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12.01.2023

Deutsche Unternehmen schalten in den Krisenmodus um – Kostensenkungsmaßnahmen im Fokus

Während die Pandemie und die weltweiten Lieferkettenunterbrechungen für deutsche Unternehmenslenker an Schrecken verlieren, entwickeln sich nun die hohe Inflation und die Konjunkturschwäche zu den Hauptsorgen der Manager. Und die Reaktion darauf besteht in deutschen wie in ausländischen Firmen zunehmend aus Kostensenkungsmaßnahmen – die auch beim Personal nicht Halt machen: Sowohl weltweit als auch in Deutschland planen 36% der Großunternehmen Umstrukturierungen bzw. Einschnitte bei der Beschäftigung. Jedes vierte deutsche Unternehmen (weltweit: 28%) hat vor, Lohnerhöhungen auszusetzen – trotz Rekord-Inflation. Und 27% der Unternehmen in Deutschland und 25% der Unternehmen weltweit planen einen Einstellungsstopp, so der aktuelle „CEO Survey“ von EY. Basis der Studie ist eine Umfrage unter 1.200 Vorstandsvorsitzenden in Großunternehmen weltweit, davon 100 in Deutschland.

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Deutsche Unternehmenschefs überdurchschnittlich pessimistisch; jeder zweite erwartet starken Abschwung der Weltwirtschaft

Die konjunkturelle Situation ist schwierig, die Hoffnung auf eine baldige Besserung der Lage schwindet. Da richten sich die Unternehmen auf härtere Zeiten ein und schnallen den Gürtel enger, stellen die Studienautoren fest. Weltweit geht jedes zweite Unternehmen von einem starken Abschwung im Jahr 2023 aus, in Deutschland liegt der Anteil sogar bei 57%. Gleichzeitig gehen in Deutschland gerade einmal 14% der Befragten davon aus, dass sich die konjunkturelle Lage schon kurzfristig – also etwa zur Jahresmitte – wieder verbessert. Weltweit liegt der Anteil mit 12% sogar noch etwas niedriger. Zwar rechneten die Top-Manager mit einer schwachen Konjunkturentwicklung. Laut der Studienautoren wird es wohl zu einem Soft Landing, also nicht zu einem abrupten Einbruch der Wirtschaft kommen.

Inflation ist Hauptsorge deutscher CEOs

Die größten Sorgen bereiten den CEOs von deutschen Großunternehmen aktuell die hohe Inflation und die stark gestiegenen Einkaufspreise – 40% bezeichnen diesen Faktor als großes Risiko für die Entwicklung des eigenen Unternehmens. Die hohen Zinsen und entsprechend steigende Kapitalkosten belegen mit 39% im Sorgenranking deutscher Top-Manager den zweiten Platz.

An Bedeutung verloren hat hingegen aus Sicht der Unternehmenslenker die Corona-Krise: Der Anteil der deutschen CEOs, die die Pandemie und daraus resultierende Lieferkettenunterbrechungen als großes Risiko für das eigene Unternehmen bezeichnen, sinkt gegenüber August deutlich von 52 auf 31%. Bei den Lieferketten liegt das Schlimmste hinter uns, so die Einschätzung der Studienautoren. Viele Unternehmen hätten sich an dieser Stelle neu sortiert und seien heute deutlich weniger anfällig. Zudem komme es pandemiebedingt nur noch zu einzelnen Ausfällen. Zumindest beim Lieferkettenthema dürfte sich die Entspannung daher im Jahr 2023 fortsetzen.

Gleichzeitig drohen neue Probleme aufgrund der von vielen befürchteten weltweiten Rezession. Im vergangenen Jahr lief es für viele Unternehmen erstaunlich gut. Sie konnten die hohen Einkaufspreise an die Kunden weitergeben und profitierten in vielen Bereichen davon, dass die Nachfrage stärker war als das Angebot. Offenbar befürchten viele CEOs, dass sich das Blatt im kommenden Jahr wendet. Wenn Kaufkraftverluste und Zukunftssorgen bei den Verbrauchern zu Kaufzurückhaltung führen, drohen Überkapazitäten und Preisschlachten, warnen die Studienautoren. Dann seien die derzeit noch hohen Margen schnell Makulatur. Darauf würden sich viele Unternehmen jetzt einrichten.

Sechs von zehn deutschen Konzernen planen Kostensenkungen

So haben Kostensenkungen bei 61% der deutschen Unternehmen im kommenden Halbjahr hohe Priorität – weltweit liegt der Anteil mit 54% niedriger. Das bedeutet offenbar auch, dass es Einschnitte bei der Beschäftigung geben kann: Sowohl in Deutschland als auch weltweit planen 36% der Unternehmen eine Umstrukturierung oder Reduzierung des Personalbestands. Die Studienautoren rechnen dennoch nicht mit Entlassungswellen. Es müsse gespart werden – aber intelligent. Die Erfahrung zeige, dass im nächsten Aufschwung wieder Fachkräfte händeringend gesucht werden, daher würden die Konzerne alles tun, um ihre Belegschaft möglichst stabil zu halten.

Im Fokus der aktuellen Anstrengungen sollten Maßnahmen stehen, die die Marge positiv beeinflussen, so der Rat der Studienautoren. Im vergangenen Jahr habe sich die Preisdurchsetzung in vielen Branchen deutlich verbessert, die Margen hätten sich teils sehr erfreulich entwickelt. Die Unternehmen würden nun versuchen, im neuen Jahr daran anzuknüpfen und die Preise hochzuhalten.

Deutsche Konzerne werden nach Einschätzung der Studienautoren besonders stark auf die Kostenbremse drücken, da sich hierzulande die Kostensituation besonders stark verschlechtert habe. Der massive Anstieg der Energiepreise sei ein erheblicher Nachteil für den Produktionsstandort Deutschland – gerade im Vergleich zu Asien und den USA. Damit müssten sich alle Unternehmen beschäftigen und nach Auswegen suchen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Positiv bewerten die Autoren der Studie, dass trotz neuer Sparanstrengungen Zukunftsinvestitionen weiterhin weit oben auf der Agenda deutscher CEOs stehen: So sagt jeder zweite befragte deutsche CEO (49%, weltweit 54%), dass die Fortsetzung der digitalen und technologischen Transformation hohe Priorität habe. Mittelfristig führt den kein Weg an einer entschiedenen Transformationsstrategie vorbei – mit den zwei Schwerpunkten ESG und Digitalisierung. Beide Trends hätten einen so umfassenden Impact auf die gesamte Wertschöpfung und das wirtschaftliche Umfeld, dass kein Unternehmen hier an der Seitenlinie stehen könne – Konjunkturflaute hin oder her.

M&A-Appetit nimmt ab

Die Bereitschaft von Konzernen weltweit und in Deutschland, Übernahmen zu tätigen, nimmt weiter ab: Derzeit planen nur noch 39% der befragten Unternehmen, in den nächsten zwölf Monaten einen Zukauf zu tätigen – vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 54%, vor zwei Jahren sogar bei 64%. Damit liegt der M&A-Appetit deutscher Unternehmen auf dem niedrigsten Stand seit dem Jahr 2014. Auch weltweit ist ein Rückgang der M&A-Aktivitäten zu erwarten, wenngleich weniger stark als in Deutschland: Der Anteil der Unternehmen, die Zukäufe vorhaben, schrumpft von 52 auf 46%.

Deutsche Konzerne wollen seltener Zukäufe tätigen

Die steigenden Zinsen und eingetrübte Konjunkturaussichten haben zu mehr Zurückhaltung aufseiten der Unternehmen bei geplanten Übernahmen geführt, beobachten die Studienautoren. Auch in diesem Bereich gebe es mehr Vorsicht – ganz große Transaktionen würden vorerst zurückgestellt. Steigende Zinsen erhöhten die Kreditkosten und erschwerten somit die Finanzierung. Während Zukäufe eher an Bedeutung verlieren, stehen neuerdings Verlagerungen bei vielen Unternehmen in Deutschland wieder auf der Agenda, so die Prognose der Studienautoren. In einigen Branchen könnte es in Deutschland zu Werksschließungen und Verlagerungen ins Ausland kommen, sollten die Energiepreise hierzulande nicht dauerhaft deutlich fallen. Die Sorgen über eine Abwanderungswelle und sogar eine Deindustrialisierung seien nicht aus der Luft gegriffen. Letztlich gehe es darum, ob das Geschäftsmodell des Standorts Deutschland auch zukünftig noch funktioniere.

Den „EY CEO Survey“ können Sie hier kostenlos bestellen.

(Pressemitteilung EY vom 11.01.2023)


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