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05.01.2016

Finanzinvestoren kaufen in Deutschland kräftig ein

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

Corporate Finance

Finanzinvestoren haben im Jahr 2015 insgesamt 135 deutsche Unternehmen gekauft oder Unternehmensanteile erworben und dafür 15,7 Mrd. € gezahlt. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Transaktionswert damit um 54% zu – 2014 hatten Private Equity Fonds für insgesamt 10,2 Mrd. € in Deutschland zugekauft. Die Zahl der Deals lag hingegen mit 135 fast exakt auf dem Niveau des Vorjahres (134 Transaktionen).

Bei Verkäufen deutscher Unternehmensbeteiligungen haben Finanzinvestoren im laufenden Jahr insgesamt 16,9 Mrd. € erlöst – also etwas mehr, als sie an neuen Mitteln in den deutschen Markt investiert haben.

Nach einem außerordentlich starken ersten Halbjahr, in dem insgesamt 77 Transaktionen gezählt wurden, erwies sich das zweite Halbjahr mit 58 Deals als etwas schwächer. Der Transaktionswert sank im Halbjahresvergleich von 8,6 auf 7,1 Mrd. €.

Das sind Ergebnisse einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), die den deutschen Private-Equity-Markt untersucht.

Vielfältige Gründe sorgen für Bewegung auf dem Transaktionsmarkt

„Der Transaktionsmarkt boomt“, kommentiert Alexander Kron, Partner und Leiter des Bereichs Transaction Advisory Services bei EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz. „Das Interesse von Finanzinvestoren wie von strategischen Investoren an deutschen Unternehmen ist enorm groß. Die Gründe sind vielfältig: Zum einen ist viel Liquidität im Markt, und der Anlagedruck ist entsprechend hoch. Obendrein lockt der schwache Euro Investoren gerade aus dem angelsächsischen Raum. Vor allem aber sorgen diverse aktuelle Großtrends dafür, dass auf dem Transaktionsmarkt derzeit viel Bewegung herrscht: Digitalisierung, Energiewende, Verfall der Rohstoffpreise oder zunehmende Regulierung – immer häufiger sehen sich Unternehmen gezwungen, über eine grundsätzliche Neuausrichtung ihres Geschäfts und radikale Abspaltung ganzer Bereiche nachzudenken.“

Alles spricht für ein starkes Transaktionsjahr 2016

Kron rechnet damit, dass sich der Aufwärtstrend auf dem Markt auch im kommenden Jahr fortsetzt: „Die Konjunkturaussichten in Deutschland bleiben gut, die Kassen sowohl der strategischen Investoren als auch der Finanzinvestoren sind gut gefüllt, die Banken sind bereit, auch große Transaktionen zu unterstützen. Alles spricht für ein starkes Transaktionsjahr 2016.“

Kräftige Impulse für den deutschen Markt werden vor allem von Unternehmensabspaltungen, sogenannten Carve Outs, ausgehen, erwartet Wolfgang Taudte, Partner bei EY. „Die Zeit ist günstig für Großkonzerne, sich von Unternehmensteilen zu trennen, denn die Kaufbereitschaft ist hoch und Investoren fordern von Unternehmen ein fokussiertes Geschäftsmodell. Gerade für Private-Equity-Investoren sind solche Transaktionen interessant“.

Hohe Bewertungen bremsen Transaktionsaktivität

Das hohe Interesse an Zukäufen – sowohl aufseiten der Finanzinvestoren als auch bei strategischen Investoren – führe allerdings zum Teil zu hohen Bewertungen, was einige Kaufinteressenten aus dem Private-Equity-Bereich eher abschrecke, ergänzt Taudte: „Obwohl die Finanzinvestoren durchaus in Kauflaune sind und auch die Finanzierung kein Problem darstellt, hat der Markt zuletzt etwas abgebremst. Grund sind die hohen Bewertungen aufgrund der starken Konkurrenz durch strategische Investoren“.

In diesem Jahr haben strategische Investoren Zukäufe in Deutschland im Volumen von 46,6 Mrd. € getätigt – ein Anstieg um 28%  gegenüber dem Vorjahr. „Die Private Equity-Investoren können nicht um jeden Preis kaufen, sie dürfen ihre Renditeziele nicht aus den Augen verlieren“, betont Taudte. „Darin unterscheiden sie sich von strategischen Investoren, für die der strategische Wert für die zukünftige Ausrichtung ausschlaggebend ist“.

Mittelstand zeigt weiterhin wenig Verkaufsbereitschaft

Nach wie vor wichtigster Hemmschuh sei die mangelnde Verkaufsbereitschaft bei vielen mittelständischen Unternehmen, aber hier rechnet Taudte mit einem Umdenken: „Die Digitalisierung und der technologische Wandel führen in immer mehr Branchen zu radikalen Umbrüchen und dazu, dass lange etablierte Geschäftsmodelle nicht mehr funktionieren – das ist vielen Unternehmern noch immer nicht klar. In den kommenden Jahren werden auch Deutschlands Vorzeigebranchen wie der Maschinenbau und die Automobilindustrie verstärkt von diesen Umwälzungen erfasst werden – und dann wird Private Equity als kompetenter Partner bereit stehen, der den Unternehmen helfen kann, diese Herausforderungen zu meistern“.

Größter Deal des Jahres: Tank & Rast

Die größte Private-Equity-Transaktion des Jahres war der Verkauf der Autobahn Tank & Rast Holding an ein Konsortium, dem neben Allianz Capital Partners unter anderem der PE-Investor Infinity Investments angehört, für 3,5 Mrd. €. Der zweitgrößte Deal war der Kauf der Douglas Holding AG durch CVC Capital Partners für 2,8 Mrd., gefolgt von der Übernahme der Synlab-Gruppe durch Cinven (1,7 Mrd. €). Insgesamt gab es in 2015 fünf Transaktionen mit einem Wert von mehr als 1 Mrd. €.

(Pressemitteilung EY vom 28.12.2015)


Redaktion

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