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29.07.2020

Corporate-Banking: Bei Firmenkunden drohen massive Kreditausfälle

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

© beermedia.de/fotolia.com

Deutschlands Banken steht ein unangenehmes Déjà-vu-Erlebnis bevor. Etwas mehr als ein Jahrzehnt nach der globalen Finanzkrise 2008/2009 bedrohen hohe Kreditausfälle wieder die Profitabilität des Firmenkundengeschäfts. Nach aktuellen Prognosen der internationalen Unternehmensberatung Bain & Company könnte die Kreditrisikovorsorge 2020 je nach wirtschaftlicher Entwicklung um bis zu 150% steigen und damit ein neues Rekordniveau erreichen.

Wenn die Kreditrisikovorsorge explodiert, erodieren die Gewinne im Corporate-Banking, erklärten die Studienautoren. Dies sei umso bedenklicher, da dieses Segment schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie unter erheblichem Margendruck stand. So sank im zweiten Halbjahr 2019 der Bain-Corporate-Banking-Index in puncto Profitabilität auf den niedrigsten Stand seit 2009, die Erträge stagnierten. Neben dem harten Wettbewerb belastete die bereits Ende 2019 steigende Risikovorsorge die Gewinne im Firmenkundengeschäft, stellt die Analyse fest.

Abhängigkeit der deutschen Banken vom Kreditgeschäft wird zur Achillesferse

Die hohe Abhängigkeit vieler deutscher Banken vom Kreditgeschäft wird in der Rezession zur Achillesferse“, betont Graf. Zwar hätten die Institute im Firmenkundengeschäft den Anteil des Provisionsüberschusses an den Erträgen in den vergangenen Jahren steigern können. Doch mit 69% im zweiten Halbjahr 2019 sei der Zinsüberschuss in Deutschland unverändert der wichtigste Ertragsbringer geblieben.

Ungenutzte Potenziale

Im Corporate-Banking-Markt komme es zu einer immer stärkeren Differenzierung, stellen die Studienautoren fest. Auf der einen Seite gebe es Banken, die mit einem skalierbaren und breiten Portfolio auch im Niedrigzinsumfeld profitabel wachsen würden. Auf der anderen Seite fänden sich Institute, die vom Kreditgeschäft abhängig seien und mit unzureichenden Margen zu kämpfen hätten. Viele Banken hätten noch ungenutzte Potenziale, um Kundenbeziehungen rentabler zu gestalten und höhere Provisionseinnahmen zu erzielen.

Cost-Income-Ratio auf Rekordniveau

Ein weiterer Hebel zur Stabilisierung des Corporate-Bankings bietet sich nach Aussage der Studienautoren auf der Kostenseite an. Trotz aller Sparanstrengungen sei der Verwaltungsaufwand im Firmenkundengeschäft in den vergangenen Jahren gestiegen. Die Kreditinstitute müssten sich noch stärker bemühen, ihre Kosten zu reduzieren und ihre Kapitaleffizienz zu steigern.

Deutschlands Banken verbrennen im Firmenkundengeschäft Geld

Dass die Banken Handlungsbedarf haben, unterstreicht die Entwicklung der Eigenkapitalrendite. Sie lag 2019 im Corporate-Banking zum ersten Mal seit zehn Jahren unterhalb der Eigenkapitalkosten und erreichte gegen Ende des vergangenen Jahres nur noch 6%. Deutschlands Banken verbrennen im traditionell margenstarken Firmenkundengeschäft weiterhin Geld, kritisieren die Experten. Dies dürfe darf kein Dauerzustand sein.

Agieren, nicht reagieren

Ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor in der Rezession ist laut der Studie die Minimierung der Kreditausfälle. Die sogenannten Non-performing Loans bedrohen die Profitabilität der Banken nicht nur in Deutschland. Vielmehr werden sie laut der Bain-Studie „How Banks Can Defuse the Non-performing Loan Time Bomb“ in allen wichtigen Industrie- und Schwellenländern das Niveau der globalen Finanzkrise 2008/2009 übersteigen – und das zum Teil deutlich. Diese Problemkredite könnten sich – unter Einbeziehung der Darlehen an Konsumenten – in Großbritannien z.B. um das Vierfache erhöhen, in Japan um das Fünffache und in China sogar um mehr als das Zwanzigfache, warnen die Studienautoren.

Kreditinstitute sollten entschlossen handeln und Unternehmen unterstützen

Um die Kreditrisiken einzugrenzen, sollten auch deutsche Banken gezielt agieren – und nicht erst reagieren, wenn es zu Ausfällen kommt, raten die Autoren der Studie. So lassen sich mithilfe maschineller Lernverfahren ausfallgefährdete Kredite frühzeitig identifizieren. Schon zu diesem Zeitpunkt sollte die Zuständigkeit hierfür direkt an eine spezialisierte Einheit gehen. Diese kann mithilfe standardisierter Verfahren klar erkennen, welche Maßnahmen zum besten Ergebnis für Kreditnehmer und -geber führen, stellt die Analyse fest. Im Zuge der Corona-Krise hätten bereits viele Banken Kreditzeiträume verlängert, Tilgungsraten gesenkt oder die Rückzahlung für einige Monate ausgesetzt. Ein Verkauf empfiehlt sich laut der Experten lediglich in Ausnahmefällen. Tatsächlich haben zahlreiche Banken in den vergangenen Jahren Kreditpakete unter Wert veräußert, so die Studienautoren.

Kundenloyalität vertiefen

Dass Kreditausfälle in einer Rezession zunehmen, ist unausweichlich, fassen die Studienautoren zusammen. Deshalb gelte es entschlossen und überlegt zu handeln. Bereiten sich Banken strategisch vor, seien sie im Fall der Fälle nicht zu Ad-hoc-Entscheidungen gezwungen und können zudem die Loyalität ihrer Kunden vertiefen. Wer Unternehmern durch eine schwere Krise hilft, gewinnt für viele Jahre treue Kunden, so das Fazit der Analyse.

(Pressemitteilung Bain & Company vom 28.07.2020)


Redaktion

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