07.04.2016

Verhaltener Auftakt ins neue Börsenjahr

CFO Survey: Geschäfts- und Konjunkturaussichten für Deutschland im Sinkflug

Corporate Finance

Nach dem Rekordjahr 2015 verläuft das aktuelle IPO-Jahr eher schleppend. Einen starken Einbruch gab es bei den Kapitalerhöhungen. Auch ist eine deutliche Verschiebung von Eigen- hinzu Fremdkapitalinstrumenten zu beobachten.

Das erste Quartal des Börsenjahres 2016 kann nicht an das überragende Ergebnis des vergangenen Jahres anknüpfen. Im Gegensatz zu den knapp 4 Mrd. € erlösten Kapitals aus dem Schlussquartal des Jahres 2015 konnte zum Jahresstart nur ein Volumen von 287 Mio. € durch Initial Public Offerings (IPOs) am Kapitalmarkt platziert werden. Der B.R.A.I.N. Biotechnology Research and Information Network AG gelang als erstem deutschen Biotech-Unternehmen seit 2006 die Notierung in Deutschland. Zudem konnte das Hamburger Windenergieunternehmen Senvion S.A. Anteile im Wert von rund 256 Mio. € bei institutionellen Investoren platzieren.

„Der IPO Markt in Deutschland folgte im ersten Quartal globalen Einflüssen. Vor allem Sorgen um die chinesische Wirtschaft verursachten zum Jahresbeginn Nervosität an den deutschen Börsen“, so Christoph Gruss, Kapitalmarktexperte bei PwC und Partner im Bereich Capital Markets & Accounting Advisory Services.

„Trotz der fortwährenden Unsicherheiten aufgrund potentieller Terroranschläge in Europa sind die Rahmenbedingungen nicht zuletzt angesichts der anhaltenden Niedrigzinspolitik der EZB weiterhin positiv einzuschätzen“, führt Christoph Gruss fort und stellt klar: „Für das Jahr 2016 halten wir an der von uns zum Jahresbeginn prognostizierten Bandbreite ‚echter‘ IPOs zwischen 12 und 14 fest – vorausgesetzt weitere externe, negative Faktoren bleiben aus.“

IPO-Pricing und Aftermarket Performance

Die Anteile der B.R.A.I.N. Biotechnology Research and Information Network AG konnten zum Quartalsende einen zweistelligen Kursgewinn von rund 11% verbuchen. Der im Rahmen der Neuemission erzielte Emissionspreis lag jedoch am untersten Ende der Bookbuildingspanne, sodass ein Emissionsvolumen von 31,5 Mio. € am Markt, ohne Ausübung der Mehrzuteilungsoption, platziert wurde. Der Emissionspreis der Wertpapiere der Senvion S.A., die im Rahmen der Privatplatzierung Ende März ausgegeben wurden, liegt mittig zur Bookbuildingspanne. Das an ausschließlich institutionelle Investoren gerichtete Angebot erzielte zwar ein Emissionsvolumen von mehr als 250 Mio. €, liegt jedoch unter dem zuvor angestrebten Transaktionserlös des Unternehmens. Zum Quartalsende wurde ein Kursverlust im niedrigen einstelligen Prozentbereich verzeichnet.

Kapitalerhöhungen

Im aktuellen Quartal ist ebenfalls eine rückläufige Marktaktivität bei den sogenannten Secondary Offerings, den Kapitalerhöhungen börsennotierter Unternehmen, zu beobachten. Das Volumen sank um knapp 90% von 1,2 Mrd. auf 147 Mio. €  im Vergleich zum Vorquartal. Die Anzahl der Transaktionen hat sich in diesem Zusammenhang von 29 auf 14 mehr als halbiert. Auch im Vergleich zum Vorjahresquartal hat sich der Markt für Kapitalerhöhungen abgekühlt. Im ersten Quartal 2015 konnten noch 920 Mio. € verteilt auf 18 Transaktionen erlöst werden.

Bei den Kapitalerhöhungen konnte mit CANCOM SE ein Unternehmen aus dem Sektor Software den höchsten Emissionserlös (66,2 Mio. €) verbuchen. Vor allem Unternehmen aus dem Finanzdienstleistungssektor und dem Medienbereich waren im ersten Quartal des laufenden Jahres aktiv am Markt für Kapitalerhöhungen. Jede zweite Transaktion in den vergangen drei Monaten ist auf einen der beiden Sektoren zurückzuführen. Zu den drei Unternehmen der Medienbranche zählt unter anderem die Wild Bunch AG. Das Berliner Filmproduktions- und Verleihunternehmen, welches bis zum Juli 2015 unter dem Namen SENATOR Entertainment AG bekannt war, tätigte zwei Transaktionen mit einem Gesamtemissionsvolumen von 24,8 Mio. €. Im Finanzdienstleistungssektor platzierte die publity AG das größte Emissionsvolumen mit rund 20 Mio. €.

Steigendes Volumen bei Fremdkapitalemissionen

Der Markt für Anleiheemissionen hat sich im ersten Quartal 2016 im Vergleich zu sämtlichen Vorjahresquartalen in 2015 in Bezug auf das Volumen positiv entwickelt. Nach den Rückgängen in Q3 und Q4 2015 stieg das Volumen in den vergangenen drei Monaten auf mehr als 200 Mrd. € an. Der durchschnittliche Zinscoupon sank dabei deutlich auf 2,7% (Q4 2015: 3,19%), im Median sogar auf 2,3% (Q4 2015: 3,15%).

Christoph Gruss stellt fest: „Die Unternehmen greifen zur Zeit eher zu Fremd- als zu Eigenkapitalinstrumenten als primäres Mittel zur Deckung des Finanzierungsbedarfs. In diesem Zusammenhang ist eine deutliche Verschiebung zu erkennen. Grund hierfür kann die Geldmarktpolitik der EZB und die damit einhergehenden günstigen Konditionen für Fremdkapitalemissionen sein. Die zeitweise sehr hohe Volatilität am Aktienmarkt und die damit verbundene Unsicherheit für Eigenkapitalemissionen sind wohl auch ein Faktor.“ Der Volatilitätsindex VDAX war seit Anfang des Jahres auf den höchsten Stand seit 2012 mit über 30 Punkten geklettert. Gegen Ende des Quartals sank die Volatilität jedoch wieder auf um die 20 Punkte.

(Pressemitteilung PwC vom 31.03.2016)


Redaktion

Weitere Meldungen


M&A, Fusion, Übernahme
Meldung

©designer491/fotolia.com

26.09.2022

M&A-Aktivitäten in der DACH-Region: Zurückhaltung in der ersten Jahreshälfte 2022

Die wirtschaftlichen Unsicherheiten in Folge des Russland-Ukraine-Kriegs machen sich im M&A-Markt bemerkbar. Im ersten Halbjahr 2022 fanden in Deutschland, Österreich und der Schweiz deutlich weniger Fusionen und Übernahmen statt als im vorangegangenen Halbjahr. Die Anzahl der Transaktionen sank von 1.884 auf 1.436 – ein Rückgang um 23,8%. Davon entfielen 1.061 auf Deutschland, 104 auf Österreich und 271 auf die Schweiz. Die Höhe der Unternehmenskäufe fiel um 34,8% von 107,4 auf 67,3 Mrd. €.

M&A-Aktivitäten in der DACH-Region: Zurückhaltung in der ersten Jahreshälfte 2022
Meldung

©aksanakoval / 123rf

23.09.2022

Das Klima im Fokus: M&A-Transaktionen im ESG-Sektor im Anstieg

Laut des M&A-Marktreports zum Bereich Environmental, Social & Governance Technology (ESG) des M&A-Beratungsunternehmens Hampleton Partners zielten in der ersten Jahreshälfte 2022 weltweit 93 Deals auf ein ESG-Unternehmen ab – das ist ein Anstieg von 173% gegenüber dem ersten Halbjahr 2019. Der Environmental, Social & Governance Technology M&A Market Report von Hampleton Partners untersucht Transaktionen, die in den letzten fünf Jahren auf Unternehmen abzielten, die sich auf ESG-Techunterstützung spezialisiert haben. Der Schwerpunkt liegt auf Software, Outsourcing-Services und Beratung sowie auf Technologielösungen im weiteren Sinne.

Das Klima im Fokus: M&A-Transaktionen im ESG-Sektor im Anstieg
Dividende
Meldung

© Coloures-pic/fotolia.com

23.09.2022

Rekord-Dividende der DAX-Konzerne fließt zum Großteil an ausländische Anleger

Noch nie schütteten die DAX-Konzerne so viel Dividenden aus wie in diesem Jahr: 51 Mrd. € gingen an die Investoren. Im Jahr zuvor waren es nur 36 Mrd. € gewesen. Deutsche Anleger haben allerdings wenig vom Geldregen durch die DAX-Dividenden, denn die Wertpapiere von Deutschlands Top-Index befinden sich mehrheitlich – zu 53% – in der Hand ausländischer Investoren. Anleger aus Deutschland besitzen lediglich etwas weniger als ein Drittel (30%) der Wertpapiere der wichtigsten Wirtschaftsunternehmen des Landes. Bei mindestens 24 der 40 DAX-Konzerne liegt der Analyse zufolge die Mehrheit der Aktien in Depots im Ausland. Deutsche Investoren halten dagegen nur bei vier Unternehmen mehr als 50% der Anteile.

Rekord-Dividende der DAX-Konzerne fließt zum Großteil an ausländische Anleger
CORPORATE FINANCE - Die Erfolgsformel für Finanzprofis

Haben wir Ihr Interesse für CORPORATE FINANCE geweckt?

Sichern Sie sich das CORPORATE FINANCE Gratis Paket: 1 Heft + Datenbank