• Home
  • /
  • Meldungen
  • /
  • Nachhaltigkeit: ESG ist in den Unternehmen angekommen

24.03.2022

Nachhaltigkeit: ESG ist in den Unternehmen angekommen

Nachhaltigkeit mit ihren Facetten Environmental, Social und Governance (ESG) hat den Alltag börsennotierter Unternehmen erreicht. Der Wandel zum nachhaltigen Wirtschaften hat die strategische Ebene verlassen und beeinflusst die konkrete Geschäftspolitik. Die Bereitschaft der Unternehmen zur Veränderung geht jedoch einher mit dem Wunsch nach stärkerer internationaler Abstimmung und Augenmaß, so die heute veröffentlichte Studie „Unternehmen im Transformationsprozess – Herausforderungen und Chancen von Nachhaltigkeit“ des Deutschen Aktieninstituts und der Rechtsanwaltskanzlei Hengeler Mueller.

Beitrag mit Bild

© thingamajiggs/fotolia.com

Die Unternehmen haben die Notwendigkeit erkannt, ihre Strategie und ihr Handeln auf das Megathema Nachhaltigkeit auszurichten, erklären die Studienautoren. Die Studie zeige, dass börsennotierte Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit aktiv aufgreifen und vielfältige Steuerungs- und Prozesselemente verankern, um die Transformation hin zu nachhaltigerem Wirtschaften voranzutreiben.

Erhebliche Reibungsverluste durch Regulatorik

Laut des Deutschen Aktieninstituts ist das Bekenntnis der deutschen Unternehmenslandschaft zur nachhaltigen Transformation unserer Gesellschaft da. Es treffe aber auf eine regulatorische Realität, die zu erheblichen Reibungsverlusten bei der Umsetzung führen könnte. Gefragt seien nun vor allem pragmatische und zielorientierte Lösungen, um gemeinsam die ambitionierten wie notwendigen internationalen Nachhaltigkeitsziele zu verwirklichen.

Die Studie gibt Auskunft darüber, wo deutsche börsennotierte Unternehmen in dem Transformationsprozess zu einer nachhaltigen Wirtschaft stehen. Grundlage ist eine Umfrage unter Finanzvorständen und Aufsichtsratsvorsitzenden von DAX-, MDAX- und SDAX-Unternehmen. Diese wurden befragt, was sie bei der Transformation antreibt und wie sich die Berücksichtigung von ESG-Themen auf Unternehmen auswirkt. Darüber hinaus war Gegenstand der Umfrage, wie sie die Regulierungsvorhaben Taxonomie, Corporate Sustainability Reporting Directive und Sustainable Corporate Governance einschätzen. Die Umfrageergebnisse wurden durch Einblicke in die Unternehmenspraxis in Form von Interviews ergänzt.

Unternehmen befinden sich tief in der Nachhaltigkeitstransformation

Laut der Analyse haben die Unternehmen die Herausforderungen, die mit dem Wandel zu einer nachhaltigen Wirtschaft verbunden sind, erkannt und angenommen. Die Untersuchung zeigt, dass sie Nachhaltigkeit als Querschnittsthema begreifen. Aspekte wie Reputation, Verantwortungsbewusstsein und Mitarbeitermotivation treiben den Transformationsprozess intern an. Aber auch Forderungen der Investoren und Anforderungen von Politik und Gesellschaft spielen eine Rolle.

Mehr als drei Viertel der befragten Unternehmen haben ihre strategische Ausrichtung mit Blick auf die Nachhaltigkeit angepasst. Der Trend geht auch ganz deutlich zur Aufnahme definierter ESG-Leistungskennzahlen in die Unternehmenssteuerung.

Licht und Schatten bei den Berichtspflichten

Der Erweiterung der Berichtspflichten, den der Entwurf der europäischen Corporate Sustainability Reporting Directive vorsieht, stehen die Befragten grundsätzlich positiv gegenüber. Die Unternehmen wünschen sich allerdings international einheitliche Standards.

Kritischer wird die EU-Taxonomie gesehen, die aufgrund ihrer Komplexität und der Granularität ihrer Berichtsanforderungen die Unternehmen vor große Herausforderungen stellt. Vor allem die mittelbaren Auswirkungen der Transparenzpflichten auf Strategie und Unternehmenssteuerung sind aus Sicht der Umfrageteilnehmer problematisch. So ist unklar, ob die Taxonomie-Verordnung faktisch dazu zwingt, über eine Anpassung der Kennzahlen zur Unternehmenssteuerung nachzudenken oder darüber, künftig Investitionsentscheidungen an ihr zu orientieren.

Corporate Sustainable Governance

Die Vorschläge der EU-Kommission zu Sustainable Corporate Governance werden teilweise mit großer Skepsis betrachtet. Der Vorschlag, Nachhaltigkeitsexpertise mittels eines ESG-Experten im Aufsichtsrat zu etablieren, findet ein geteiltes Echo, weil in den Organen bereits Wissen ausgebaut wurde.

Überlegungen, dass Stakeholder Vorstand und Aufsichtsrat direkt verklagen können, werden am kritischsten beurteilt. Das überrascht nicht, zeichnet sich aufgrund der großen Komplexität und der Unklarheit hinsichtlich der Umsetzung der Vorgaben im Unternehmen ein hohes Prozessrisiko ab.

Die Verankerung von Nachhaltigkeitsthemen in den Unternehmen ist auf einem guten Weg, so das Fazit des Deutschen Aktieninstituts. Bei Strategie, Organisation, Berichterstattung und interner Überwachung habe die Führungsebene ESG-Kriterien im Blick. Angesichts der Fülle neuer Pflichten, die auf Unternehmen zukommen, ist die EU-Kommission dringend aufgefordert, Augenmaß zu wahren, so die Forderung der Studienautoren, denn um Berichtsanforderungen zu vereinheitlichen und den Aufwand für die Unternehmen zu reduzieren, seien international abgestimmte Nachhaltigkeitsvorgaben sinnvoll.

Die Studie „Unternehmen im Transformationsprozess – Herausforderungen und Chancen von Nachhaltigkeit“ können Sie hier herunterladen.


Weitere Meldungen


Meldung

© Minerva Studio/fotolia.com

14.09.2026

M&A 2027: Optimismus trotz Gegenwind

Europas M&A-Markt zeigt sich trotz geopolitischer Spannungen widerstandsfähig. Laut dem „CMS European M&A Outlook 2027“, für den CMS gemeinsam mit Mergermarket 250 Führungskräfte aus Unternehmen und Private Equity befragt hat, rechnen 64 % der Befragten in den kommenden zwölf Monaten mit steigenden Transaktionszahlen. Im Vorjahr waren es 50 %. Weniger Deals, deutlich höheres Volumen Im

M&A 2027: Optimismus trotz Gegenwind
Meldung

© furuoda/fotolia.com

10.09.2026

2035 könnte fast jeder zweite Lkw elektrisch sein

Der Markt für elektrische Lkw entwickelt sich weltweit mit sehr unterschiedlicher Geschwindigkeit. Während China beim Hochlauf bereits weit vorangeschritten ist, steht Europa vor einer starken Wachstumsphase. Die USA dürften dagegen noch länger von Dieselantrieben geprägt bleiben. Das zeigt eine aktuelle Analyse der Boston Consulting Group (BCG). China führt bei elektrischen Lkw In China entfielen 2025

2035 könnte fast jeder zweite Lkw elektrisch sein
Meldung

© bluedesign/fotolia.com

09.09.2026

Deutschland mit realistischer Chance auf deutliche Wachstumssteigerung

Deutschland kann nach Einschätzung der KfW seine Wachstumsschwäche überwinden. Eine neue Studie von KfW Research hält im kommenden Jahrzehnt ein dauerhaftes Potenzialwachstum von mehr als 1% pro Jahr für erreichbar. Seit 2015 ist das Potenzialwachstum von knapp 2% auf nur noch leicht über null gesunken. Produktivität als zentraler Hebel Entscheidend für eine Trendwende seien Fortschritte

Deutschland mit realistischer Chance auf deutliche Wachstumssteigerung
CORPORATE FINANCE Beratermodul

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das Beratermodul CORPORATE FINANCE im 3 Monate Start-Abo (1 Monat gratis)