&A-Jahr bevorsteht.

Laut der Studie hat sich 2017 im Vergleich zu 2016 die Risikoverteilung verändert. Die Position der Verkäufer wurde 2017 dank einer größeren Anzahl von Transaktionen mit Locked-Box-Regelungen, W&I-Versicherungen und niedrigeren Haftungshöchstgrenzen gestärkt.

Dazu Stefan Brunnschweiler, Leiter der CMS Corporate/M&A Group: „Wir haben tausende der von uns begleiteten europäischen Abschlüsse analysiert und dabei die deutlichsten Veränderungen seit 2010 festgestellt. Im Jahr 2017 nutzten die Verkäufer den lebhaften M&A-Markt, indem sie das Restrisiko bei der Risikoverteilung zwischen Verkäufern und Käufern auf das Niveau von 2015 drücken konnten – und teilweise sogar noch weiter.“

W&I im Aufwind

Bei den europäischen Transaktionen gab es 2017 eine starke Zunahme der Versicherungen gegen Garantie- und Freistellungsansprüche (W&I-Versicherungen), die auf das höchste Niveau seit zehn Jahren stiegen. 2017 kam bei 14 Prozent aller europäischen Abschlüsse eine W&I-Versicherung zur Anwendung, 2016 war dies lediglich bei neun Prozent aller Abschlüsse der Fall. Hierbei handelt es sich insbesondere um Transaktionen mit einem Volumen von mehr als 100 Millionen Euro.

Der höchste Anteil von Abschlüssen mit W&I-Versicherung wurde in der Immobilien- und Baubranche verzeichnet, wo 42 Prozent der Abschlüsse eine derartige Struktur enthielten. Der Anteil war 2017 in den anderen Sektoren niedriger: Konsumgüter (9 Prozent), TMC (9 Prozent), Hotel und Freizeit (7 Prozent), Energie (7 Prozent), Infrastruktur (4 Prozent), Industrie (7 Prozent) und sonstige Unternehmensdienstleistungen (15 Prozent). Aus der Studie geht hervor, dass die Zunahme der W&I-Versicherungen traditionell durch Private-Equity-Aktivitäten vorangetrieben wurde, wobei große Buy-out-Transaktionen stetig zugenommen haben.

Stärkerer Einsatz von Locked-Box-Regelungen

Der Einsatz von Locked-Box-Regelungen nahm weiter zu. Aus den Daten geht hervor, dass diese Struktur 2017 bei 25 Prozent aller europäischen Transaktionen zum Tragen kam. Im Jahr 2016 lag der entsprechende Wert bei 23 Prozent. Die Studie zeigt deutlich, dass Locked-Box-Regelungen eher bei höherem Transaktionsvolumen angewendet wurden, sofern keine Kaufpreisanpassung vereinbart wurde. Den größten Anteil an Locked-Box-Regelungen gab es bei Transaktionen im Wert von mehr als 100 Millionen Euro, die keine Kaufpreisanpassung enthielten (88 Prozent). Im Vergleich dazu wurden Locked-Box-Regelungen bei nur 39 Prozent der Transaktionen im Wert von bis zu 25 Millionen Euro ohne Kaufpreisanpassung angewendet.

Zwischen 2016 und 2017 gab es auch im Vereinigten Königreich und den deutschsprachigen Ländern einen deutlichen Anstieg bei der Anwendung von Locked-Box-Regelungen. So wurde im Vereinigten Königreich eine Zunahme von 40 Prozent der Abschlüsse auf 51 Prozent beziehungsweise in den deutschsprachigen Ländern von 38 Prozent der Abschlüsse auf 49 Prozent verzeichnet. Der Einsatz von Locked-Box-Regelungen in Südeuropa nahm von 36 Prozent der Abschlüsse im Jahr 2016 auf 58 Prozent im Jahr 2017 zu. Den größten Rückgang gab es in den Benelux-Ländern, wo diese Struktur 2017 bei 50 Prozent der Abschlüsse zum Tragen kam, gegenüber 71 Prozent im Jahr 2016.

Niedrigere Haftungshöchstgrenzen

Bei den Haftungshöchstgrenzen, die sich 2016 scheinbar stabilisiert hatten, war eine rückläufige Entwicklung zu beobachten: Bei 60 Prozent aller Abschlüsse im Jahr 2017 betrug die Haftungshöchstgrenze weniger als die Hälfte des Kaufpreises. 2017 betrug bei 21 Prozent der Abschlüsse die Haftungshöchstgrenze weniger als 10 Prozent des Kaufpreises; 2016 waren es 14 Prozent. Diese niedrigeren Haftungshöchstgrenzen kamen vor allem bei einem Transaktionswert von mehr als 100 Millionen Euro vor. Darin kommt die größere Verhandlungsmacht der Verkäufer zum Ausdruck, wobei die Zunahme der W&I-Versicherungen einer der Hauptgründe für die niedrigeren Haftungshöchstgrenzen ist. Der Käufer kann sich in Bezug auf Garantien durch den Erwerb einer Versicherung, die zusätzlich zu der mit dem Verkäufer vereinbarten Höchstgrenze abgeschlossen wird, noch besser absichern.

Regionale Unterschiede

Die Studie zeigt deutliche Unterschiede bei der Anwendung der einzelnen Mechanismen in Europa auf. Europaweit wird beispielsweise ein Earn-out-Element bei 21 Prozent der Transaktionen vereinbart. Der Anteil ist in den Benelux-Ländern, Südeuropa und den deutschsprachigen Ländern jedoch mit 30 Prozent, 33 Prozent beziehungsweise 28 Prozent deutlich höher. Der Anteil der Transaktionen mit Earn-out-Regelung ist dagegen in den MOE-Ländern (15 Prozent), Frankreich (8 Prozent) und dem Vereinigten Königreich (15 Prozent) wesentlich geringer.

In Frankreich nahmen Transaktionen mit einer niedrigeren Haftungshöchstgrenze von bis zu 25 Prozent des Kaufpreises von 70 Prozent auf 76 Prozent zu, was somit deutlich über dem europäischen Durchschnittswert von 42 Prozent liegt. Im Vereinigten Königreich waren die Haftungshöchstgrenzen der Verkäufer höher als in allen anderen Regionen außer Südeuropa.

Die Studie zeigt zudem in Bezug auf die Risikoverteilung zwischen Verkäufer und Käufer eine Reihe von deutlichen Unterschieden zwischen den USA und Europa auf. Ein eklatantes Beispiel ist die Einbindung von MAC-Klauseln in 93 Prozent der US-amerikanischen Abschlüsse gegenüber nur 13 Prozent der Abschlüsse in Europa. Trotz der Unterschiede prognostiziert die Studie, dass sich US-Unternehmen neben Dealmakern aus Asien und der Eurozone auch weiterhin für europäische M&A-Transaktionen interessieren werden.

„Wir freuen uns, die nunmehr zehnte Ausgabe der European M&A Study vorlegen zu können. Die gewonnenen Erkenntnisse bieten Unternehmen eine wichtige Benchmark bevor sie sich bei künftigen Transaktionen engagieren. Die wichtigsten Kriterien zur Risikoverteilung lassen sich besser als bei jeder anderen Studie dieser Art erkennen“, kommentiert Brunnschweiler die zehnte Ausgabe.

Im Rahmen der jüngsten Studie hat CMS über 3.650 Abschlüsse ausgewertet: 438 CMS-Abschlüsse aus dem Jahr 2017 sowie 2.488 CMS-Abschlüsse aus dem Zeitraum 2010–2016. Zu Vergleichszwecken wurden die Daten in vier europäische Regionen aufgeteilt: die Benelux-Länder, Mittel- und Osteuropa, die deutschsprachigen Länder und Südeuropa. Frankreich und das Vereinigte Königreich bilden eigenständige Kategorien.

(Pressemitteilung CMS vom 19.03.2018)


Redaktion

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