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16.11.2021

DAX-Konzerne erwirtschaften trotz Lieferkettenkrise Rekordgewinne

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

© fotogestoeber/fotolia.com

Trotz der sich ausweitenden weltweiten Engpässe bei der Versorgung mit Halbleitern, Rohstoffen und Zulieferprodukten konnten die deutschen Top-Konzerne im dritten Quartal erneut Rekorde bei Umsatz und Gewinn vermelden: Insgesamt stieg der Gesamtumsatz der DAX 40-Unternehmen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 9%. Auch den Umsatz des Vorkrisenjahres 2019 übertrafen die Unternehmen – um 4%. Die große Mehrheit der DAX-Konzerne legte im Vergleich zum Vorjahr beim Umsatz zu – lediglich drei Unternehmen wiesen einen Umsatzrückgang auf. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY auf der Basis der Geschäfts- bzw. Quartalsberichte der derzeit im Deutschen Aktienindex (DAX) gelisteten Unternehmen.

Hauptumsatztreiber war im dritten Quartal das Geschäft in Asien, wo die Umsätze in Summe um 14% stiegen. In Nordamerika wurde ein Wachstum von 13% verzeichnet, in Europa lag der Gesamtumsatz hingegen auf dem Vorjahresniveau (minus 0,1%).

Noch besser als die Umsätze entwickelten sich die operativen Gewinne der deutschen Top-Konzerne: Nach einem Gesamt-EBIT von 14,2 Mrd. EUR im Vorjahreszeitraum erwirtschafteten die DAX-Konzerne im abgelaufenen Quartal einen Gesamtgewinn von 35,7 Mrd. EUR – ein Plus von 152%. Gegenüber dem dritten Quartal des Vorkrisenjahres 2019 wuchs der Gewinn damit immerhin noch um 21%.

Weltwirtschaft noch immer fest im Griff der Pandemie

Wir befinden uns im zweiten Jahr der Pandemie, und die Rahmenbedingungen sind nach wie vor sehr schwierig: Unterbrechungen der Lieferketten, stark steigende Logistik- und Materialkosten, Lieferprobleme bei Rohstoffen sowie Bauteilen und daraus resultierende Produktionsdrosselungen machen den Unternehmen zu schaffen. Dennoch hat es die große Mehrheit der deutschen Top-Konzerne im dritten Quartal geschafft, Kurs zu halten, stellen die Studienautoren fest. Das sei bemerkenswert und ein deutliches Zeichen der Stärke. Was sich derzeit vor allem auszahle, sei die internationale Aufstellung vieler Unternehmen und der Fokus auf Hochtechnologie und auf Premium-Segmente. Die Pandemie hat die Weltwirtschaft noch immer fest im Griff, und solange so viele große Volkswirtschaften mit neuen Ausbrüchen kämpfen, werden wir weitere böse Überraschungen erleben, warnen die Autoren der Studie aber.

Feierstimmung kommt laut der Analyse trotz guter Finanzzahlen derzeit nicht auf. Im Gegenteil: Einige Konzerne mussten zuletzt Gewinnwarnungen abgeben, die weitere Entwicklung ist sehr schwer abzusehen. Es sei durchaus möglich, dass im vierten Quartal noch stärkere Auswirkungen der Lieferengpässe auftreten, gerade wenn die Pandemie im anstehenden Winter auf der Nordhalbkugel erneut zu größeren Verwerfungen führe. Weitere Produktionsausfälle und Logistikstörungen könnten Dominoeffekte auslösen und damit weitere Branchen in Mitleidenschaft ziehen.

Deutsche Telekom mit dem höchsten Gewinn

Gewinnstärkstes Unternehmen war im dritten Quartal die Deutsche Telekom, die einen operativen Gewinn von 3,5 Mrd. EUR erwirtschaftete, gefolgt vom Versicherungskonzern Allianz mit einem EBIT von 3,2 Mrd. EUR. Die Plätze drei bis fünf im Gewinnranking werden von den Autoherstellern belegt – obwohl gerade die Automobilindustrie die Auswirkungen der Chipkrise zu spüren bekommt. Volkswagen, Daimler und BMW erwirtschafteten zusammen einen operativen Gewinn von 8,4 Mrd. EUR, nachdem diese drei Unternehmen im Vorjahreszeitraum noch ein Gesamt-EBIT von 7,6 Mrd. EUR ausgewiesen hatten.

BASF und Bayer verzeichnen den stärksten Gewinnanstieg

Den stärksten Gewinnanstieg verzeichneten aber die Chemie- bzw. Chemie/Pharmakonzerne BASF und Bayer, die jeweils nach Milliardenverlusten im Vorjahr nun Milliardengewinne ausweisen konnten. 26 Unternehmen konnten ihren operativen Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigern, bei zehn Konzernen ging der Gewinn zurück. Die übrigen Unternehmen machten im dritten Quartal keine Angaben zum Gewinn.

Kostendisziplin und Senkung der Fixkosten im Fokus der Unternehmen

Auch die Beschäftigung entwickelte sich nicht einheitlich: Zwar stieg die Zahl der Mitarbeiter im Jahresverlauf insgesamt um 1,5%. Aber nur 14 Unternehmen verzeichneten einen Anstieg der Mitarbeiterzahl – zum Teil aufgrund von Zukäufen –, während 15 Unternehmen eine rückläufige Beschäftigung meldeten. Die übrigen Unternehmen machten keine entsprechenden Angaben. Die Mitarbeiterzahl steigt laut der Analyse derzeit bei den meisten Unternehmen kaum noch – trotz steigender Umsätze. Auch für die kommenden Jahre seien an dieser Stelle keine großen Sprünge zu erwarten. Die meisten Unternehmen sind bei Neueinstellungen eher restriktiv, da derzeit generell Kostendisziplin und vor allem die Senkung der Fixkosten ganz oben auf der Agenda vieler Unternehmen stehen, so die Autoren der Analyse.

Impulse für einen nachhaltigen Umbau der Wirtschaft

Die Unternehmen tun nach Einschätzung der Studienautoren gut daran, weiterhin auf Kostendisziplin zu setzen und zudem mit Hochdruck daran zu arbeiten, ihren Produktionsverbund und ihre Lieferketten krisenfest zu machen. Die Experten rechnen damit, dass die aktuellen Beschaffungsprobleme den Trend zum sog. Backshoring, also zu einer Produktion näher an den Absatzmärkten, verstärken werden zu einem teilweisen Rückzug aus sog. Best Cost Countries führen werde. Die Globalisierung werde zwar nicht zurückgedreht. Aber sicher sei, dass die lokale Herstellung stärker in den Fokus komme – nicht nur aufgrund geopolitischer und Kostenerwägungen, sondern auch aus Nachhaltigkeits- und Umweltschutzgründen. Immer mehr Konzerne streben Klimaneutralität an und nehmen dabei auch die Dekarbonisierung ihrer Lieferketten in den Blick, so die EY-Analyse.

Zukünftig wird es weniger darum gehen, das letzte Quäntchen an Kostenoptimierung herauszuholen. Stattdessen stehen verlässliche und langfristige Partnerschaften mit Lieferanten, eine langfristige Planung und eine faire Verteilung der Wertschöpfung im Vordergrund – die aktuellen Turbulenzen auf den Weltmärkten könnten dafür als Katalysator fungieren, so das Fazit der Studienautoren.

(Pressemitteilung EY vom 12.11.2021)


Redaktion

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