Die Bilanzierungsrichtlinie IFRS 16 wird ab Januar 2019 für alle Unternehmen Pflicht, die nach diesen Standards bilanzieren. Die Richtlinie beinhaltet Regelungen zur Bilanzierung der Verbindlichkeiten aus Mietverträgen und anderen Leasingverhältnissen. Der neue Leasingstandard IFRS 16 stellt viele deutsche Konzerne vor enorme Herausforderungen, so eine Umfrage der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC unter den Immobilienmanagern ausgewählter Großunternehmen – davon die Hälfte aus dem Dax. 38% der Befragten sehen ihre Unternehmen von der ab 2019 geltenden Bilanzrichtlinie „stark betroffen“, weitere 19% immerhin „mäßig betroffen“. Die größte Herausforderung ist es, die Daten zu beschaffen, die für die Berechnung erforderlich sind. Gleichzeitig sehen viele Unternehmen die Chance, dank der hohen und prüfungssicheren Qualität der Daten die dringend benötigte Transparenz über den Mietbestand voranzutreiben.
Der neue Leasingstandard laufe darauf hinaus, dass sich Großunternehmen von der beliebten Praxis verabschieden müssten, den überwiegenden Teil ihrer Leasingverträge außerhalb der eigenen Bücher zu führen. Das Operating Leasing, das dem Mieten eines Guts gleicht, werde damit in bilanzieller Hinsicht künftig weitgehend dem Financial Leasing gleichgestellt, das de facto dem Kauf entspricht. Eine Folge dieser Umstellung sei, dass in vielen Unternehmen der Verschuldungsgrad ansteigen wer, weil die Leasinggebühren nun plötzlich als Verbindlichkeiten ausgewiesen werden müssen.“
IFRS 16 als Katalysator für die überfällige Digitalisierung
Manche Experten hatten zuletzt gemutmaßt, dass Unternehmen ihre Entscheidungskriterien, ob sie Immobilien eher kaufen oder mieten, im Zuge von IRFS 16 überdenken würden. Die PwC-Umfrage liefert dafür aber keinen Beleg. Stattdessen zeigten sich die wesentlichen Auswirkungen des Standards an anderer Stelle, gaben die Immobilienmanager zu Protokoll. So verursachten die neuen Regeln einen immensen Aufwand – etwa was die Beschaffung der erforderlichen Daten zu Miethöhe und Mietdauer betrifft.
Laut der Autoren der Studie bedeute IFRS 16 auf kurze Sicht eine Belastung für die Unternehmen. Allerdings würden die zähen Umstellungsarbeiten zeigen, woran es im Immobilienmanagement immer noch mangelt – nämlich an den nötigen technischen Applikationen, um das eigene Leasinggeschäft überhaupt abbilden zu können. Insofern dürfte laut der Studienautoren IFRS 16 auf mittlere Sicht zu einem Katalysator für die überfällige Digitalisierung des Corporate Real Estate Managements werden.
Outsourcing im CREM wird weiter zunehmen
Tatsächlich schätzt die Hälfte der befragten CREM-Verantwortlichen den digitalen Reifegrad der eigenen Abteilung noch immer nur als „ausreichend“ oder gar „ungenügend“ ein. So gaben die Befragten unter anderem an, dass in ihrem Unternehmen viele Aufgaben, die sich eigentlich längst digitalisieren ließen, noch immer manuell ausgeführt würden.
An der Notwendigkeit der digitalen Transformation bestehen hingegen keine Zweifel: 81% der Befragten versprechen sich davon „hohe Potenziale“, 19% zumindest „mittlere Potenziale.“ Als besonders lohnenswert werden dabei Schnittstellenreduktion und Automatisierung angesehen (56%). Zudem mahnt jeder zweite Umfrageteilnehmer eine Verbesserung des Datenmanagements an.
Hybridmodelle zwischen zentraler und regionaler Organisationsstruktur
Spannend wird sein, wie sich die Struktur des betrieblichen Immobilienmanagements im Zuge der Digitalisierung verändern wird. Wie die Umfrage zeigt, richtet mehr als jedes zweite Unternehmen (56%) seine CREM-Abteilung inzwischen zentral aus. Daneben werden Hybridmodelle mit zentralem Management bei zugleich regionaler Prozessverantwortung immer beliebter (31%).
Gefragt wurde auch, welche Bereiche innerhalb des CREM momentan ausgelagert werden. Dabei führte jeder zweite Befragte das Facility-Management an. Daneben wurde vor allem die Beschaffung genannt.
Die Studie finden Sie hier zum Download.
(Pressemitteilung PwC vom 22.06.2017)