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12.12.2022

Emissionsmarkt Deutschland: Porsche-Börsengang verhindert schlechtestes IPO-Jahr seit 2009

In einem Jahr, in dem eine rekordhohe Inflation, steigende Zinsen und Rezessionsängste die Märkte beherrschten, wagte sich kaum ein Unternehmen an die Frankfurter Börse: Nur vier Firmen gelang 2022 der Sprung auf das Frankfurter Parkett (2021: 18). Sie spielten dabei 9,4 Mrd. € ein (2021: 9,5 Mrd. €). Einzig dem Porsche-Börsengang im dritten Quartal ist es zu verdanken, dass das Emissionsvolumen 2022 auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr lag. Ohne diesen Mega-IPO, der allein 9,1 Mrd. € in die Kassen spülte und damit die zweitgrößte Erstnotiz in der deutschen Geschichte darstellt, wäre 2022 als schwächstes IPO-Jahr seit 2009 in die Geschichte eingegangen. Zu diesen Ergebnissen kommt die Analyse "Emissionsmarkt Deutschland", für die das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC vierteljährlich die Aktienneuemissionen sowie die Kapitalerhöhungen an der Börse Frankfurt erfasst.

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Magere Bilanz des Schlussquartals: 0 IPOs, 2 Kapitalerhöhungen

Steigende Zinsen, eine anhaltend hohe Inflation und die wachsenden Sorgen vor einer Rezession setzten den Kapitalmärkten im Jahr 2022 der Analyse zufolge sehr zu. Deutliche Korrekturen an den Märkten und die damit einhergehende hohe Volatilität sorgten für ein schwieriges Klima, das Börsengänge in Deutschland fast vollständig ausbremste, fassen die Studienautoren die Gründe für das schwache IPO-Jahr zusammen.

Kein einziger Börsengang im Schlussquartal

Auch wenn es an den Kapitalmärkten zum Jahresende leicht bergauf ging, fand im Schlussquartal kein einziger Börsengang mehr statt. Von den vier IPOs im Gesamtjahr waren zwei so genannte Special Purpose Acquisition Companies (kurz: SPACs), also Mantelgesellschaften ohne operatives Geschäft, die über den Börsengang Geld einsammeln, um damit in der Folge ein oder mehrere Unternehmen zu übernehmen.

Magere Bilanz bei Kapitalerhöhungen

Und auch in Sachen Kapitalerhöhungen endet das Krisenjahr 2022 enttäuschend: Lediglich zwei Unternehmen aus der Konsumgüter- bzw. Finanzbranche besorgten sich im vierten Quartal via Kapitalerhöhung frisches Geld am Aktienmarkt: Die tonies SE besorgte sich über eine Kapitalerhöhung 60 Mio. € für weiteres Wachstum und die internationale Expansion. Der Vermögensverwalter Lloyd Fonds konnte über eine Kapitalerhöhung 5 Mio. € einspielen, um den Grundstein für die Finanzierung weiterer Akquisitionen zu legen.

Sowohl die Anzahl der Kapitalerhöhungen (23) als auch das Volumen (1,3 Mrd. €) liegt für 2022 jedoch deutlich unter dem Vorjahresniveau. 2021 kam es immerhin zu 60 Kapitalerhöhungen bei einem Volumen von 16,7 Mrd. €.

Lichtblick bei den Fremdkapitalemissionen

Einzig bei den Fremdkapitalemissionen gibt es positive Signale: Im Schlussquartal 2022 erreichten die Neuemissionen von Bonds im Investment Grade ein Volumen von rund 10,9 Mrd. €. Das Gesamtvolumen fällt für 2022 zwar schwächer aus als in den Vorjahren, aber die Botschaft ist laut der Studienautoren klar. Die Investment Grade-Märkte seien weiterhin offen für Fremdkapitalaufnahmen und funktionsfähig – und könnten damit dem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld trotzen, in dem Investoren nach vermeintlich sicheren Investitionsmöglichkeiten mit soliden Renditeversprechen suchen.

High Yield Grade: Märkte faktisch geschlossen

Anders sieht es im High Yield Grade aus: Nachdem der Markt für High Yield Bonds im zweiten Quartal 2022 vollständig zum Erliegen kam, blieb eine schnelle Erholung auch im zweiten Halbjahr aus. Nur vereinzelt standen High Yield Bonds zur Aufnahme von Fremdkapital zur Verfügung. Im Schlussquartal blieben mit nur einer Emission sowohl Anzahl als auch Volumen der High Yield Bond-Emissionen weiterhin deutlich unter den Vorjahresquartalen.

Verhaltener Ausblick auf 2023

Mit Blick auf das neue Jahr dämpfen die Studienautoren die Erwartungen. Selbst wenn man den Höhepunkt der Inflation hinter sich haben sollte und weitere Zinsschritte dadurch gegebenenfalls kleiner ausfallen würden als zuletzt, sei das wirtschaftliche Umfeld im Moment äußerst schwierig und daher die Unsicherheit am Kapitalmarkt sehr groß.

Die Autoren der Analyse sind deshalb bei ihrer Prognose für das kommende Jahr zurückhaltend: Sie gehen nicht davon aus, dass es in der ersten Jahreshälfte 2023 einen IPO-Boom an der Frankfurter Börse geben wird. Es sei zwar möglich, dass sich im ersten oder zweiten Quartal ein Zeitfenster öffne, in dem sich ein Börsengang gut realisieren lasse. Schließlich sei die Pipeline an Börsenaspiranten seit zwei Jahren gut gefüllt, werde aber aufgrund der widrigen Bedingungen nicht abgearbeitet. Aber weder bei den IPOs noch bei den Kapitalerhöhungen erwarten die Studienautoren im aktuellen Umfeld eine Erholung des Marktes.

Die PwC-Analyse „Emissionsmarkt Deutschland“ können Sie hier herunterladen.

(Pressemitteilung PwC Deutschland vom 09.12.2022)


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