15.03.2019

Disruption treibt weltweites M&A-Geschäft

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

© Tim/Fotolia.com

Das weltweite Geschäft mit strategischen Firmenübernahmen boomt. Entsprechend steigt das M&A-Volumen. So erwarb beispielsweise der Chemiekonzern Bayer im vergangenen Jahr den US-Saatgutanbieter Monsanto für 66 Milliarden US-Dollar, der Industriegasehersteller Linde schloss sich mit US-Wettbewerber Praxair im Rahmen einer 50-Milliarden-US-Dollar-Transaktion zusammen. Insgesamt belief sich das M&A-Volumen 2018 auf 3,4 Billionen US-Dollar – und erreichte damit das zweithöchste Niveau in den letzten 20 Jahren.

In ihrer Studie „M&A in Disruption: 2018 in Review“ beleuchtet die internationale Managementberatung Bain & Company Hintergründe und Treiber für den gegenwärtigen Kaufrausch.

Übernahmen sind immer häufiger Know-how-getrieben  

„2018 war ein Jahr der starken Veränderungen“, stellt Bain-Partner und M&A-Experte Dr. Wilhelm Schmundt fest. „Der schnelle technologische Wandel, Kapital im Überfluss sowie ambitionierte Wachstumsziele setzen Unternehmen weltweit unter hohen Druck. Mit Übernahmen wollen sie diesen Herausforderungen begegnen.“ Erstmals gab es mehr umsatzgetriebene Scope- als Scale-Deals, mit denen vor allem Skaleneffekte und damit Kostenvorteile erzielt werden sollen. „Wir erleben gerade einen Umbruch“, so Schmundt. „Firmenkäufe werden vorrangig genutzt, um Wachstum zu beschleunigen und zusätzliches Know-how ins Unternehmen zu holen.“

Tatsächlich dienen mittlerweile rund 15 Prozent der größeren strategischen Übernahmen dem Erwerb neuer Fähigkeiten, 2015 waren es lediglich 2 Prozent. Die Dynamik bei kleineren Deals dürfte noch größer sein. Dafür spricht die Vervierfachung der Corporate-Venture-Capital-Investitionen seit 2013. Insgesamt steht bei jeder dritten Know-how-getriebenen Übernahme im Vordergrund, digitale Kompetenzen für das Unternehmen zu gewinnen. Dies reicht von autonomem Fahren und digitaler Fertigung über E-Commerce und digitalem Marketing bis hin zu Internet der Dinge und Cybersecurity.

Vier wichtige Trends verändern das M&A-Geschäft

Neben der Zunahme von Scope-Deals bringt die Bain-Studie vier weitere Trends zutage:

  1. Finanzinvestoren agieren zunehmend wie strategische Käufer. Noch sind bei mehr als 80 Prozent der Übernahmen Unternehmen die Käufer. Doch der Einfluss vor allem von Private-Equity-(PE-)Gesellschaften wächst – selbst bei sehr großen Transaktionen. In Deutschland sorgte 2017 die Übernahme des MDAX-Konzerns Stada durch zwei PE-Fonds für Furore.
  2. Aktivistische Investoren fordern M&A-Aktivitäten. Weltweit steigt die Bedeutung aktivistischer Investoren und in deren Überlegungen spielen M&As eine immer wichtigere Rolle. In den ersten zehn Monaten 2018 zielte bereits jede fünfte Kampagne dieser Investoren auf M&A-Transaktionen ab.
  3. Regierungen mischen sich ins M&A-Geschäft ein. Der Verkauf heimischer Unternehmen ins Ausland lässt Regierungen rund um den Globus zunehmend misstrauischer werden. Auch Deutschland hat mittlerweile mehr gesetzliche Handhabe und kann solche Käufe schon ab einer Beteiligung von 10 Prozent prüfen.
  4. Überregionale Firmenkäufe verlieren an Bedeutung. Geopolitische Unsicherheiten, weltweite Handelskriege sowie weniger strukturelle Vorteile schmälern die Attraktivität von Unternehmenskäufen über Kontinente hinweg. Die Zahl solcher Übernahmen sinkt, wenngleich Mega-Deals wie der von Bayer das Volumen 2018 noch einmal steigen ließen.

Regelmäßige Zukäufe erhöhen die Aktienrendite

Im Rahmen seiner aktuellen Studie hat Bain wesentliche Erfolgsfaktoren von Firmenübernahmen herausgearbeitet. Dazu zählen eine breit angelegte Due Diligence, das frühzeitige und intensive Auseinandersetzen mit dem Geschäftsmodell des Zielunternehmens sowie eine zügige Integration von Prozessen und Systemen.

Bain-Analysen belegen zudem die Bedeutung kontinuierlicher M&A-Aktivitäten – und zwar branchenübergreifend. Unternehmen, die beständig andere Firmen kaufen, erzielen höhere Aktienrenditen. Am besten schneiden demzufolge diejenigen ab, die auch vor großen Akquisitionen nicht zurückschrecken. Ihre durchschnittliche Aktienrendite liegt mit 9,2 Prozent deutlich über den im Schnitt erreichten 6,9 Prozent.

„Es ist enorm wichtig, im eigenen Haus das Know-how für regelmäßige M&A-Transaktionen aufzubauen“, betont Bain-Kapitalmarktexperte Schmundt. „Und auch, wenn die damit verbundenen Herausforderungen gewaltig sind, sollten sich Unternehmen davon nicht abhalten lassen. Denn mit Übernahmen können sie den disruptiven Wandel oft besser bewältigen und sich so einen nachhaltigen Wettbewerbsvorsprung verschaffen.“

(Pressemitteilung Bain & Company vom 13.03.2019)


Redaktion

Weitere Meldungen


Finanzen, Krise, Verknappung
Meldung

© djvstock/fotolia.com

27.09.2022

Restrukturierungsstudie: Energiekrise, hohe Inflation und steigende Zinsen – Unternehmen sind auf externe Schocks nicht vorbereitet

Pandemie, Ukrainekrieg, Versorgungsengpässe, Inflation – Unternehmen sehen sich parallel mit diversen Krisen konfrontiert. Zudem müssen Firmen ihre Digitalisierung vorantreiben und den gestiegenen ESG-Anforderungen nachkommen. Diese vielfältigen Herausforderungen spiegeln sich auch in der aktuellen „Restrukturierungsstudie 2022“ von Roland Berger wider: 92% der befragten Experten und Expertinnen erwarten eine Zunahme der Restrukturierungsfälle. Mehr als die Hälfte sieht die Unternehmen nur bedingt oder gar nicht auf exogene Schocks vorbereitet.

Restrukturierungsstudie: Energiekrise, hohe Inflation und steigende Zinsen – Unternehmen sind auf externe Schocks nicht vorbereitet
Working Capital Management
Meldung

© Coloures-pic/fotolia.com

27.09.2022

Working Capital Report: Hersteller verbessern Working Capital Management, Zulieferer nicht

Die Automobilindustrie war in den vergangenen Jahren mit gleich mehreren großen Herausforderungen konfrontiert: Lockdowns infolge neuer Corona-Wellen, unterbrochene Lieferketten, starke Nachfrageschwankungen sowie ein Mangel an wichtigen Materialien und Bauteilen – Stichwort Chipkrise – setzten der Branche zu. Trotz dieser widrigen Umstände ist es den Unternehmen gelungen, ihre Umsätze zwischen 2017 und 2021 um 9% zu steigern und die Kapitalbindungsdauer um einen Tag zu verringern. Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Herstellern und Zulieferern: Während die Original Equipment Manufacturer die Kapitalbindungsdauer seit 2017 von 19 auf 14 Tage drücken konnten, ist diese Kennzahl bei den Zulieferern in den vergangenen fünf Jahren auf 56 Tage gestiegen (plus sechs Tage).

Working Capital Report: Hersteller verbessern Working Capital Management, Zulieferer nicht
M&A, Fusion, Übernahme
Meldung

©designer491/fotolia.com

26.09.2022

M&A-Aktivitäten in der DACH-Region: Zurückhaltung in der ersten Jahreshälfte 2022

Die wirtschaftlichen Unsicherheiten in Folge des Russland-Ukraine-Kriegs machen sich im M&A-Markt bemerkbar. Im ersten Halbjahr 2022 fanden in Deutschland, Österreich und der Schweiz deutlich weniger Fusionen und Übernahmen statt als im vorangegangenen Halbjahr. Die Anzahl der Transaktionen sank von 1.884 auf 1.436 – ein Rückgang um 23,8%. Davon entfielen 1.061 auf Deutschland, 104 auf Österreich und 271 auf die Schweiz. Die Höhe der Unternehmenskäufe fiel um 34,8% von 107,4 auf 67,3 Mrd. €.

M&A-Aktivitäten in der DACH-Region: Zurückhaltung in der ersten Jahreshälfte 2022
CORPORATE FINANCE - Die Erfolgsformel für Finanzprofis

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das CORPORATE FINANCE Gratis Paket: 1 Heft + Datenbank