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27.02.2024

Rückläufige Bewertungen erschwerten 2023 das M&A-Geschäft

Autokonzerne auf der Überholspur

© adiruch na chiangmai/fotolia.com

Das M&A-Dealvolumen sank 2023 weltweit um 15 % auf 3,2 Billionen US-Dollar. Die hohe Zahl aufgeschobener Deals werden zu einer Belebung des M&A-Geschäfts 2024 führen.

Das weltweite M&A-Transaktionsvolumen ist 2023 um 15 % auf 3,2 Billionen US-Dollar gesunken – den niedrigsten Wert in den vergangenen zehn Jahren. Angesichts steigender Zinsen, konjunktureller Unsicherheit sowie verschärfter Prüfungen durch Aufsichtsbehörden agierten potenzielle Firmenkäufer erheblich vorsichtiger.

Laut einer Befragung von weltweit rund 300 M&A-Verantwortlichen, die im Rahmen des „Global M&A Report 2024“ der internationalen Unternehmensberatung Bain & Company durchgeführt wurde, scheiterten Vertragsabschlüsse jedoch vorrangig an unterschiedlichen Preisvorstellungen. Mehr als zwei Drittel der Käufer nannten dies als entscheidende Hürde. Ebenso viele gaben an, auf ein verbessertes Umfeld zu warten. Der Bain-Report analysiert die weltweiten Entwicklungen der letzten zwölf Monate, geht detailliert auf 14 verschiedene Branchen ein und gibt einen Ausblick für das laufende Jahr.

Gründe für den Rückgang bei den Dealvolumina

„Viele Marktteilnehmer haben sich 2023 zurückgehalten. Nur wenige waren bereit, zu Tiefstständen zu verkaufen“, erklärt Kai Grass, Bain-Partner und Leiter der Praxisgruppe Mergers & Acquisitions (M&A) in der EMEA-Region, den erneuten Rückgang bei den Dealvolumina. Das EBITDA-Multiple bei strategischen Transaktionen lag mit 10,1 so niedrig wie nie in den vergangenen 15 Jahren. Doch nun steige der Handlungsdruck, so Grass: „Einige Unternehmen werden 2024 verkaufen, um Liquidität zu erhalten. Andere werden nicht länger zögern und ihr Portfolio bereinigen. Da sich auch die Zinsen stabilisiert haben, wird sich der Stau bei M&A-Transaktionen aller Voraussicht nach auflösen.“ Der Marktkenner erwartet einen harten Wettbewerb um attraktive Deals.

Einbruch im Technologiesektor

Der schrumpfende M&A-Markt im vergangenen Jahr verdeckt erhebliche Unterschiede zwischen verschiedenen Branchen und Käufergruppen. Den größten Einbruch musste 2023 der Technologiesektor verkraften. Hier sank das globale Transaktionsvolumen im Vergleich zum Vorjahr um 213 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 43 %. Im Energie- und Gesundheitssektor gab es dagegen erhebliche Zuwächse.

Auch in Deutschland legte der Energiesektor gegen den Landestrend zu. Die Übernahme des Heiztechnikherstellers Viessmann durch die US-amerikanische Carrier Group führte zudem zu einem deutlichen Anstieg der Volumina in der Fertigungsbranche. Insgesamt belief sich das strategische M&A-Transaktionsvolumen in Deutschland 2023 auf rund 67 Milliarden US-Dollar. Von der höheren Nachfrage nach Healthcare-Firmen profitierte wiederum der Schweizer Markt, in diesem Sektor fanden dort vier der sechs größten M&A-Deals im vergangenen Jahr statt. Insgesamt blieb das strategische M&A-Transaktionsvolumen in der Schweiz mit rund 29 Milliarden US-Dollar im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert.

Strategische Investoren haben die Nase vorn

Bei den Käufergruppen schlugen sich strategische Investoren wesentlich besser als Finanzinvestoren. Das weltweite Dealvolumen von Private-Equity-Fonds ging im vergangenen Jahr um 37 % zurück, bei den Strategen beschränkte sich der Rückgang auf 6 %. Vor allem regelmäßige Firmenkäufer ließen sich von den widrigen Rahmenbedingungen nicht abschrecken, 71 % von ihnen erwarben seit Beginn der Zinswende zumindest ein weiteres Unternehmen.

Mit Blick auf Langzeitanalysen erklärt Bain-Partner und M&A-Experte Dr. Tobias Umbeck: „Wer in schwierigen Zeiten weiter im M&A-Geschäft aktiv bleibt, erwirtschaftet langfristig höhere Aktienrenditen.“ Das aktuelle Umfeld bilde da keine Ausnahme. Allerdings müssten sich potenzielle Firmenkäufer mit einer neuen Herausforderung auseinandersetzen: „Das Verhalten der Aufsichtsbehörden hat sich verändert. Wer eine weitreichende Transaktion plant, benötigt Überzeugungskraft und Ausdauer“, so Umbeck.

Regulatorische Auflagen erschweren das M&A-Geschäft

In den vergangenen zwei Jahren wurden weltweit Firmenübernahmen mit einem Volumen von zumindest 361 Milliarden US-Dollar von Aufsichtsbehörden hinterfragt. Bei nahezu allen der letztendlich genehmigten Deals gab es Auflagen. Und das erst nach einiger Zeit. Bei umstrittenen Transaktionen vergehen mittlerweile zwischen der Ankündigung und dem Closing im Durchschnitt zwölf Monate.

Während die Aufsichtsbehörden Prozesse bei M&A-Deals tendenziell verzögern, könnte künstliche Intelligenz (KI) sie deutlich beschleunigen. Derzeit nutzen der Bain-Befragung zufolge erst 16 % der M&A-Verantwortlichen generative KI. In den kommenden drei Jahren dürfte dieser Anteil voraussichtlich auf 80 % ansteigen. Die bisherigen Nutzer setzen KI-Werkzeuge vor allem in frühen Phasen bei Transaktionen ein und berichten in den meisten Fällen von erheblichen Produktivitätsgewinnen.

Belebung 2024 erwartet

Ein vermehrter KI-Einsatz kann die Effizienz aller Beteiligten bei einer Übernahme erhöhen. Ein weiterer Grund für Bain-Partner Grass, einen optimistischen Ausblick zu geben: „Die Chancen stehen gut, dass sich das globale M&A-Geschäft ab 2024 belebt.“ Der Marktkenner verweist auf die zunehmenden Aktivitäten zum Jahresende 2023 hin, die nach wie vor hohe Zahl aufgeschobener Transaktionen sowie mögliche Zinssenkungen im Jahresverlauf.

Finanzstarke und langfristig denkende Firmenkäufer sollte auch die anhaltende geopolitische und konjunkturelle Unsicherheit nicht abschrecken. Im Gegenteil: „Konjunkturelle Schwächephasen und disruptive Zeiten haben schon immer die Unternehmen gestärkt, die in einem solchen Umfeld aktiv geblieben sind“, so Grass. „Das gilt auch für das Jahr 2024. Tatkräftige Unternehmen haben gerade jetzt die Chance, sich durch Zukäufe von der Konkurrenz abzusetzen.“

(Bain & Company vom 26.02.2024 / RES JURA Redaktionsbüro)


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