• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Zwei Börsengänge bringen wieder Bewegung in den deutschen Emissionsmarkt

08.07.2020

Zwei Börsengänge bringen wieder Bewegung in den deutschen Emissionsmarkt

Autokonzerne auf der Überholspur

© Melpomene/fotolia.com

Nach fast acht Monaten ohne Erst-Listing haben sich im zweiten Quartal 2020 erstmals wieder zwei Unternehmen in Deutschland aufs Börsenparkett gewagt: Im Mai glückte dem Nürnberger Datenbankanbieter Exasol trotz Corona-Krise der Sprung ins Scale-Segment der Frankfurter Börse; im Juni folgte der Arzneimittelhersteller PharmaSGP, der eine Neuemission im Prime Standard lancierte. Die beiden Debüts spielten zusammen ein Emissionsvolumen in Höhe von 187 Millionen Euro ein. Damit befindet sich das jährliche IPO-Volumen auf dem niedrigsten Stand seit der Finanzkrise.

Zu diesen Ergebnissen kommt die Analyse „Emissionsmarkt Deutschland“, für die das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC vierteljährlich die Aktienneuemissionen sowie die Kapitalerhöhungen an der Börse Frankfurt erfasst.

„Durch die rapide Ausbreitung des Corona-Virus haben wir im März einen Rekordeinbruch an den Börsen erlebt, auf den eine ebenso schnelle Erholung der Märkte folgte. Nun zeichnet sich jedoch ab, dass der V-förmige Aufschwung an den Aktienmärkten nicht die Entwicklung in der Realwirtschaft abbildet und wir uns aktuell in einer Phase der Konsolidierung befinden“, kommentiert Nadja Picard, Capital Markets Leader für PwC Europe.

„Die Pandemie und deren Auswirkungen belasten die globale Wirtschaft nach wie vor stark. Nur wenigen Ländern ist es gelungen, die Zahl der Neuansteckungen nachhaltig zu drücken, während wichtige Märkte wie die USA aktuell wieder Rekordwerte bei den Neuansteckungen verzeichnen. Somit ist eine globale wirtschaftliche Erholung weiter sehr unsicher. Entsprechend zurückhaltend agieren die Investoren“, so Picard.

Kapitalerhöhungen zunehmend auf Kurs

Bei den Kapitalerhöhungen lässt sich im zweiten Quartal ein Aufwärtstrend feststellen: Zwischen April und Juni besorgten sich elf Unternehmen über eine Kapitalerhöhung an der Frankfurter Börse frisches Geld (Q1 2020: 9 / Q2 2019: 11). Das Volumen der Kapitalerhöhungen lag bei rund 2,0 Milliarden Euro (Q1 2020: 1,6 Milliarden Euro / Q2 2019: 2,9 Milliarden Euro). Mit einem Bruttoerlös von über einer Milliarde Euro erzielte Infineon Technologies mehr als die Hälfte des Gesamtvolumens im Quartal. Das gesamte Emissionsvolumen der Kapitalerhöhungen im ersten Halbjahr 2020 erreichte das Volumen des Vorjahreszeitraums, liegt jedoch im Vergleich zu den starken Jahren 2017 und 2018 deutlich zurück.

„Im Gegensatz zu Unternehmen in anderen europäischen Märkten und den USA haben die Firmen in Deutschland das Instrument der Kapitalerhöhung zur Beschaffung von frischem Geld nur selektiv genutzt. Das hat zwei Gründe: Zum einen sind viele deutsche Unternehmen mit soliden Bilanzen und einem komfortablen Eigenkapitalpolster in die Krise gegangen. Zum anderen wurden die Firmen hierzulande mit staatlichen Maßnahmen wie dem Kurzarbeitergeld gut unterstützt, sodass sie ihre Kostenseite entlasten und Liquidität sicherstellen konnten“, so die Einschätzung von Carsten Stäcker, Leiter Equity Advisory bei PwC Deutschland.

„Mittelfristig werden wir aber auch in Deutschland wieder einen Anstieg der Kapitalerhöhungen zur Refinanzierung erleben, so wie wir es nach der Finanzkrise gesehen haben. Das gilt insbesondere, falls es zu einer flächendeckenden zweiten Infektionswelle kommen sollte“, so Stäcker weiter.

Volumen der Fremdkapitalemissionen auf Rekordniveau

Die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Marktturbulenzen hatten auch Auswirkungen auf die Fremdkapitalemissionen im zweiten Quartal: Um auf weitere Auswirkungen der Krise vorbereitet zu sein, erhöhten Unternehmen ihre Puffer. Bei nahezu gleichbleibender Anzahl an Transaktionen (38 versus 33 in Q1 2020) lag das Emissionsvolumen im Investment-Grade-Bereich bei 53,4 Milliarden Euro und damit mehr als doppelt so hoch wie im ersten Quartal (24,0 Milliarden Euro).

Im Markt für High-Yield-Anleihen fiel das Emissionsvolumen dagegen im zweiten Quartal auf 3,0 Milliarden Euro (Q1 2020: 3,8 Milliarden Euro). Die Anzahl der registrierten Transaktionen verringerte sich auf sechs im Vergleich zu sieben Transaktionen im ersten Quartal.

Ausblick: Drei bis fünf weitere IPOs in der zweiten Jahreshälfte möglich

Mit Blick in die Zukunft sind die PwC-Experten vorsichtig optimistisch: „Wir erwarten weiterhin schwierige, aber nicht unmögliche Verhältnisse für Börsengänge. Die Aufnahmebereitschaft der Investoren hängt zum einen von der Branche und dem Geschäftsmodell ab – Technologie- und Softwareunternehmen sowie Firmen aus der Pharma- und Biotech-Branche bleiben beliebt – aber auch davon, ob es zu einer zweiten Infektionswelle kommt. Zudem werfen die Präsidentschaftswahlen in den USA ihre Schatten voraus. Je näher wir auf den November zusteuern, desto zurückhaltender agieren die Investoren“, analysiert Carsten Stäcker.

Konkrete Hoffnung für einen Aufschwung auf dem deutschen Emissionsmarkt machen zwei für den Herbst avisierte Börsengänge: Siemens will die Mehrheit der Anteile ihrer Energiesparte im Rahmen eines Spin-Offs an die Börse bringen. Die Erstnotiz der Siemens Energy ist für Ende September geplant.

Zudem strebt der Private-Equity-Investor Brockhaus Capital Management in den Prime Standard der Frankfurter Börse. Der Investor möchte durch den Börsengang 100 Millionen Euro einsammeln, um sich an führenden Technologieunternehmen im deutschen Mittelstand zu beteiligen. „Vor diesem Hintergrund liegen drei bis fünf IPOs in der zweiten Jahreshälfte durchaus drin“, so das Fazit von Nadja Picard.

(Pressemitteilung PwC vom 03.07.2020)


Redaktion

Weitere Meldungen


Schild, Aufwärtstrend, Grün, green
Meldung

© bluedesign/fotolia.com

20.06.2024

ifo erhöht Prognose auf 0,4 % Wachstum für 2024

Das ifo Institut hat seine Prognose für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr auf 0,4 % heraufgesetzt, von 0,2 % bislang. Im kommenden Jahr dürfte es sich beschleunigen auf 1,5 %. „Es entsteht gerade neue Hoffnung“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. „Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich langsam aus der Krise. Das zweite Halbjahr 2024 dürfte deutlich besser ausfallen als das

ifo erhöht Prognose auf 0,4 % Wachstum für 2024
Import, Export, Industry 4.0, Industrie, Logistik, Versand, Augmented reality, smart logistic
Meldung

©zapp2photo/fotolia.com

19.06.2024

Multikrise belastet industrielle Wertschöpfung

Die deutschen Industrie-Unternehmen blicken pessimistisch in die Zukunft: Mehr als 80 % der Firmen rechnen mit rückläufigen Gewinnen, wie die aktuelle Ausgabe des Supply Chain Pulse Check von Deloitte und Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) zeigt. Denn die bei Rohstoffen und Vorprodukten stark importabhängige Industrie kann ihre globalen Lieferketten immer weniger oder nur mit hohem Aufwand

Multikrise belastet industrielle Wertschöpfung
Ausblick, Innovation, Start up, Gender, Frau, Erfolg, Gleichstellung
Meldung

© Minerva Studio/fotolia.com

19.06.2024

ZEW-Konjunkturerwartungen stagnieren

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland verändern sich in der Umfrage vom Juni 2024 nur geringfügig. Sie liegen mit plus 47,5 Punkten um 0,4 Punkte über dem Wert vom Mai. Die Einschätzung der aktuellen konjunkturellen Lage verschlechtert sich hingegen leicht. Der Lageindikator für Deutschland fällt um 1,5 Punkte und liegt aktuell bei minus 73,8 Punkten. „Die Konjunkturerwartungen

ZEW-Konjunkturerwartungen stagnieren

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das CORPORATE FINANCE Gratis Paket: 1 Heft + Datenbank