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13.06.2017

Deutsche Banken suchen neue Ertragsquellen und müssen sparen

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© kevers/fotolia.com

Die gute Konjunkturentwicklung soll den deutschen Banken einen Schub geben und zu höherer Profitabilität verhelfen: 94% der deutschen Institute rechnen mit einer positiven Entwicklung im Firmenkundengeschäft, und 89% gehen von einer mindestens gleichbleibenden, 20% sogar von einer steigenden Kreditvergabe an Unternehmen aus, so das aktuelle Bankenbarometer der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY.

Neben einer Ausweitung des Geschäftsvolumens setzen die Banken auf höhere Einnahmen aus Gebühren und Zinsen: Laut vier von zehn Banken werden die Konditionen für Firmenkundenkredite anziehen – nur 6% rechnen mit für die Kunden günstigeren Konditionen. Auch in Bezug auf das Retail-Banking – also das Geschäft mit Privatkunden – sind die Banken optimistisch: 84% der Bankmanager prognostizieren eine positive Entwicklung dieses Geschäftsfeldes. Vor allem bei Immobilien- und Konsumentenkrediten rechnen sie mit einer weiter steigenden Nachfrage.

Privatkunden sollen zukünftig stärker zur Kasse gebeten werden

Wie die Firmenkunden sollen auch Privatkunden zukünftig stärker zur Kasse gebeten werden: 32% der Institute haben in diesem Jahr bereits Gebühren für Privatkunden erhöht oder planen dies bis Ende des Jahres. Im Fokus steht dabei das Girokonto, das bei 27% der Banken teurer wird. Knapp jede fünfte Bank erhöht Gebühren für Überweisungen, bei jeweils etwa jeder sechsten Bank werden Kreditkarten und Abhebungen teurer. Gleichzeitig wollen die deutschen Banken ihren Sparkurs fortsetzen: 43% der Institute planen, Stellen zu streichen, nur 10% wollen neue Arbeitsplätze schaffen. Kostensenkungsmaßnahmen stehen zudem bei 74% der Banken ganz oben auf der Agenda.

Banken setzen auf höhere Einnahmen aus Gebühren und Zinsen

Für die Studienautoren führt kein Weg daran vorbei, dass die Banken verstärkt über neue Ertragsquellen nachdenken und beispielsweise Gebühren auch für solche Dienstleistungen verlangen, die für die Kunden bislang kostenlos waren. Strengere regulatorische Vorgaben und Niedrigzinsen würden dazu führen, dass die Banken heute deutlich weniger verdienen als vor der Finanzkrise. Also würden sie massive Einschnitte beim Produktportfolio, beim Filialnetz oder beim Personal ins Auge fassen.Zwar dürfte der harte Wettbewerb auf dem deutschen Markt einen signifikanten Gebührenanstieg verhindern, es bestehe aber kein Zweifel, dass der klare Wille besteht, die Konditionen sowohl im Firmenkundengeschäft als auch im Retail Banking nach oben anzupassen, so die Autoren der Studie.

Früher sei es mit hohen Zinseinnahmen andere Dienstleistungen möglich gewesen, quer zu subventionieren, was im aktuellen Niedrigzinsumfeld nicht mehr gehe. Andererseits gebe es erhebliche Einsparpotenziale, mit denen die Banken ihre Ertragskraft steigern könnten, da sowohl der Kundenkontakt als auch Verwaltungstätigkeiten immer stärker auf digitalem Weg ablaufen werden. Aktuell planen 43% der Institute, Stellen zu streichen, nur 10% wollen neue Arbeitsplätze schaffen. Die Personalausgaben würden knapp über die Hälfte der operativen Kosten der Branche ausmachen. Vor diesem Hintergrund und angesichts des Drucks, den Aufsichtsbehörden und Aktionäre auf die Banken ausüben, seien weitere Stellenkürzungen realistisch, so die Studienautoren.

Banken wollen mehr Kredite vergeben – vor allem an IT-Unternehmen

Dank günstiger Konjunkturaussichten gehen die Banken insgesamt von einer Lockerung ihrer Kreditvergabepolitik aus. Davon sollten vor allem die IT-Branche, Handwerker und Unternehmen der Gesundheitsbranche profitieren, die per Saldo mit einer weniger restriktiven Kreditvergabe rechnen können. Umgekehrt wollen die Banken aber vor allem an Unternehmen aus den Branchen Automobilbau, Energie und Einzelhandel weniger Kredite vergeben.

Brexit soll Finanzplatz Frankfurt stärken

Deutsche Banken sehen den bevorstehenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union vergleichsweise gelassen: Nur 12% der Bankmanager bezeichnen den Brexit als großes Risiko für die Konjunkturentwicklung in Deutschland, 88% gehen davon aus, dass dieser Schritt keine Auswirkung auf das eigene Unternehmen haben wird. Dafür soll der Finanzplatz Frankfurt profitieren: 22% der Bankmanager sind sich sicher, dass Banken in größerem Umfang Personal und Funktionen von London nach Frankfurt verlagern werden, weitere 62% halten dies immerhin für wahrscheinlich.

Einiges spreche dafür, dass weitere Teile der Finanzmarktaufsicht in Frankfurt angesiedelt sein werden, wodurch Frankfurts Bedeutung als Finanzplatz weiter steigen werde, so die Autoren der Studie. Nach Meinung der befragten deutschen Bankmanager sollte sich vor allem Frankfurt dafür stark machen, neuer Sitz der European Banking Authority (EBA) zu werden: So sprechen sich 64% der Befragten für Frankfurt als zukünftiger Standort der EBA aus, 6% bevorzugen Berlin, nur 1% setzen auf Paris – 32% äußern keine Präferenz.

Das EY Bankenbarometer Deutschland 2017 finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung EY vom 12.06.2017)


Redaktion

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