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29.06.2022

Firmenkundengeschäft der deutschen Banken zeigt sich vorläufig erholt

Autokonzerne auf der Überholspur

© kevers/fotolia.com

Nach jahrelanger Talfahrt und dem pandemiebedingten Einbruch 2020 hat sich das Firmenkundengeschäft der Kreditinstitute in Deutschland spürbar erholt - zumindest vorläufig. So ist der Corporate-Banking-Index der internationalen Unternehmensberatung Bain & Company in der Dimension Ertrag im zweiten Halbjahr 2021 auf den höchsten Wert seit acht Jahren gestiegen. Und der Profitabilitätsindex ist erstmals wieder auf dem gleichen Niveau wie 2015.

Kreditmarge verbessert sich

Laut des Corporate-Banking-Index ist es aber noch zu früh, von einer Trendwende zu sprechen. Derzeit ist nicht absehbar, inwieweit der Ukraine-Krieg mit seinen Folgen für Lieferketten, Preise und Konjunktur in den kommenden Monaten das Firmenkundengeschäft belasten wird, stellen die Studienautoren fest. Zudem haben die Banken 2021 erheblich von den günstigen Refinanzierungsoptionen der Europäischen Zentralbank sowie den staatlichen Corona-Hilfen für die Wirtschaft profitiert, die nun nach und nach auslaufen. Durch die diversen Stützungsmaßnahmen verbesserte sich die Kreditmarge im zweiten Halbjahr 2021 auf 1,8% – drei Jahre zuvor hatte sie bei lediglich 1,1% gelegen.

Wettbewerbsintensität im Corporate-Banking bleibt hoch

Das Kreditvolumen ist der Studie zufolge bis Ende 2021 auf den neuen Rekordwert von über 1,3 Billionen € gestiegen. Dabei haben die Sparkassen ihren Marktanteil weiter ausgebaut und nähern sich dem der traditionell führenden Privatbanken immer mehr an. Über Kooperationen realisieren sie zunehmend auch Finanzierungen bei größeren Mittelständlern. Dieses Marktsegment entdecken zugleich ausländische Institute vermehrt für sich und die Landesbanken beginnen nach ihrer Restrukturierung wieder anzugreifen. Die Wettbewerbsintensität im Corporate-Banking bleibt hoch, erklären die Studienautoren. Dies zwinge jeden Marktteilnehmer, sich in ausgewählten Branchen oder Kundengruppen oder auch bei Produkten von der Konkurrenz abzuheben und parallel das Provisionsgeschäft zu forcieren.

Abhängigkeit vom Kreditgeschäft hält an

Seit geraumer Zeit arbeiten die Banken daran, ihre Abhängigkeit von zinsbasierten Geschäftsfeldern zu reduzieren – bislang jedoch mit mäßigem Erfolg. Der Anteil des Zinsüberschusses an den Erträgen belief sich im zweiten Halbjahr 2021 auf 69%. Das sind zwar 7 Prozentpunkte weniger als vor gut zehn Jahren, ist aber immer noch deutlich mehr als in ausländischen Märkten üblich. Die Autoren der Studie sehen die Branche trotzdem auf dem richtigen Weg. Der Ausbau des Transaction-Bankings und ein forciertes Cross-Selling beispielsweise von Kapitalmarktprodukten würden erste Früchte tragen, die Provisionsüberschüsse steigen. Höhere Gewinne schaffen zudem mehr Spielraum, um verstärkt in digitale Plattformen und Services investieren zu können.

Eigenkapitalrendite nähert sich wieder den Kapitalkosten

Erfolge auf der Kostenseite erleichtern anstehende Investitionsentscheidungen. Nach jahrelangem Anstieg ist es den Banken gelungen, ihren Verwaltungsaufwand 2021 zumindest zu stabilisieren. Wesentlich für die höhere Profitabilität im vergangenen Jahr war indes ein anderer Aspekt: Die Kreditrisikovorsorge hat sich nach dem pandemiebedingten Anstieg 2020 vor allem aufgrund der positiven Wirkung staatlicher Stützungsmaßnahmen normalisiert. Diese Entlastung führte in Verbindung mit den höheren Erträgen zu einem deutlichen Anstieg der Eigenkapitalrendite im Firmenkundengeschäft. Mit 7% lag sie zuletzt nur noch leicht unter den Kapitalkosten.

Nachhaltigkeit bleibt zentrales Thema

Um auf Dauer die Kapitalkosten zu verdienen, sollten Banken zukunftsträchtige Geschäftsfelder weiter ausbauen, an ihrer Kostendisziplin festhalten und die Kapitalumlaufgeschwindigkeit beispielsweise durch eine vermehrte Syndizierung und Verbriefung von Krediten erhöhen. Neue Ertragschancen ergeben sich insbesondere durch die zügige Erweiterung des Leistungsspektrums rund um ESG-konforme Produkte und Services. Gerade der Mittelstand ist auf die Banken als Finanzierungspartner angewiesen, um die Mammutaufgabe Dekarbonisierung zu bewältigen, erklären die Studienautoren. Je früher die Institute hier Kompetenzen aufbauen würden, desto größer seien ihre Erfolgsaussichten. Die Zeit dränge, denn der Handlungsdruck hat sich durch den Anstieg der Preise für fossile Energien nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine noch einmal erhöht.

Ukraine-Krieg, Konjunkturschwäche und Inflation bergen neue Risiken

Die beschleunigte Dekarbonisierung dürfte dazu beitragen, dass sich der Trend in Richtung stabiler bis steigender Kreditvolumina in den kommenden Jahren fortsetzt. Da die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs auf einzelne Branchen unterschiedlich sind, werden die Banken ihr Engagement dabei noch bewusster als bisher auf Sektoren beschränken, die wie erneuerbare Energien, Konsumgüter und Pharma weniger risikobehaftet sind. Gebot der Stunde ist, sich in passenden Kundensegmenten und Branchen mit klaren Alleinstellungsmerkmalen zu positionieren, raten die Studienautoren. Wer dies schaffe, werde in den kommenden Jahren davon profitieren, dass Unternehmen verstärkt Finanzierungslösungen nachfragen. Alle anderen werden im harten Wettbewerb kaum Chancen haben, ihre Kapitalkosten zu verdienen.

Weitere Informationen zum Corporate-Banking-Index von Bain finden Sie hier.

(Pressemitteilung Bain & Company vom 29.06.2022)


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