05.09.2023

Neue Risiken erfordern mehr Eigeninitiative

Autokonzerne auf der Überholspur

© maxsim/fotolia.com

MarktSpot: Politische Ereignisse bedrohen neben Risiken aus Klimawandel, Cyber-Angriffen und Inflation immer mehr Unternehmen.

Schäden durch politische Ereignisse könnten bald einer der größten Schadentreiber für Unternehmen in Deutschland und Europa werden. So haben Terrorismus, Kriegshandlungen und gewalttätige Proteste – neben den Risiken aus Klimawandel, Cyber-Angriffen und anhaltender Inflation – zunehmend Folgen für den Geschäftserfolg vieler Organisationen. Diese müssen Risikomanagement und Versicherungsschutz entlang der neuen Risikolandschaft ausrichten. Was dies für einzelne Branchen und Sparten bedeutet, thematisiert der heute veröffentlichte MarktSpot, Trendreport zur Industrieversicherung der Unternehmensberatung WTW.

Traditionelle Versicherungslösungen genügen nicht

„Im heutigen Risikoumfeld reichen traditionelle Versicherungslösungen bei Weitem nicht mehr aus, um sich abzusichern“, sagt Thomas Olaynig, Head of Corporate Risk & Broking DACH & Polen bei WTW. „Die weltweit zunehmenden Konflikte verdeutlichen, wie wichtig eine ganzheitliche Analyse der Risikolage eines jeden Unternehmens ist. Wir können und müssen heute viel mehr Daten nutzen, um Risiken einzuschätzen und individuell abzusichern.“

Auf das Worst-Case-Szenario vorbereiten

Der Bedarf an Versicherungsschutz für politische Risiken ist stark gestiegen – ungeachtet der Region, in der Firmen tätig sind. Allein 2022 haben weltweit 9 von 10 Unternehmen nach eigenen Angaben Schäden durch politische Ereignisse erlitten. Die hohen Schadensummen führten dazu, dass Industrieversicherer ihren Risikoappetit reduzierten und die Prämien erhöhten. „Unternehmen müssen darauf reagieren, indem sie sich selbst Standort für Standort ein klares Bild von möglichen Ereignissen verschaffen – und darauf ausgerichtet präventive Maßnahmen ergreifen sowie flankierend ihren Versicherungsschutz überarbeiten“, sagt Olga Losing-Malota, Head of Broking DACH, Corporate Risk & Broking bei WTW.

Management von Klimarisiken erfordert eigenen Antrieb

Der Trendreport richtet das Augenmerk darüber hinaus auf weitere wesentliche Aspekte der „neuen Risikolandschaft“: So erfordert der Klimawandel immer mehr Weitsicht der Risikomanager. Sie müssen eigene Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen, aber zugleich den ESG-Kriterien der Investoren und Versicherer entsprechen, um auch künftig Finanzierung und Deckung zu erhalten. „Mit den ESG-Pflichten haben Wirtschaft und Politik erste wichtige Grundsteine für einen angemessenen Umgang mit Klimarisiken gelegt. Doch Unternehmen müssen darüber hinaus aktiv werden, selbstständig bestimmen, wie sich zukünftige Naturkatastrophen auf ihr Geschäftsmodell auswirken werden und besonders gefährdete Standorte schützen“, sagt Losing-Malota.

Cyber-Angriffe ziehen strenge Auflagen für Unternehmen nach sich

Ein nachhaltiger Geschäftserfolg hängt auch von der Resilienz im Cyber-Bereich ab: Ransomware-Fälle und Angriffe auf die digitale Lieferkette, sogenannte „Digital Supply Chain Attacks“, halten die Schadenquoten in der Cyber-Versicherung hoch. Infolgedessen haben die Versicherer ihre Anforderungen an die IT-Sicherheit weiter verschärft. Für kleine und mittelständische Unternehmen stehen zwar noch ausreichend Versicherungssummen zur Verfügung. Großkunden dagegen sind auf einen guten Zugang zu internationalen Kapazitäten angewiesen.

Risiken datengestützt und automatisiert managen

Um sich abzusichern, müssen Unternehmen ihre individuelle Risikosituation genau kennen und den Versicherern fundierte Daten liefern können. Fehlt den Anbietern eine Bewertungsgrundlage, setzen diese ihre Prämien höher an oder zeichnen Risiken seltener. Eine Kernaussage des MarktSpots ist daher auch, dass und wie Unternehmen in einzelnen Versicherungssparten ein aktives Risikomanagement betreiben sollen.

„Dem Anspruch, immer mehr und häufiger Unternehmens- und Risikodaten abzuliefern, werden wir nur mit Automatisierung gerecht“, sagt Olaynig. So müssten Versicherte und Anbieter gleichermaßen einen fortschrittlicheren Umgang mit Daten und Technologien wagen. „Der automatisierte Austausch von Risikodaten reduziert Fehlerquoten und spart kostbare Ressourcen bei Unternehmen und Versicherern.“

(WTW vom 31.08.2023 / Viola C. Didier, RES JURA Redaktionsbüro)


Weitere Meldungen


Schild, Aufwärtstrend, Grün, green
Meldung

© bluedesign/fotolia.com

20.06.2024

ifo erhöht Prognose auf 0,4 % Wachstum für 2024

Das ifo Institut hat seine Prognose für das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr auf 0,4 % heraufgesetzt, von 0,2 % bislang. Im kommenden Jahr dürfte es sich beschleunigen auf 1,5 %. „Es entsteht gerade neue Hoffnung“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. „Die deutsche Wirtschaft arbeitet sich langsam aus der Krise. Das zweite Halbjahr 2024 dürfte deutlich besser ausfallen als das

ifo erhöht Prognose auf 0,4 % Wachstum für 2024
Import, Export, Industry 4.0, Industrie, Logistik, Versand, Augmented reality, smart logistic
Meldung

©zapp2photo/fotolia.com

19.06.2024

Multikrise belastet industrielle Wertschöpfung

Die deutschen Industrie-Unternehmen blicken pessimistisch in die Zukunft: Mehr als 80 % der Firmen rechnen mit rückläufigen Gewinnen, wie die aktuelle Ausgabe des Supply Chain Pulse Check von Deloitte und Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) zeigt. Denn die bei Rohstoffen und Vorprodukten stark importabhängige Industrie kann ihre globalen Lieferketten immer weniger oder nur mit hohem Aufwand

Multikrise belastet industrielle Wertschöpfung
Ausblick, Innovation, Start up, Gender, Frau, Erfolg, Gleichstellung
Meldung

© Minerva Studio/fotolia.com

19.06.2024

ZEW-Konjunkturerwartungen stagnieren

Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland verändern sich in der Umfrage vom Juni 2024 nur geringfügig. Sie liegen mit plus 47,5 Punkten um 0,4 Punkte über dem Wert vom Mai. Die Einschätzung der aktuellen konjunkturellen Lage verschlechtert sich hingegen leicht. Der Lageindikator für Deutschland fällt um 1,5 Punkte und liegt aktuell bei minus 73,8 Punkten. „Die Konjunkturerwartungen

ZEW-Konjunkturerwartungen stagnieren

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das CORPORATE FINANCE Gratis Paket: 1 Heft + Datenbank