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14.01.2021

Zahl der Finanzspritzen für deutsche Start-ups steigt auf Rekordniveau – trotz Corona-Krise

Autokonzerne auf der Überholspur

©Sunnystudio/fotolia.com

Trotz der Corona-Krise erhielten 2020 mehr deutsche Start-ups frisches Kapital als im Vorjahr: Die Zahl der Finanzierungsrunden stieg um 6% auf 743 und erreichte damit einen neuen Rekordwert. Allerdings gab es deutlich weniger Großdeals im Volumen von 100 Mio. Euro, so dass das Investitionsvolumen um 15% auf 5,3 Mrd. Euro sank. Das sind Ergebnisse des Start-up-Barometers der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Berücksichtigt wurden Unternehmen, deren Gründung höchstens zehn Jahre zurückliegt.

Erneut gab es in Berlin besonders rege Aktivitäten: Die Zahl der Finanzierungsrunden kletterte in der Bundeshauptstadt um 20% auf 314. Allerdings machte sich auch in Berlin der Mangel an sehr großen Transaktionen bemerkbar: Das Investitionsvolumen verringerte sich um 17% auf 3,1 Mrd. Euro. In Bayern lag das Investitionsvolumen hingegen mit 1,51 Mrd. fast auf dem Niveau des Vorjahres (1,55 Mrd. Euro). Die Zahl der Transaktionen lag in Bayern zudem mit 176 Deals um 36% höher als 2019.

Während in Berlin und Bayern mehr Finanzierungen als im Vorjahreszeitraum registriert wurden, war die Entwicklung an den übrigen größeren Start-up-Standorten rückläufig: In Nordrhein-Westfalen sank die Zahl der Transaktionen um 29% auf 62, in Hamburg um 15% auf 46 und in Baden-Württemberg um 17% auf 34. Auch beim Investitionsvolumen lagen diese drei Bundesländer laut des EY-Start-up-Barometers unter dem Vorjahresniveau: In NRW schrumpfte die insgesamt investierte Summe um 27% auf 196 Mio. Euro, in Baden-Württemberg um 26% auf 155 Mio. Euro und in Hamburg sogar um 45% auf 140 Mio. Euro.

Corona lässt Transaktionsvolumina schrumpfen

Laut der Analyse gibt es einen Corona-Effekt bei den Risikokapitalinvestitionen. Dieser beschränke sich aber in erster Linie auf den Rückgang bei sehr großen Deals. Die Zahl der Transaktionen mit einem Volumen von mehr als 100 Mio. Euro sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 13 auf 8. Gleichzeitig gab es mehr kleine Transaktionen. Den Studienautoren zufolge liegen die Veränderungen vor allem bei den Branchen, in die das Geld fließt. Eindeutige Gewinner des letzten Jahres waren die Bereiche Health und E-Commerce, in die jeweils deutlich höhere Summen investiert wurden. Auf der anderen Seite schrumpfte das Investitionsvolumen bei Mobilitäts-Start-ups und FinTechs kräftig, so die Studie.

Deutsches Start-up-Ökosystem meistert die Corona-Krise bislang gut

Das deutsche Start-up-Ökosystem habe die Corona-Krise insgesamt bislang relativ gut überstanden, resümieren die Autoren des Start-up-Barometers. Viele Jungunternehmen hätten zwar mit massiven Problemen gekämpft, das von vielen befürchtete große „Start-up-Sterben“ sei 2020 aber ausgeblieben – auch dank weiter fließender Investorengelder. Für eine Entwarnung sie es aber noch zu früh. Aufgrund der ausgesetzten Insolvenzanmeldungspflicht sei nicht klar, wie es tatsächlich um die vielen kleinen Unternehmen steht, die nicht im Investorenfokus stehen und womöglich vollständig mit Eigenmitteln finanziert sind.

Auto1 Group erhielt die größte Finanzspritze

Die größte Transaktion in Deutschland war der Analyse zufolge eine Finanzspritze von 255 Mio. Euro für die in Berlin ansässige Auto1 Group im Juli, gefolgt von 218 Mio. Euro für den Münchner Flugtaxi-Entwickler Lilium im März, die im Juni auf fast 250 Mio. Euro erweitert wurde. An dritter Stelle steht eine 212-Millionen-Euro-Finanzierung für das Berliner E-Mobility-Start-up Tier Mobility. Von den fünf größten Finanzierungsrunden des Jahres entfielen vier auf Berlin, eine auf Bayern.

Gesundheits-Start-ups legen zu

Die meisten Finanzierungsrunden wurden 2020 wie schon im Vorjahr im Bereich Software & Analytics gezählt: Die Zahl lag mit 232 etwa auf dem Niveau des Vorjahres (228 Deals). Das Investitionsvolumen schrumpfte allerdings um 15% auf 1,0 Mrd. Euro. Mit 109 Transaktionen (plus 27%) belegt der Gesundheitssektor den zweiten Platz im Ranking nach Deal-Anzahl. Das Investitionsvolumen, das in Gesundheits-Start-ups floss, kletterte sogar um 42% auf 670 Mio. Euro. Gesunken ist hingegen die Zahl der Finanzierungsrunden für E-Commerce Start-ups (um 8% auf 98), während das Investitionsvolumen in diesem Segment um 35% auf 976 Mio. Euro hochschnellte.

Rückgänge bei Mobilitäts-Start-ups und FinTechs

Deutliche Einbußen verzeichneten die Segmente Mobilität und FinTech. Die Zahl der Deals lag zwar bei Mobilitäts-Start-ups mit 58 höher als im Vorjahr (51 Transaktionen) bzw. im FinTech-Sektor nicht allzu stark unter dem Vorjahresniveau (minus 13 Transaktionen auf 54). Das Investitionsvolumen ging aber in beiden Segmenten aufgrund der geringeren Zahl großer Transaktionen kräftig zurück: um 28% auf 1,2 Mrd. Euro (Mobilität) bzw. um 58% auf 552 Mio. Euro (FinTech).

Bayern etabliert sich als zweiter starker Start-up-Standort in Deutschland

Berlin konnte sich laut des Start-up-Barometers im vergangenen Jahr seine Position als Deutschlands führender Start-up-Standort behaupten und verzeichnete gerade in der zweiten Jahreshälfte starke Finanzierungsaktivitäten. Neben Berlin etabliert sich demnach aber auch Bayern zunehmend als Top-Standort mit einem klaren eigenen Profil. München habe sich zum zweiten großen Start-up-Standort in Deutschland entwickelt. München und das Münchner Umland haben eine spezifische Stärke im Technologie-Bereich und ergänzen Berlin perfekt, so die Einschätzung der Studienautoren. Andere deutsche Standorte hatten es im vergangenen Jahr hingegen relativ schwer – die ganz großen Deals werden zunehmend entweder in Berlin oder in München ausgehandelt. Dieser Trend dürfte sich im laufenden Jahr fortsetzen, prognostizieren die Autoren des Start-up-Barometers.

Das „EY Start-up-Barometer 2021“ finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung Ernst & Young vom 13.01.2021)


Redaktion

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