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09.04.2021

Digitale Transformation bleibt Haupttreiber der M&A-Aktivitäten von DAX- und MDAX-Unternehmen

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

© kritchanut/fotolia.com

Die 90 größten börsennotierten deutschen Unternehmen blieben auch in der Dekade 2011 bis 2020 sehr aktiv bei Fusionen und Übernahmen (M&A) – und reagierten auf die sich wandelnden Anforderungen durch Digitalisierung und Globalisierung in wachsendem Maß mit Akquisitionen, um Innovationen und die digitale Transformation ihrer Produkte, Dienstleistungen und Prozesse zu beschleunigen, wie die aktuelle DAX/MDAX-M&A-Studie der Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer zeigt.

Insgesamt wurden im untersuchten Zehnjahres-Zeitraum von den DAX- und MDAX-Unternehmen 1.974 Investitionen durch M&A-Transaktionen getätigt, davon entfielen 1.356 auf die DAX- und 618 auf die MDAX-Werte. Bei der Transaktionsanzahl bevorzugten DAX-Unternehmen dabei den US- und deutschen Markt (jeweils rund 18 Prozent); hingegen fanden mehr als 39 Prozent der M&A-Investments von MDAX-Unternehmen in Deutschland statt, erst mit weitem Abstand folgen hier die USA mit einem Anteil von 15 Prozent.

Der veröffentlichte Gesamtwert aller relevanten Transaktionen lag im Betrachtungszeitraum bei 530,5 Milliarden US-Dollar. Rund 486 Milliarden US-Dollar davon investierten die 30 im DAX vertretenen Konzerne, mehr als 44,6 Milliarden US-Dollar die 60 Unternehmen des MDAX.

„Insgesamt schauen die DAX- und MDAX-Unternehmen auf der Suche nach signifikanten Opportunitäten für anorganisches Wachstum weiterhin überwiegend nach Nordamerika. In der vergangenen Dekade machten Deals in den USA etwa 18 Prozent der Gesamtzahl aller M&A-Investitionen dieser Unternehmen und sogar 53 Prozent des veröffentlichten Transaktionsvolumens aus. Maßgeblich hierfür dürfte die Ambition sein, im US-Markt nicht nur organisch zu wachsen – aber auch der Umstand, dass es vergleichsweise schwieriger ist, in Europa attraktive Zielunternehmen in den relevanten Bereichen zu finden,“ erklärte Wessel Heukamp, M&A-Partner bei Freshfields.

Highlights 2020

Im vergangenen Jahr lag die Gesamtzahl der Firmenübernahmen bei 189, davon 141 Akquisitionen durch die DAX- und 48 Deals durch die MDAX-Unternehmen. Dieser Wert entspricht ungefähr dem Durchschnittswert der Dekade. Gemessen am Volumen lag 2020 sogar vor dem Vorjahr – trotz eines schwachen ersten Halbjahrs; und dieser Trends sollte sich auch in diesem Jahr fortsetzen. Die Rekordzahlen des Jahres 2018 wurden indes noch nicht wieder erreicht.

Indien und China dominieren in Asien

In den beiden Wachstumsmärkten Indien und China fanden im Beobachtungszeitraum insgesamt 77 M&A-Investitionen von DAX- und MDAX-Unternehmen statt mit einem veröffentlichten Gesamtvolumen von 13,5 Mrd. US-Dollar (Indien 4,3 Mrd. und China 9,2 Mrd. US-Dollar). Dabei fällt auf, dass die Investitionen in China verhältnismäßig deutlich größer sind als in anderen Wachstumsmärkten; nach der Anzahl der M&A-Akquisitionen liegt Indien (45) indes vor China (32).

Digitale Transformation als Treiber

Die beliebtesten M&A-Investitionsziele der DAX-Werte sind Unternehmen aus der Digitalwirtschaft. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den MDAX-Konzernen. Die meisten veröffentlichten Akquisitionen wurden im DAX von Allianz, Deutsche Bank, Siemens und Volkswagen getätigt (jeweils mit einem Anteil von fast 10 Prozent oder mehr); im MDAX waren Brenntag, ProSiebenSat.1 und Thyssenkrupp die drei aktivsten Akteure.

„Fast drei Viertel aller Investitionen in digitale Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren stammen von Übernehmern aus anderen Branchen – in den Jahren 2011 bis 2015 lag der Wert nur bei 59 Prozent. Dies verdeutlicht, wie stark die führenden deutschen Unternehmen ihre Digitalisierungs- und Innovationsbemühungen mittels M&A zuletzt weiter beschleunigt haben,“ erläuterte Lars Meyer, M&A-Partner bei Freshfields.

Ausblick

Eine Reihe von Faktoren lassen für 2021 und die nächsten Jahre weiterhin eine hohe M&A-Aktivität nicht nur der Unternehmen im DAX und MDAX erwarten. Zu den Treibern zählen insbesondere die trotz der Corona-Krise stabilen Finanzmärkte und weltweiten Konjunkturprogramme sowie die Aussicht auf ein Ende der Beschränkungen durch die Pandemie. Zur hohen Dynamik des Transaktionsumfelds trägt auch die anhaltende Welle von Akquisitionen durch sogenannten Special Purpose Acquisition Vehicles (SPACs) bei – 17 Prozent des globalen M&A-Volumens in den ersten drei Monaten dieses Jahres entfielen auf SPAC-Transaktionen, und aktuell suchen mehr als 400 weitere SPACs nach Zielunternehmen. Durch weitere Verzögerungen der Impfkampagne und mögliche Mutationen der Covid19-Viren, den schwelenden USA-China-Handelskonflikt und anhaltende protektionistische Tendenzen in vielen Ländern der Welt verbleiben aber auch Risiken, die sich auf den M&A-Markt auswirken können.

Die Analyse der vergangenen Dekade zeigt (noch) keine eindeutigen Auswirkungen, aber auch deutsche Unternehmen müssen verstärkt damit rechnen, dass grenzüberschreitende Deals (sogar innerhalb Europas) länger geprüft werden und andere Staaten Schlüsselindustrien stärker schützen wollen. Auch das Ausscheiden von Großbritannien aus der EU dürfte die Komplexität in bei Transaktionen in Europa jedenfalls vorübergehend erhöhen. Gleichzeitig könnten geopolitische und regulatorische Dynamiken jedoch auch den Zusammenschluss und die Entstehung neuer europäischer Champions fördern.

„Grenzüberschreitende Übernahmen durch deutsche Unternehmen dürften in einigen Bereichen künftig komplexer werden als bislang. Dies liegt an der verschärften kartellrechtlichen Prüfung unabhängig von der Größe des Zielunternehmens oder der Wettbewerbssituation im betreffenden Markt, an neuen Vorschriften, die etwa auf Plattformbetreiber abzielen, und an Themen wie Interoperabilität und Datenschutz. Außerdem steigt weltweit die Wahrscheinlichkeit, dass ausländische Investitionen durch nationale und regionale Behörden umfassender geprüft werden,“ fasste Uta Itzen, Partnerin, zusammen.

(Pressemitteilung Freshfields Bruckhaus Deringer vom 31.03.2021)


Redaktion

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