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26.11.2021

Warum kleine und mittlere Unternehmen nicht investieren: Corona-Krise verstärkt strukturelle Investitionsschwäche

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© Mustansar/fotolia.com

Deutschlands Unternehmen investieren seit Jahren zu wenig, dies gilt im Besonderen für den Mittelstand. Die Corona-Krise hat den bereits länger sichtbaren Trend einer strukturellen Investitionsschwäche der kleinen und mittleren Unternehmen nochmals verstärkt: Ihre Neuinvestitionen gingen 2020 um ca. 14 Mrd. EUR bzw. 7% auf insg. 173 Mrd. EUR zurück, wie das KfW-Mittelstandspanel zeigt. Parallel dazu haben die mittelständischen Investitionen kontinuierlich an Bedeutung für das Investitionsgeschehen im deutschen Unternehmenssektor verloren. Kamen sie im Jahr 2008 noch auf einen Anteil von 49% an allen Unternehmensinvestitionen, gingen seither 7 Prozentpunkte verloren. 2020 lag der Mittelstandsanteil bei nur noch 42%. Welche Gründe die mittelständischen Firmen für ihre Investitionszurückhaltung nennen, hat KfW Research in einer Studie analysiert.

Die Investitionsbereitschaft sinkt stärker als erwartet, wenn die Umsatz- und Gewinnerwartungen pessimistisch ausfallen und das Unternehmen über geringe Eigenmittel verfügt. Doch die Investitionsbereitschaft im Mittelstand ist auch erheblich an die Person der Unternehmensinhaber geknüpft.

Geschäftserwartungen und Höhe eigener Mittel beeinflussen Investitionsneigung

Blickt man im Detail auf die Reihenfolge der Rahmenbedingungen für Investitionsentscheidungen im Mittelstand, so spielt das im Unternehmen vorhandene finanzielle Polster für 54% aller mittelständischen Firmen eine Rolle. An zweiter Stelle folgen bereits die Erfahrungswerte der Inhabenden (36%). Die Investitionsbereitschaft im Mittelstand ist folglich oft weniger stark durch die Einbettung in ein strategisches Gesamtkonzept gekennzeichnet, sondern generell erheblich an die Person des Unternehmensinhabers gekoppelt. Gravierend wirkt sich hier der demografische Wandel aus, mit messbaren negativen Folgen für die Investitionstätigkeit: Die Neigung zu investieren sinkt mit dem Alter des Inhabers erheblich. Viele Investitionen besitzen bei hohem Alter aus Inhabersicht schlicht eine zu lange Amortisationszeit – die finanzielle Verpflichtung wird dann eher gescheut. Dies gilt besonders bei eher umfangreichen, aber Wettbewerb stärkenden Investitionen. In Zahlen sieht das wie folgt aus: Während im langjährigen Mittel (2004-2020) etwa 57% der jüngeren Inhaber unter 40 Jahren Investitionen vornehmen, sinkt dieser Anteil bei den älteren Inhabern (über 60 Jahre alt) auf nur noch 36%. Zudem investieren jüngere Inhaber einen größeren Anteil ihres Gesamtvolumens in Kapazitätserweiterungen (50% gegenüber 20%), weisen häufiger positive Nettoinvestitionen (38% gegenüber 22%) sowie eine deutlich höhere Investitionsintensität auf (Investitionsvolumen je Beschäftigten von durchschnittlich 9.200 EUR gegenüber 7.600 EUR).

Investitionen stark an Person des Inhabenden geknüpft

Führt man sich dabei den raschen Alterungsprozess vor Augen, den die Inhaberschaft im Mittelstand durchläuft, zeigt sich die steigende Relevanz dieses Aspekts. Aktuell liegt das Durchschnittsalter eines Inhabers im Mittelstand bei 52,8 Jahren. In den letzten zehn Jahren ist dieser Wert um drei Jahre gewachsen, seit 2002 sogar um acht Jahre. Zum damaligen Zeitpunkt waren gerade einmal 20% der Inhaberschaft 55 Jahre oder älter. Aktuell ist es mit einem Anteil von 50% bereits jede(r) Zweite.

Durchschnittsalter der Unternehmenslenker drückt Investitionsfreude

Die Neigung zu investieren, sinkt mit zunehmendem Alter der Unternehmenslenker massiv – sowohl das Investitionsvolumen wie auch der Hang, Kapazitätserweiterungen umzusetzen. Zusammen mit dem rasanten Anstieg des Durchschnittsalters von Unternehmensinhabenden, verhindert dieses Muster enorme Investitionen, stellen die Studienautoren fest. Seit 2002 sei das Durchschnittsalter von Inhabern und Inhaberinnen im Mittelstand um acht Jahre gestiegen. Hinzu komme vielfach eine bevorstehende Unternehmensnachfolge, die die Investitionsneigung ebenfalls belastet.

Frage nach der Unternehmensnachfolge blockiert die Investitionsfreude

In der Paarung mit vergleichsweise hohem Alter der Inhabenden blockiert die Frage nach der Unternehmensnachfolge die Investitionsfreude geradezu. Je näher der Zeitpunkt der geplanten Übergabe bzw. des Verkaufs rückt, desto seltener werden Investitionsprojekte umgesetzt. Stünde eine Nachfolge in den kommenden fünf Jahren an, liegt die Investitionsbereitschaft bei durchschnittlich rund 41%. Liegt die geplante Nachfolge allerdings mehr als fünf Jahre in der Zukunft, bewegt sich die Investitionsbereitschaft noch bei durchschnittlich 56% – also deutlich höher. Wie stark sich dies auswirkt, verdeutlicht ein Blick auf die Nachfolgezahlen: Allein 2020 planten rund 260.000 mittelständische Unternehmen, innerhalb von zwei Jahren das Unternehmen zu übergeben oder zu verkaufen, so die KfW-Analyse.

Begrenzte Wachstumsambitionen als Investitionsbarriere

Last not least wirken der Studie zufolge auch begrenzte Wachstumsambitionen als Investitionsbarriere (43% der Unternehmen). Viele kleine und mittlere Unternehmen haben funktionierende, oft lokal verankerte Geschäftsmodelle und gewichten den Fortbestand des Unternehmens höher als Expansion. Erwirtschaften des eigenen Einkommens aus der Selbständigkeit steht dabei an erster Stelle. Kapazitätserweiternde Strategien, die mit zusätzlichen Investitionen einhergehen (z.B. der Schritt ins Ausland, Einstellung von Mitarbeitern), finden in diesen Fällen eher selten statt.

Die KfW-Studie ist hier abrufbar.

(Pressemitteilung KfW vom 24.11.2021)


Redaktion

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