15.06.2016

Schon jedes dritte Unternehmen nutzt Big Data

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

Corporate Finance

Immer mehr Unternehmen in Deutschland treffen relevante Entscheidungen auf Basis von Datenanalysen und schaffen es auch, die entsprechenden Erkenntnisse nutzbringend anzuwenden – allen voran im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Automobilindustrie. Öffentliche Verwaltungen sind dem Thema Big Data gegenüber deutlich weniger aufgeschlossen als die Unternehmen. Das hat eine repräsentative Umfrage von Bitkom Research im Auftrag von KPMG unter 704 Unternehmen und 102 Verwaltungen mit mehr als 100 Mitarbeitern ergeben.

Gut ein Drittel (35%) der Unternehmen in Deutschland nutzt Big Data Analysen für die Auswertung großer Datenmengen. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren waren es erst 23%. „Innovative Datenanalysen werden als Grundlage für wirtschaftliche Entscheidungen immer wichtiger“, so Dr. Axel Pols, Geschäftsführer von Bitkom Research, bei der Vorstellung der Studienergebnisse.

Datenanalyse schafft Wert

In der Umfrage geben vier von fünf Unternehmen (80%) an, dass relevante Entscheidungen zunehmend auf Erkenntnissen aus der Analyse von Daten basieren. Gut zwei Drittel (69%) sagen, dass Datenanalysen ein zunehmend entscheidender Baustein für ihre Wertschöpfung sind. Dabei kommen unterschiedliche Auswertungsmethoden zum Einsatz. Knapp die Hälfte (48%) der Unternehmen verwendet beschreibende bzw. deskriptive Analysen, die Informationen über eine aktuelle Situation liefern. 39% setzen vorausschauende Analysen ein, die Aussagen über zukünftige Entwicklungen machen. Pols: „Moderne Software-Lösungen bieten die Möglichkeit, präskriptive Analysen durchzuführen, die zusätzlich praktische Handlungsempfehlungen geben.“ Diese Lösungen verwenden 15% der Unternehmen, nach 12% im Vorjahr.

Big Data beschreibt die Fähigkeit, große Datenmengen aus unterschiedlichen Quellen und mit unterschiedlicher Struktur in hoher Geschwindigkeit auszuwerten. Entstanden sind Big Data-Analysen im Zuge des Fortschritts in der Informationstechnik mit nahezu unbegrenztem Speicherplatz und einer immer höheren Rechengeschwindigkeit. Laut Umfrage sammeln und analysieren alle befragten Unternehmen Stammdaten, die Basisinformationen wie Name und Anschrift eines Kunden oder Spezifikationen eines Produktes umfassen. 86% werten Kundendaten aus, 79% analysieren systemisch erstellte Daten, zum Beispiel Sensor- oder Standortdaten, und 70% nutzen öffentlich verfügbare Daten, beispielsweise Informationen zur ökonomischen Entwicklung. „Big Data ermöglicht es, Informationen aus verschiedensten Quellen zu einem Gesamtbild zu verdichten und daraus konkrete Maßnahmen abzuleiten“, so Peter Heidkamp, Head of Technology von KPMG.

Datenanalysen helfen bei Prävention und Produktion

Nach den Ergebnissen der Umfrage kommen in 85% der Unternehmen Datenanalysen in der Produktionsplanung bzw. Projektabwicklung zum Einsatz. Im Marketing nutzen 69% der Unternehmen Datenauswertungen für die Kundenanalyse. Ein wichtiges Einsatzgebiet ist der Bereich Finanzen und Controlling: 91% der Unternehmen nutzen Datenanalysen im Risikomanagement, also bei der Identifikation und Bewertung potenziell geschäftsschädigender Entwicklungen. Heidkamp: „Datenanalysen können in allen relevanten Bereichen eines Unternehmens einen Mehrwert generieren, indem sie beispielsweise die Produktion effizienter machen, eine zielgenauere Kundenansprache ermöglichen oder vor finanziellen Risiken warnen.“ So sagen 70% der Befragten, dass sie Geschäftsrisiken durch den Einsatz von Datenanalysen verringern konnten. 54% konnten eine individuellere Gestaltung von Produkten oder Services erreichen und 51% ein gezielteres Marketing.

Rechts- und Sicherheitsbedenken als Hemmnis

Die größten Hemmnisse für den Einsatz innovativer Datenanalysen sind nach Aussage der befragten Unternehmen Rechts- und Sicherheitsbedenken sowie ein Mangel an Ressourcen. 60% der Unternehmen scheuen davor zurück, eigene Daten für Analysezwecke an einen externen Dienstleister weiterzugeben. 55% der Befragten haben ein unzureichendes Budget und 50% nicht genügend Datenanalyse-Spezialisten. 41% sagen, es gibt Unklarheiten hinsichtlich der Rechtslage. Vor allem der Durchführung fortgeschrittener Analysen von Daten unterschiedlicher Struktur und Herkunft stehen laut Umfrage Datenschutzbedenken im Weg. Fast ein Drittel (29%) der Befragten äußert die Sorge vor öffentlicher Kritik als einen Grund, auf Datenanalysen zu verzichten.

Medien- und Versicherungsbranche strategisch am weitesten vorne

Ein Drittel (34%) der Unternehmen verfügt über eine Big Data Strategie. Unterschiede gibt es zwischen den Branchen. 56% der Medienunternehmen und 46% der Versicherungen haben eine Big Data Strategie, während es in der Automobilindustrie nur 34% sind. Dr. Thomas Erwin, Global Execution Partner Data & Analytics bei KPMG: „Die Studie zeigt, dass deutsche Unternehmen die Phase der reinen Datensammlung zunehmend hinter sich lassen. Das Ziel ist jetzt, aus den gesammelten Daten Antworten auf die Herausforderungen des entsprechenden Unternehmens zu finden.“

Oftmals liege der Erfolg von Analyseprojekten in der Datenvielfalt, wenn Informationen aus unterschiedlichen Quellen kombiniert werden. Dafür müssten die Unternehmen mit Datenprofis zusammenarbeiten, die sich auf komplexe Auswertungsmethoden spezialisiert haben. Nicht zuletzt sollten Unternehmen Themen wie Datenschutz oder IT-Sicherheit aktiv angehen. „Transparenz und Datensicherheit sollten bei Projekten mit personenbezogenen Daten oberste Priorität haben“, betonte Erwin.

Die ausführlichen Studienergebnisse finden Sie hier.

(Pressemitteilung vom 10.06.2016)


Redaktion

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