• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Covid-19 dreht den Kreditzyklus für Unternehmenskredite

18.09.2020

Covid-19 dreht den Kreditzyklus für Unternehmenskredite

Autokonzerne auf der Überholspur

© K.-U. Häßler/fotolia.com

Durch den Covid-19-Sondereffekt, haben deutsche Banken bereits Ende März erstmals Unternehmenskredite in Höhe von mehr als 1,1 Billionen Euro ausgereicht, was aktuell 38% aller Kundenkredite entspricht. Zudem sind die jährlichen Zinserträge in den letzten Jahren kontinuierlich bis auf 15,5 Milliarden Euro angestiegen. Ihr Anteil an den gesamten Nettozinserträgen deutscher Banken beträgt derzeitig 17,8 Prozent. Keine andere Kreditkategorie generiert mehr Zinserträge.

Das zeigen die Ergebnisse der Studie „Wer finanziert die Covid-19 Krise“ der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Deutschland.

Erste Kreditwelle ebbt im Juni bereits wieder ab

Nach dem Rückgang des Kreditwachstums auf 5,7 Prozent p.a. im Februar 2020 sorgte Covid-19 für eine erneute Beschleunigung der Kreditnachfrage. So legte das Wachstum kurzfristig wieder bis auf 8,7 Prozent im Mai 2020 zu. Die plötzlich einsetzende Zusatznachfrage im März wurde zunächst durch kurzfristige Kredite gedeckt, deren Volumen um 19 Milliarden Euro gegenüber Februar anstieg.

Tomas Rederer, Partner bei PwC Deutschland: „Unsere Analyse indiziert, dass es im März kurzfristig dringenden Finanzierungsbedarf gab. Es wurden vermutlich kaum Kredite auf Vorrat gezogen.“ Die erhöhte Kreditnachfrage hat sich bereits im Juni wieder normalisiert. Gegenüber dem Vormonat ist der Bestand an Unternehmenskrediten sogar um 0,4 Milliarden Euro rückläufig. „Im Markt für Unternehmenskredite ist die erste Covid-19-Welle bereits im Juni wieder abgeebbt. Eine zweite Kreditwelle im Herbst erscheint aktuell wahrscheinlich, wenn viele Unternehmer ihre Finanzplanung erneut überprüfen und entsprechenden Handlungsbedarf erkennen. Sollte es zudem noch zu einer starken zweiten Virus-Welle kommen, wird der Kreditbedarf umso stärker steigen“, so Tomas Rederer.

Pandemie lässt Margen bei Großkrediten steigen

Covid-19 lässt die Brutto-Margen (vor Refinanzierungskosten der Banken) im zweiten Quartal um 7 Basispunkte auf Ø 1,67 Prozentpunkte p.a. steigen. Der Anstieg ist dabei fast ausschließlich auf höhere Refinanzierungskosten zurückzuführen, die um 6 Basispunkte anstiegen. Die Netto-Margen konnten daher nur unwesentlich um einen Basispunkt zulegen.

Aktuell herrscht eine klare Zweiteilung im Markt: So sind die Brutto-Margen für Großkredite mit einem Volumen von über 1 Millionen Euro im zweiten Quartal um 8 Basispunkte auf 1,52 Prozentpunkte p.a. angestiegen. Die Brutto-Margen für Kleinkredite bis zu 1 Millionen Euro sind hingegen im selben Zeitraum um 10 Basispunkte auf 2,21 Prozentpunkte p.a. gefallen.

Robert Bischof, Partner bei Strategy& Deutschland, der globalen Strategieberatung von PwC: „Durch die Krise verschieben sich gerade im Firmenkundengeschäft die Marktanteile. Das bietet Banken die Möglichkeit, in die Kunden- und Geschäftsbeziehungen zu investieren. Viele Bankkunden stehen aktuell vor großen Herausforderungen: Entweder stellt die Krise für sie eine essentielle Bedrohung dar – oder aber eine Chance für zukünftige unternehmerische Weichenstellungen. In beiden Fällen können Banken mit einer engen Betreuung sowie einem tiefen Verständnis für die individuelle Situation ihrer Kunden punkten.“

Auslands- und Förderbanken mit großen Zuwächsen

Alle Bankengruppen haben im ersten Halbjahr ihre Kreditvergabe gesteigert. Die höchsten Zuwächse konnten allerdings Auslandsbanken mit 13,0 Prozent verzeichnen. Zweigstellen ausländischer Banken konnten sogar 23,8 Prozent zulegen. Auf dem zweiten Rang folgen die Förderbanken mit einem Kreditplus von 10,8 Prozent gegenüber Dezember 2019. Die Landesbanken hingegen weisen den geringsten Zuwachs von lediglich 1,0 Prozent aus.

Robert Bischof: „Gerade die hohen Zuwachsraten der Auslandsbanken werden vermutlich viele Marktteilnehmer überraschen. Während sie sich in früheren Krisen mit der Kreditvergabe oft zurückgehalten halten, scheinen sie aktuell fest in Deutschland etabliert zu sein und Wachstumschancen aktiv zu nutzen.“

(Pressemitteilung PwC vom 17.09.2020)


Redaktion

Weitere Meldungen


Euro
Meldung

© JFL Photography/fotolia.com

04.10.2023

57 % der Unternehmen versprechen sich Vorteile vom Digitalen Euro

Die deutsche Wirtschaft beschäftigt sich bereits intensiv mit den Einsatzmöglichkeiten und Chancen eines Digitalen Euro. Denn die Mehrheit der Unternehmen ist überzeugt, von der digitalen Währung profitieren zu können, braucht dafür aber die Unterstützung der Banken. Auch politische Gründe sprechen aus Sicht der Wirtschaft für die Einführung der Währungsinnovation: So sind 87 % davon überzeugt, dass

57 % der Unternehmen versprechen sich Vorteile vom Digitalen Euro
Finanzen, Geld, Liquide
Meldung

© sakkmesterke/fotolia.com

04.10.2023

27 % des Fondsbesitzes im EU-Raum in Händen deutscher Privatanleger

Trotz multipler Krisen gelingt es den Deutschen, Rekordsummen zu investieren. Wie aus einer neuen Infografik von Block-Builders.de hervorgeht, bauen die Bundesbürger mehr und mehr Vermögen auf, wobei es auch einen Nachholbedarf zu geben scheint. Die Bürger in Deutschland investierten im Jahr 2022 etwa 191 Milliarden Euro in Wertpapiere, Versicherungen und Pensionen. Im gesamten restlichen Euroraum

27 % des Fondsbesitzes im EU-Raum in Händen deutscher Privatanleger
Meldung

© Edelweiss/fotolia.com

03.10.2023

Deutsche Wirtschaft setzt auch auf Open Source

Ob Bürosoftware, Videokonferenzen oder Grafikbearbeitung – für die meisten Anwendungen gibt es auch Open-Source-Lösungen. Sie werden inzwischen in der Breite der deutschen Wirtschaft eingesetzt: 7 von 10 Unternehmen (69 %) nutzen Open-Source-Lösungen. Nur 18 % stehen Open Source ablehnend gegenüber. Das sind Ergebnisse des „Open Source Monitor 2023“, den der Digitalverband Bitkom am 27.09.2023 veröffentlicht hat. Für

Deutsche Wirtschaft setzt auch auf Open Source
CORPORATE FINANCE - Die Erfolgsformel für Finanzprofis

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das CORPORATE FINANCE Gratis Paket: 1 Heft + Datenbank