• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Frauen im Vorstand wirken sich positiv auf den Unternehmenswert aus

07.03.2021

Frauen im Vorstand wirken sich positiv auf den Unternehmenswert aus

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

© Robert Kneschke / fotolia.com

Frauen in den Vorständen von Unternehmen wirken sich positiv auf deren Wert aus. Ausschlaggebend hierfür ist, dass eine Frauenquote in der Unternehmensführung vor allem den Abbau ineffizienter Unternehmensprozesse zur Folge hat. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des ZEW Mannheim und der New Economic School in Moskau. Untersucht wurden sowohl die Zusammensetzung von Unternehmensvorständen als auch die Eigenschaften von deren Mitgliedern in sieben europäischen Ländern, die leichte bis härtere Regulierungen bei Frauenquoten aufweisen. Auch wurden die Auswirkungen der Quote auf den Wert und die Geschäftstätigkeit der Unternehmen untersucht, wobei Finanzdaten aus den Jahren vor der Ankündigung der Quote sowie nach deren Inkrafttreten verwendet wurden.

Die Bundesregierung hat vor kurzem eine Gesetzesreform beschlossen, um mehr Frauen in die Vorstände von börsennotierten und paritätisch mitbestimmten Unternehmen zu bringen. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist die Quote in Deutschland eher niedrig angesetzt und wird nach wie vor in der Öffentlichkeit kritisch thematisiert. Die vorliegende Studie analysiert die Effekte einer Frauenquote auf Basis von Daten aus Norwegen, Italien, Spanien, den Niederlanden, Belgien und Frankreich, wo rechtlich bindende Quoten zwischen 33 und 40% gelten, sowie Großbritannien, wo eine 25%-Quote empfohlen wird.

Höherer Frauenanteil wirkt sich positiv auf den Unternehmenswert aus

Ein höherer Frauenanteil im Vorstand wirkt sich, dies zeigen die Studienergebnisse, positiv auf den Unternehmenswert aus. Steigt die Frauenquote um zehn Prozentpunkte, nimmt der Unternehmenswert, gemessen am Indikator Tobin’s Q, um 2,1 Einheiten zu. Die Wissenschaftlerinnen registrieren außerdem eine höhere Buy-and-Hold-Rendite von durchschnittlich 1,6 bis 3,8% im jährlich ermittelten Äquivalenzwert für europäische Unternehmen, die einen höheren Frauenanteil in ihren Vorständen haben. Diese Effekte werden vom Markt nicht antizipiert, wenn eine Regulierung angekündigt wird, stellen die Studienautoren fest. Langfristig würden Investoren daher auch von der Gleichstellung von Frauen und Männern in Unternehmensvorständen profitieren.

Vorstandscharakteristiken bleiben trotz Quote gleich

Um die Mechanismen hinter den vorab beschriebenen Effekten zu klären, untersuchten die Wissenschaftlerinnen die Zusammensetzung der Vorstände sowie die Qualifikation von deren Mitgliedern genauer. Unternehmen erhöhen bei Einführung einer Frauenquote häufig nicht die Anzahl ihrer Vorstandsmitglieder, sondern besetzen bereits vorhandene Plätze anteilig mit weiblichen Vorständen. Zudem nimmt die Qualifikation der Vorstände mit wachsendem Frauenanteil nicht ab: Durchschnittsalter, Erfahrung oder die Netzwerkgröße bleiben gleich, so die Ergebnisse der Studie. Allerdings steige mit höherem Frauenanteil die Teilnahme an Vorstandssitzungen signifikant.

Frauen neigen seltener zu Empire Building

In einer weiteren Analyse untersuchten die Wissenschaftlerinnen die Einflüsse auf den Unternehmenswert genauer: Für zehn Prozentpunkte Frauenanteil im Vorstand steigt das Verhältnis von Marktwert des Eigenkapitals zu Vermögenswerten um etwa 5,3 Einheiten. Diese Steigerung des Marktwerts des Eigenkapitals führen die Wissenschaftlerinnen nicht auf einen gestiegenen Verschuldungsgrad oder eine höhere Dividendenausschüttung zurück, sondern machen dafür ein geringeres „Empire Building“ verantwortlich. Beim Empire Building rückt das Interesse von Führungspersonen am externen Unternehmenswachstum in den Vordergrund, z.B. durch die Bildung eines Konzerns, der Erhöhung von Vermögenswerten oder einer Fusion. Empire Building kann sich negativ auf das Unternehmen auswirken, wenn es lediglich auf die Kontrolle der Ressourcen und des Einflusses abzielt, anstatt vor allem eine optimale Ressourcenverteilung, Gewinnmaximierung und das Handeln im Sinne der Aktionärsinteressen anstrebt. In der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung wird es bislang eher männlichen Führungskräften zugeschrieben.

Frauen tätigen weniger fusionsbedingte Ausgaben

Unternehmen mit einer Frauenquote im Vorstand reduzieren die Kosten für Empire Building: Steigt der Frauenanteil im Vorstand um zehn Prozentpunkte, dann hat ein Unternehmen – bei gleichbleibendem Geschäftsumsatz – eine um 10% geringere Wahrscheinlichkeit, fusionsbedingte Ausgaben zu tätigen. Zudem wird seltener neues Anlagevermögen erworben, aber nicht weniger Einnahmen aus dessen Verkauf generiert. Daraus schließen die Wissenschaftlerinnen, dass sich ein größerer Anteil an Frauen darin zeigt, dass nicht nur ineffiziente Anlagen eher abgeschrieben, sondern auch seltener neue Vermögensgegenstände gekauft werden. Dieses veränderte Verhalten wird laut der Studienautoren vom Markt positiv aufgenommen. Es lasse sich nicht durch eine höhere Risikobereitschaft oder veränderte Vorstandsqualifikationen erklären, sondern dadurch, dass Frauen tatsächlich seltener zu Empire Building neigen als ihre männlichen Kollegen.

Weniger Empire Building steigert Unternehmenswert und Buy-and-Hold-Rendite

Diese Effekte gehen zwar mit vorübergehend sinkendem Umsatz einher, was einige operative Leistungsindikatoren zurückgehen lässt, das Verhältnis von Betriebskosten zu Vermögenswerten verändert sich aber nicht. Auch bleiben die umsatzbasierten Margen und die Arbeitsproduktivität stabil. Da diese Rückgänge nicht mit niedrigeren Marktwerten einhergehen, ist dies laut der ZEW-Studie ein weiterer Beleg dafür, dass Unternehmen mit mehr Frauen im Vorstand eher ineffiziente Anlagen abbauen, was sich langfristig in einem höheren Unternehmenswert zeigt.

Geschlechterdiversität ist vorteilhaft für die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens

Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen, die negative Auswirkungen einer Frauenquote auf den Unternehmenswert festgestellt haben, zeigen unsere Ergebnisse, dass die Politik in dieser Hinsicht vor keinem Dilemma steht. Durch weniger Empire Building steigen sogar Unternehmenswert und Buy-and-Hold-Rendite. Geschlechterdiversität in Vorständen ist somit nicht nur vorteilhaft für die Gesellschaft, sondern auch für die Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens, so das Fazit der Studienautoren.

Die Studie „Gender Diversity in Corporate Boards“ finden Sie hier zum Download.

(Pressemitteilung Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung vom 05.03.2021)


Redaktion

Weitere Meldungen


Meldung

© habrda/ fotolia.com

12.08.2022

Automobilbranche setzt Transformationspfad um und kämpft sich mit Erlös- und Kostenoptimierung aus der Krise

Angesichts der steigenden Material- und Energiekosten sowie der Engpässe in den Lieferketten steht die Optimierung von Kosten- und Erlösstrukturen ganz oben auf der Topmanagement-Agenda in der Automobilindustrie. 45% der Befragten sehen dies derzeit als sehr wichtig an, 18% als wichtig. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Branchenbefragung der Managementberatung Horváth.

Automobilbranche setzt Transformationspfad um und kämpft sich mit Erlös- und Kostenoptimierung aus der Krise
M&A, Fusion, Übernahme
Meldung

©designer491/fotolia.com

12.08.2022

Großbritannien überholt Deutschland und wird zum Top-Investitionsstandort in Europa

Trotz Brexit und Covid ist das Vereinigte Königreich so attraktiv wie eh und je für ausländische Investoren. Laut dem jüngsten M&A-Attractiveness Index Score, der vom Mergers and Acquisitions Research Centre der Bayes Business School veröffentlicht wurde, ist das Vereinigte Königreich nun das Top-Ziel in Europa für eingehende und inländische Investitionen. Die jüngste jährliche Rangliste – die erste, die die tatsächlichen Auswirkungen der Covid-Pandemie auf die einzelnen Länder als Ziele für ausländische Direktinvestitionen berücksichtigt – vergleicht die Geschäftsaktivitäten und die Attraktivität für Investoren von 148 Ländern weltweit.

Großbritannien überholt Deutschland und wird zum Top-Investitionsstandort in Europa
Meldung

©aksanakoval / 123rf

11.08.2022

M&A-Markt: Unternehmen setzen auch in turbulenten Zeiten auf Übernahmen

Die weltweite M&A-Rekordjagd hält trotz hoher Inflation und drohender Rezession an. Und es zeichnet sich ab, dass das Transaktionsvolumen in diesem Jahr mit 4,7 Billionen USD den zweithöchsten Wert seit der Jahrhundertwende erreichen könnte. Lediglich im Ausnahmejahr 2021 war es mit 5,9 Billionen USD höher. Das hat der „Global M&A Report Midyear 2022“ der Unternehmensberatung Bain & Company ergeben.

M&A-Markt: Unternehmen setzen auch in turbulenten Zeiten auf Übernahmen
CORPORATE FINANCE - Die Erfolgsformel für Finanzprofis

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das CORPORATE FINANCE Gratis Paket: 1 Heft + Datenbank