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09.04.2025

Banken-Bilanz 2024: Die USA dominieren – Europa kämpft

Während US-Banken ihre Gewinne und ihre Marktkapitalisierung deutlich steigern konnten, gerieten Europas Top-Institute ins Hintertreffen.

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© kevers/fotolia.com

Im Jahr 2024 zeigte sich bei der Entwicklung der größten europäischen und US-amerikanischen Banken ein gemischtes Bild. Generell fielen die zehn größten europäischen Institute im Vergleich zu ihren US-Peers weiter zurück, insbesondere bei den Nettogewinnen. Die Nettogewinne der europäischen Top-Banken lagen 2024 nur noch bei 85 Milliarden Euro, ein Minus von 13 % im Vergleich zum Vorjahr. Die zehn größten US-amerikanischen Banken wuchsen hingegen beim kumulierten Nettogewinn um 24 % auf 180 Milliarden Euro, nur knapp unter dem höchsten Jahreswert von fast 184 Milliarden Euro (2021). In allen Jahren der vergangenen Dekade übertraf der Nettogewinn der amerikanischen Top 10 den der europäischen Top Banken.

Europas Banken verlieren den Anschluss

Auch bei der Profitabilität (Return-on-Equity, RoE) verloren die europäischen Großbanken an Boden und büßten 1,8 Prozentpunkte ein im Vergleich zum Vorjahr. Der europäische Wert von 9 % RoE liegt damit deutlich unter der Eigenkapitalrentabilität der amerikanischen Banken. Diese steigerten ihre Eigenkapitalrendite nochmals auf 12,2 % im abgelaufenen Jahr (11 % in 2023). In allen Jahren der vergangenen Dekade übertraf der RoE-Wert der amerikanischen Top 10 den der europäischen Top 10-Banken.

Beim operativen Gewinn (EBT) ging die Schere 2024 ebenfalls auseinander. In den USA erzielten acht der zehn Top-Institute einen EBT von mehr als zehn Milliarden Euro, der kumulierte Wert in den USA wuchs auf 224 Milliarden Euro (+26 %). In Europa erreichten nur vier der zehn untersuchten Geldinstitute ein Konzernergebnis von mehr als zehn Milliarden Euro, der kumulierte Betrag liegt bei 120,5 Milliarden Euro. Absoluter Spitzenreiter in den USA war JPMorgan Chase mit 72,5 Milliarden Euro; in Europa lag die HSBC mit etwa 31,2 Milliarden Euro vorn.

Das sind die Ergebnisse einer EY-Analyse der Bilanzen der jeweils nach Bilanzsumme zehn größten Banken in den Vereinigten Staaten und Europa.

Relative Stärke der US-Banken im Jahr 2024

„Die europäischen Großbanken haben im vergangenen Jahr bei den Ertragskennzahlen im Vergleich zu den im globalen Investmentbanking tätigen US-Wettbewerbern deutlich an Boden verloren“, resümiert Ralf Eckert, Managing Partner Financial Services Deutschland bei EY. „Die Analyse der Bilanzen spiegelt sehr deutlich wider, in welchen Geschäftsfeldern die global tätigen US-Banken ihr Geschäft ausbauen konnten. Die (Ertrags-)Stärke der US-Banken verwundert daher nicht.“

Drei Faktoren haben maßgeblich zum Aufschwung der US-Finanzdienstleister beigetragen: steigende Zinseinkünfte, Ausweitung des Investmentbanking-Geschäfts, höhere Einnahmen in der Vermögensverwaltung und effizientes Kostenmanagement, so Gunther Tillmann, Partner und Leiter Banking & Capital Markets bei EY. Insbesondere das Wiederaufleben der Aktivitäten im Bereich Fusionen und Übernahmen sowie eine deutlich höhere Zahl an Börsengängen haben erheblich zum Wachstum in den USA beigetragen. Er betont: „Die Gewinnstärke wird auch durch den starken Anstieg der Marktkapitalisierung der US-Banken reflektiert, die 2024 um weitere 40 % stieg. Damit war die Market Cap der US-Banken Ende 2024 rund drei Mal höher als die Marktkapitalisierung der zehn europäischen Institute.“ Mittlerweile ist der Abstand etwas geringer geworden durch die erheblichen Kursgewinne der europäischen Banken im ersten Quartal 2025, während die US-Institute auf der Stelle traten. Erstere erreichten Anfang April 2025 eine Market Cap von mehr als 693 Milliarden Euro (+11 % seit Jahresbeginn), letztere von rund 1,6 Billionen Euro (-15 % seit Jahresbeginn).

Herausforderungen 2025

Im aktuellen Kalenderjahr wirken die geopolitischen Risiken erheblich auf die weitere Entwicklung der Banken dies- und jenseits des Atlantiks. Größte Faktoren sind die Unsicherheiten hinsichtlich der weiteren Entwicklung an den Kapitalmärkten und die makroökonomischen Unsicherheiten durch die aktuelle Zoll- und Handelspolitik der US-Administration sowie die erwarteten Zinsentscheidungen durch die FED und EZB. Gleichzeitig dürften (weiterhin notwendige) Investitionen in Technologie und Personal kostentreibend sein. Rückenwind kann aus der Rücknahme von Regulierungsvorschriften (vor allem in den USA) und einem Fortgang der Zinssenkungsschritte durch die Notenbanken (vor allem in Europa) kommen.

„Vor dem Hintergrund der volatilen und angespannten geopolitischen Situation rechnen wir mit einem herausfordernden Jahr für den Bankensektor sowohl in Europa als auch den USA. Eine fortschreitende Differenz bei Regulierungsvorhaben würde die Wettbewerbssituation zwischen den europäischen und amerikanischen Instituten weiter verändern“, konstatiert Eckert.

„Für europäische Banken ergeben sich dennoch Chancen, denn der Finanzierungsbedarf für die Stärkung der Resilienz Europas und das politisch gewünschte Decoupling der europäischen Wirtschaft ist hoch“, ergänzt Tillmann. „Gleichzeitig stehen sie vor erheblichen demographischen Veränderungen und müssen daher deutlich in Talente, Digitalisierung und neue Betriebsmodell investieren.“

(EY vom 08.04.2025 / RES JURA Redaktionsbüro – vcd)


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